Drei Tage in Rom

Ich wollte schon lange nach Rom, nicht nur wegen dem Vatikan, sondern vor allem wegen der über 2000jährigen Geschichte, wegen Raffael und Michelangelo und wegen den Schwärmereien von Bekannten, die schon einmal dort gewesen sind. Es ist schon schizophren: In Deutschland spöttelt man über die Japaner, die Europa in einer Woche oder weniger absolvieren, dann ist man selbst im Zeitdruck, kauft sich kurz vorher einen Reiseführer mit Kapiteln wie "Rom in 1-2-3 Tagen", liest sich diese Kapitel flüchtig durch, fliegt hin, besucht die angepriesenen Stellen im Gedränge mit vielen anderen Touristen, und eilt nach Gewinnen eines kurzen flüchtigen Eindrucks wieder nach Hause. Drei Tage in Rom, mehr war nicht drin.

Pantheonischer Tag

So schön wie auf dem Postkartenbild links war die Spanische Treppe bei unserem Besuch nicht. Die Doppelkirche oben war hinter einem Baugerüst verdeckt, Blumen auf der Treppe gab es auch keine, aber jede Menge sitzende Leute auf der Treppe oder neben dem sich unterhalb der Treppe befindlichen Brunnen. Man kann auf einem der Treppenabsätze recht komfortabel picknicken.

Der Trevi-Brunnen gilt als der berühmteste Springbrunnen der Stadt. International wurde er mit dem Film „La Dolce Vita“ bekannt (an den ich mich nicht mehr erinnern kann). Wie viele andere Touristen bin ich dem Aberglauben gefolgt und habe eine Münze hineingeworfen. Stilgerecht mit dem Rücken zum Brunnen und über die linke Schulter. Das soll eine Rückkehr nach Rom ermöglichen.

Vorhin habe ich gelesen, dass das Geld der Caritas zugute kommt. Bekannte haben mir allerdings erzählt, dass sie Bettler beim abendlichen Fischen im Brunnen beobachtet haben. Diese sind sowieso ein schwieriges Thema, wenn man aus einer deutschen Kleinstadt kommt, in der Bettler nahezu unbekannt sind. Das schlechte Gewissen angesichts des eigenen „Reichtums“ leidet aber erheblich, wenn man sie beim Telefonieren mit dem Handy oder beim Zählen größerer Geldsummen beobachten kann.

Der Piazza Navona ist ein langgestreckter Platz, der auf den Erdhügeln eines alten römischen Stadions gebaut wurde. Auf dem Platz gibt es drei Springbrunnen. Ich habe in einem Restaurant am Rande des mittleren Springbrunnens den teuersten Kaffee meines Lebens getrunken.

Das Pantheon wurde zu Beginn des 2. Jahrhunderts gebaut, wie viele römische (heidnische) Bauten hat es die Zeiten nur überstanden, weil es im Mittelalter zu einer christlichen Kirche umfirmiert wurde. In meinem Reiseführer stand, dass die Kuppel aus Tuffstein gegossen wurde, die Wikipedia berichtet gar von Beton?

Im Innern ist Raffael begraben. Aber das mich am stärksten Beeindruckende war, dass sich dieser Trumm aus der Römerzeit mitten zwischen normalen Häusern befindet. Das Bild ist aus Sicht eines Restaurants aufgenommen, von dem man das Pantheon gut im Blick hat. Rechts in einer Seitenstraße gibt es einen Laden mit leckerem Eis.

Vatikanischer Tag

Der Petersdom ist die größte Kirche der Welt. Der im Innenraum zur Schau gestellte Prunk und die Kunstschätze dürften die Welt polarisieren. Katholiken werden in dieser Kirche katholischer. Protestanten werden protestantischer, weil sie sich noch stärker als zuvor darüber ärgern, wie sich Heilige und Päpste zwischen den Menschen und Gott drängen. Und Atheisten werden sich die Frage stellen, ob das hier verbaute Geld nicht besser für nützlichere Dinge hätte ausgegeben werden können.

Neben dem Eingang der Kirche gibt es zwei Warteschlangen. Die erste bringt einen nach oben, auf den Kuppelrundgang mit Blick über Rom. Die zweite führt nach unten in die Nekropole, wo viele Päpste, u.a. Johannes Paul II. begraben sind. Ich habe noch keinen Friedhof erlebt, auf dem solcher Lärm geherrscht hat. Auf dem Petersplatz wurden während unseres Besuches Stühle, eine Tribüne und Lautsprecher aufgebaut, weil 2 Tage später die Feier zum ersten Todestag von Johannes Paul stattfinden sollte.

Es gibt den Spruch „Alle Wege führen nach Rom“. Man kann ihn fortsetzen mit: Und in Rom führen alle Wege zum Vatikan, und in den Vatikanischen Museen führen alle Wege zur Sixtinischen Kapelle. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die zahlreichen Wegweiser nicht sehr hilfreich sind. Man kann in dem labyrinthischen Geflecht aus Räumen mit tausenden von Ausstellungsstücken viele Tage zubringen, aber viele Rombesucher werden sich wahrscheinlich nur ein paar Stunden dafür Zeit nehmen können. Irgendwann landet man dann wirklich in der Sixtinischen Kapelle.

Selbst große Kunstbanausen werden wissen, dass die meisten Bilder in der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo stammen und dort Die Erschaffung Adams suchen. Bei dem Gedränge durch die vielen Touristen ist es eine glückliche Fügung, dass sich das Gemälde an der Decke befindet. Die Erschaffung Adams ist aber nur ein kleines Detail eines viel größeren Freskos.

Die Kapelle selbst ist ein dunkler hoher Raum, lediglich ein paar Stühle befinden sich am Rand. Wenn es zur Papstwahl darin auch so ungemütlich und dunkel ist, dann kann man den Kardinälen nur wünschen, dass sie den neuen Papst möglichst schnell finden. In den übrigen Zeiten stehen in der Kapelle immer mindestens tausend Touristen dicht an dicht gedrängt und starren an die Decke. Fotografieren ist zwar verboten, wie die Museumswärter ständig ermahnen, aber etwa alle zwei Sekunden klickt trotzdem ein Verschluss oder leuchtet ein Blitzlicht. Wer will, kann Adam auf meinem persönlichen Schnappschuss suchen, beim heimlichen Abdrücken aus der Hüfte habe ich ihn erwischt.

Die Engelsburg befindet sich unweit des Vatikans, wurde ursprünglich als Mausoleum eines römischen Kaisers erbaut und ist ebenfalls so gut erhalten, weil sie etwa ab dem 10. Jahrhundert von den Päpsten genutzt wurde. Wenn man zuvor den Petersdom und die Vatikanischen Museen besucht hat, ist man eigentlich schon am Eingang der Engelsburg platt. Wenn man die Zeit hat, dann sollte man für die Vatikanischen Museen am besten einen eigenen Tag einplanen.

Kolossaler Tag

Wenn man es genau nimmt, dann war das Kolosseum ein riesiges Schlachthaus, in dem sich über 4 Jahrhunderte Menschen und Tiere gegenseitig zur Unterhaltung der Zuschauer umgebracht haben. Der Eintritt war frei. Auch heute dient das Kolosseum wieder der Unterhaltung, weniger der Römer, mehr der Touristen. Der Eintrittspreis ist happig.

An den 4 Seiten gab es im Altertum jeweils einen Zugang: Einer für die Senatoren, einer für den Plebs, einer für die Gladiatoren und ein Ausgang zum Heraustragen der Leichen. Wie man auf dem Bild erkennen kann, gab es unter der eigentlichen Arena, die aus einem mit Sand bestreuten Holzfußboden bestand, zwei Stockwerke für Requisiten und den Zugang der Tiere. (Nur im hinteren Teil ist heute ein Teil des Fußbodens nachgebaut.) Die Ställe und die Unterkünfte der Gladiatoren lagen außerhalb der Mauern des Kolosseums.

Ziemlich seltsam nimmt sich im Kolosseum ein großes Kreuz aus, „für die christlichen Märtyrer, die hier gestorben sind“. Dabei gilt es als ziemlich wahrscheinlich, dass verfolgte Christen nicht im Kolosseum, sondern vielmehr im Circus Maximus des Kaiser Nero wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen wurden.

Unweit des Kolosseums liegt das Forum Romanum, der größte freigelegte Platz mit Ruinen aus der Römerzeit. Hinten links das große kastenförmige Gebäude mit den 6 Säulen ist der Tempel des Antoninus Pius und der Faustina. Auch dieser Tempel wurde später zu einer christlichen Kirche gemacht. Auf halber Höhe finden sich in den Säulen vor der Front Rillen. Hier hatten christliche Eiferer versucht Seile anzubringen, um die heidnischen Säulen umzustürzen. Dass dabei die eigene Kirche ebenfalls zusammengekracht wäre, schien sie wenig zu stören.

Das zweite große und jüngste Forum ist das Trajansforum, auch als Trajansmärkte bekannt, erbaut in der Mitte des 2. Jahrhunderts. Es ist leicht erkennbar an der Trajanssäule. Es gilt für viele römische Siegessäulen in Rom, dass sie mit einem Relief mit der Schilderung der Heldentaten des jeweiligen Kaisers geschmückt sind, aber die sich ursprünglich an der Spitze der Säule befindlichen Kaiserstatuen gestürzt und durch christliche Heilige ersetzt wurden.

Organisatorisches

Wenn man sich rechtzeitig kümmert, dann benötigt man für den Flug und drei Übernachtungen in Rom weniger als 200 Euro. Es empfiehlt sich, ein Hotel in der Nähe des Termini-Bahnhofs zu buchen. Erstens fahren Flughafenzubringerbusse von / nach dem außerhalb Roms gelegenen Flughafen Ciampino, zweitens ist von Termini aus das "touristische" Rom zu Fuß erlaufbar. Es lohnt sich, die Qualität der verschiedenen Hotels vorher aus Erfahrungsberichten im Internet zu checken, denn diese ist sehr unterschiedlich. In Rom kommt man trotz manchmal happiger Eintrittspreise mit maximal 40 Euro am Tag gut hin, sodass ein verlängertes Wochenende nicht mehr als 350 Euro kosten muss, einschließlich Flug und Hotel.

Kategorien: Reiseberichte
kranich05 - 8. April, 22:00

Ich hab den Eindruck, Du hast die 3 Tage und Euronen gut genutzt.
Im September werde ich auch zum ersten mal nach Rom.
Dein kleiner Bericht reist da sozusagen mit.

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Kommentare hier ...

In einem Binärbaum ist die Suchdauer...
Köppnick - 13. Mai, 12:19
Ein wesentlicher Vorteil ist da noch gar...
steppenhund - 12. Mai, 21:17
Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29