Egoismus und Altruismus
Eine interessante Beschreibung eines soziologisch-ökonomischen Versuches findet man bei Telepolis: Vom Saulus zum Paulus
Das Studienergebnis ist psychologisch erklärbar. Menschen akzeptieren nur die Regeln bzw. wenden sie auf sich selbst an, wenn sie annehmen können, dass diese auch für alle anderen gelten, kontrolliert und gefordert werden. Das ist nichts anderes als der Ausdruck des (vielleicht angeborenen) Gerechtigkeitssinns. Neu ist an dem Setting, mit welch minimalen Versuchsbedingungen man seine Existenz nachweisen kann.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein älterer Versuch derselben Professorin Bettina Rockenbach aus Erfurt, mit dem die Rolle des Vertrauen in menschlichen Beziehungen getestet wurde: Vertrauen zahlt sich aus
Man kann beide Versuchsergebnisse zu dem Schluss zusammenfassen, dass man in vielen Fällen über Sanktionen erst nachdenken, sie androhen oder gar ausführen sollte, nachdem eine bestimmte Normabweichung geschehen ist. Das Beunruhigende an dem ersten Versuch ist ja nicht das relativ leicht zu verstehende Ergebnis, sondern die weltanschaulichen Konsequenzen, die manche Kommentatoren daraus gezogen haben. Nämlich dass Altruismus nur eine Illusion ist und dieser eigentlich nur eine besonders perfide Form von Egoismus darstellt.
Das ist ein ganz typischer Kategorienfehler. Aus der Tatsache, dass Egoismus eine mögliche Ursache von Altruismus ist, kann man nicht schließen, dass Egoismus die alleinige Voraussetzung von Altruismus darstellt. Wäre es so, dann wäre die Erziehung aller Menschen zu Egoisten der Königsweg, eine bessere Welt zu erschaffen.
Inspiriert wurde ich zu diesem Beitrag durch: Studie: Faulenzer beuten Gruppe aus - Atltruismus und Kooperation funktioniert nur mit Strafe
Kategorien: Gehirn & Geist, Ethik
Das Studienergebnis ist psychologisch erklärbar. Menschen akzeptieren nur die Regeln bzw. wenden sie auf sich selbst an, wenn sie annehmen können, dass diese auch für alle anderen gelten, kontrolliert und gefordert werden. Das ist nichts anderes als der Ausdruck des (vielleicht angeborenen) Gerechtigkeitssinns. Neu ist an dem Setting, mit welch minimalen Versuchsbedingungen man seine Existenz nachweisen kann.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein älterer Versuch derselben Professorin Bettina Rockenbach aus Erfurt, mit dem die Rolle des Vertrauen in menschlichen Beziehungen getestet wurde: Vertrauen zahlt sich aus
Man kann beide Versuchsergebnisse zu dem Schluss zusammenfassen, dass man in vielen Fällen über Sanktionen erst nachdenken, sie androhen oder gar ausführen sollte, nachdem eine bestimmte Normabweichung geschehen ist. Das Beunruhigende an dem ersten Versuch ist ja nicht das relativ leicht zu verstehende Ergebnis, sondern die weltanschaulichen Konsequenzen, die manche Kommentatoren daraus gezogen haben. Nämlich dass Altruismus nur eine Illusion ist und dieser eigentlich nur eine besonders perfide Form von Egoismus darstellt.
Das ist ein ganz typischer Kategorienfehler. Aus der Tatsache, dass Egoismus eine mögliche Ursache von Altruismus ist, kann man nicht schließen, dass Egoismus die alleinige Voraussetzung von Altruismus darstellt. Wäre es so, dann wäre die Erziehung aller Menschen zu Egoisten der Königsweg, eine bessere Welt zu erschaffen.
Inspiriert wurde ich zu diesem Beitrag durch: Studie: Faulenzer beuten Gruppe aus - Atltruismus und Kooperation funktioniert nur mit Strafe
Kategorien: Gehirn & Geist, Ethik
Samstag, 08.April 2006





Mißverständnisse, welche fast resignieren lassen.
Genau aber in diesem Satz wird das Mißverständnis über "Egoismus" selbst wieder deutlich: es wird als negatives, weil hemdsärmliches Verhalten gesehen.
Ich sehe Menschen, wie alle Organismen sowie die Gene selbst (vgl. The selfish gene) als Systeme bzw. Lebensformen, die, unter dem geringsten Einsatz von eigener Energie so viel wie möglich Gewinn ziehen können.
Gebe ich dem Mensch die Chance zu Gewinn, ohne dabei etwas tun zu müßen (Bedingung 1 im Experiment) so wird er dies, scheinbar "schamlos", für sich nutzen - konsequent nach dem ihm innewohnenden Egoismus.
Ein Mensch wird aber darauf achten, daß niemand auf seine Kosten einen Gewinn macht und mit Sanktionen (Strafe oder Abbruch der Kooperation) reagieren, wenn dies geschieht (Bedingung 2) - er schützt sich und ist Egoist.
Altruismus als Folge einer Gruppe mit Starfsystem (Bedingung 2) sehe ich schon als Form von Egoismus: entweder weil er per drohender Sanktionen dazu "veranlasst" wird oder aber, weil er sonst nichts anderes zum Gruppengewinn direkt beitragen kann und sich seine "Gruppenzugehörigkeit", welche ihm ja auch die Teilhabe am Gruppenbesitz (Ressourcen) sichert, durch "soziale Dienst" sichert.
Letztlich ist der Mensch von der Gruppe abhängig! (s.a. Spieltheorie).
Es ist wirklich ein Problem, wie man die Ergebnisse solcher Studien den Menschen rüberbringen kann, vor allem wenn Reizwörter wie Egoismus, welche stets ideologisch bestzt sind, darin vorkommen - oder aber, wenn die Ergebnisse selbst mit einem Weltbild oder einer Ideologie in Konflikt geraten, diese gar bedrohen.
Persönlich tut's mir meist weh, da ich die "Schönheit" von Versuchsdesigns zu schätzen und die Ergebnisse der Studien "nüchtern" zu lesen weiß.
... man könnte den Menschen so viel aus solchen Studien geben, aber sie wollen eben nur das hören, was sie wollen bzw. was sie bestätigt.
Bei mir haben bislang nur "Linke" kommentiert, die sich an meiner, zugegebnermaßen provokanten Darstellung (ist beabsichtigt) gestoßen haben. Liberale oder konservative Kräfte, würden meine Darstellung wahrscheinlich auch bejubeln - was ich aber auch bedauern würde, weil sie dies, meiner Meinung nach, nur wegen der Bestätigung ihrer Ideologie tun würden.
Ich sollte wieder in meinen Elfenbeinturm zurück. Aber was ist Wissen, das nur in Büchern oder Fachzeitschriften landet?
PS: Trackback oder Kommentar bei mir wäre in diesem Falle praktisch gewesen.
wichtige Korrektur
Trackback
Egoismus hat als Wort im Deutschen eine negative Konnotation, das muss man bei der Verwendung schon beachten. Gegen die Vertretung von eigenen Interessen hat sicherlich niemand etwas. Allerdings sind die Auffassungen unterschiedlich, wo berechtigtes Eigeninteresse endet und "echter" Egoismus beginnt. Zu einer Diskussion dazu siehe hier. Der Beitrag selbst Warum demnächst die Reichen aus Deutschland weichen passt sicherlich auch recht gut ins AlgII-Fach, es ist sozusagen die Kehrseite davon.
Ich kenne einige, die Alg II beziehen, obwohl sie gern arbeiten würden und - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - auch könnten. "Der Markt" aber braucht sie nicht. Ich hätte bei der Studie der Frau Professor deshalb den Zusammenhang zu Alg II nicht gezogen, sondern wäre bei ihren Beispielen, wie Schwarzfahrern in öffentlichen Verkehrsmitteln, geblieben.
Das "selfish gen" ist nicht einmal eine wissenschaftliche Theorie, es ist eine Hypothese. Es "kämpfen" bzw. konkurrieren im Rahmen evolutionärer Prozesse auch nicht (allein) Einzelgene, was ein ziemlich eine ziemlich blöde Versimpelung darstellt, sondern in etwa genauso großem Maß (oder sogar stärker) sondern Genpools.
Was bedeutet das, wenn man überhaupt den entzivilisierenden Irrweg des Biologismus weiterbeschreiten möchte, in Bezug auf das Altruismus-Egoismus-Problem?
Es bedeutet, dass wir eine natürliche Hilfsbereitschaft von Menschen (v.a. außerhalb des Bereichs von Partnerwerbung) als anthropoligischen Grundzug erwarten dürfen, und müssen. Und tatsächlich, Kinder verhalten sich - quer über alle Kulturen hinweg - von ganz allein hilfsbereit und altruistisch. Natürlich nicht nur.
Um es kurz zu machen:
Der Mensch (und nicht nur dieser) zeichnet sich durch ein Nebeneinander von Altruismus und Egoismus aus.
Wer den jämmerlichen Vorstellungen von de Sade oder von Wirtschaftschaftsliberalen hinterherhechelt, und dies mit einer ordentlichen Dosis Sozialdarwinismus und Viertelwissen aus dem Bereich der Genetik verrührt, der belegt nur, dass er als selbst erklärter "Experte" besser den Mund halten sollte, deshalb, weil er vom Thema wenig Ahnung hat bzw. ein Extremist ist, welcher mit seiner Sichtweise dem Wesen des Menschen nicht gerecht werden kann.