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Haiku
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Designfehler
"Die Studie der drei Wissenschaftler stützt die Theorie, dass kulturelle Selektion – also die Vorstellung, dass sich Kultur auf eine Weise entwickeln kann, die dem Darwinschen Prinzip der natürlichen Selektion ähnlich ist – bei der Herbeiführung und Aufrechterhaltung von Kooperation eine Rolle spielt."
Wenn es sich um eine evolutionäre Selektion handeln würde, dann müßten ja am Ende tatsächlich "echte" Gutmenschen durch den Selektionsdruck entstehen. Im Experiment setzten sich aber die "Drückeberger" durch. Für letztere These gibt es übrigens noch einen wissenschaftlichen "Beweis": Faule Mulle sind rund und fit.
Bei genauer Analyse des Versuchsdesign und der Ergebnisse müsste man also genau dies als vorläufig nicht falsifizierte These verkünden.
Man sieht sehr schön die Krux bei der Interpretation dieser Art von Wissenschaft. Das nämlich irgendwelche libertären "Trittbrettfahrer" solche fragwürdigen spieltheoretischen Experimente für sich vereinnahmen, indem sie sie in ihrem ideologischen Sinne interpretieren. Aber mit Spieltheorie bekommt man ja heutzutage Nobelpreise in den Wirtschaftswissenschaften (Mikroökonomie) ;-)
Gutmenschen, also jene, welche nicht sofort "tit for tat" spielen und den Betrug des Gegenüber mit defektieren "bestrafen", haben unter bestimmten Bedingungen mit ihrer Strategie durchaus evolutionäre Vorteile.
Ich denke aber nicht, daß es absolut feste Dispositionen bezüglich der Strategien gibt - der Mensch ist, zum Glück, flexibel und frei genug, um zwischen den Strategien zu wechseln - dabei selbstverständlich immer zu seinem Vorteil, i.e. egoistisch.
Nur weil die Spieltheorie den Leuten ideologisch nicht in den Kram paßt, würde ich sie nicht canceln. Alle Modelle sind falsch, aber einige sind ganz brauchbar. ;-)
Anmerkung zum eigenen Kommentar
Ich muss aber noch mal eine Anmerkung zu meinem eigenen Kommentar machen .
Ich hatte geschrieben: "Im Experiment setzen sich die Drückeberger durch". Das ist natürlich nicht richtig. Sie machen am Ende genauso mit, wie alle anderen. In dem anderen natürlichen Experiment mit den Mullen (Spiegelartikel) kommen die Drückeberger durch. Es ist dort sogar ein Selektionsvorteil, Drückeberger zu sein, aufgrund bestimmter Umwelt-Rahmenbedingungen.
Die Schlußfolgerung müsste also lauten. In dem einen Experiment werden die Drückeberger zur sozialen Anpassung gezwungen, in dem anderen (Mulle) haben sie einen Selektionsvorteil. Das hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab, wobei dann die Frage die ist, ob die Spielsituation die Rahmenbedingungen so richtig herstellt, dass am Ende eine sozialdarwinistische Interpretation zulässig ist. Und genau das bezweifle ich.