Eberhard Gläser (anonym) - 13. April, 18:10

Hier kann man den Beitrag im DLF hören ( interessante Stimme übrigens ). Danach gibt es hier einige Missverständnisse. Die Drückeberger setzen sich gerade nicht durch, im Gegenteil, sie werden später die motiviersten Regelbeachter ( erinnert irgendwie an ehemalige Raucher ), die sogar bereit sind einen Teil ihrer Einnahmen für die Sanktionierung wieder auszugeben. Ich finde die Darstellung durchaus schlüssig und vor allem auch mit erhöhtem Erklärungspotenzial versehen.

Flötenfuchs (anonym) - 13. April, 20:21

@Eberhard Gläser

zu: einige Missverständnisse. Drückeberger setzen sich ja gar nicht durch

Das hatte ich ja oben schon zurückgenommen. Ich hatte gedanklich zuerst das Experiment mit dem Artikel über Mulle vermischt. Aber ich habe es ja gemerkt und auch genauso gesagt, wie Du es jetzt festgestellt hast!

Noch mal. Eine Darstellung erscheint einem immer schlüssig, wenn Sie dem eigenen "Bauchgefühl" entgegenkommt. Genau deshalb gibt es ja wissenschaftliche Kriterien um dieser Gefahr zu entgehen. Und es gibt erkenntnistheoretisch zwei wichtige (Popper):

Validität verlangt, dass das gemessen wird, was gemessen werden soll, also die Hypothese.

Reliablität bedeutet, dass das Experiment wiederholbar ist, was in dem Versuch wahrscheinlich gegeben ist, wie ich mal annehme.

Ich gebe zu, dass etwas Training benötigt wird, um das Kriterium "Validität" anwenden zu können. Es lohnt sich aber (vor allem für Telepolis-Journalisten ;O), das mal zu trainieren. Die Validität eines wissenschaftlichen Experiments ist auch nicht immer so einfach widerlegbar, wie in diesem Fall und bedarf häufig der Diskussion. In diesem Fall aber nicht, weil das Experiment ärgerlich unwissenschaftlich ist.

Die Validität ist in dem Versuch deshalb nicht gegeben, weil nicht gemessen wird, dass Versuchspersonen zur Kooperation neigen, sondern nur, dass die Versuchspersonen zu der Gruppe wechseln, wo die größeren Erfolgsaussichten bestehen (höherer Highscore, höhere Prämie). Der Versuch könnte ganz leicht abgeändert werden, dass z.B. die Spielregeln so gesetzt werden, dass unkooperatives Verhalten zum besten Ergebnis führt. Dann würden eben alle in dieser unkooperativen Gruppe mitspielen wollen.

Fazit. Es wurde in dem Versuch bewiesen, dass Personen am liebsten in der Gruppe spielen, wo sie den höchsten Highscore erreichen. Das ist aber trivial. Es wurde nicht bewiesen, dass Personen grundsätzlich eher zur Kooperation neigen. Verhaltenspsychologisch oder soziologisch oder kulturell sagt das Expirement gar nichts aus.

Es kann subjektiv so plausibel sein, wie es will, wissenschaftlich ist es Murks.

So. Dass war jetzt mein absolut abschließendes Statement zu dem Thema. Wenn das jetzt niemandem klar ist, geb ich es auf und geh ins Kloster.

Aber ich habe Recht!!!!! (Oder beweis das Gegenteil)
Flötenfuchs (anonym) - 13. April, 21:35

Sorry, war gerade etwas echaufiert

Also ich diskutiere natürlich gerne weiter. Ich will mich aber hier nicht aufdrängen. Deshalb ist es mir fast ein bischen peinlich, dass ich jetzt so lange Texte schreibe. Ich habe aber noch eine weitere Quelle gefunden. Ich schreibe es mal aus, weil hier Links nicht immer funktionieren: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/263866
Dort ist die Hauptthese des Experiments klar formuliert (im Gegensatz zu dem DLF-Interview, da wird die Vorteilhaftigkeit der Kooperation mehr betont). Die politisch brisante Hauptthese ist dort:

Gruppen sind mit Sanktionen deutlich erfolgreicher als ohne

Zu diskutieren wäre jetzt, ob der Versuch das auch tatsächlich misst oder ob nur die gesetzten Spielregeln dafür sorgen, dass man mit Sanktionen erfolgreicher ist. Das wäre die Prüfung der Validität. Leider ist in den Artikeln und im Interview nichts darüber zu erfahren, wie der Versuch genau ausgesehen hat. Dann wäre die Diskussion leichter. Ich behaupte (vermute) aber mal, dass man mit einer Spielsituation, bei der die Regeln künstlich gesetzt sind, kaum eine sozialpsychologische aber niemals eine soziokulturelle These mit Allgemeingültigkeitsanspruch belegen kann. Gibt man den Allgemeingültigkeitsanspruch auf, dann muß man für den Fall einer sozialpsychologischen These auf jeden Fall die Einschränkungen nennen, die sich aus den Versuchbedingungen ergeben. Die werden aber in den Interviews zumindest nicht genannt. Das bedeutet, in der Öffentlichkeit erscheinen die Thesen mit Allgemeingültigkeitsanspruch.

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41