Habt Mitleid mit den Amis

Habt Mitleid mit den Amis, die haben einfach nur Angst. Im Süden ihres Kontinents präsidieren nahezu ausschließlich linkssozialistische Regierungschefs, die Kanadier im Norden weigern sich hartnäckig, von den genauso zahlreich wie in den USA vorhandenen privaten Schusswaffen Gebrauch zu machen. Vor der Küste hat man die Kubaner selbst nach 40 Jahren Blockade noch nicht zum Verhungern gebracht, obwohl ja jetzt nicht mehr viel daran fehlt.

In ein paar Jahren stehen hinter den Ozeanen den Amis ein muslimisches Europa, ein christliches Afrika und ein buddhistisches Asien gegenüber. Letzteres verhindert durch seine penetrante Freundlichkeit und ständige Umarmungen das Ziehen der Colts unserer aufrechten Patrioten. Da auch das überwiegend mit Kängurus bewohnte Australien nicht sonderlich kriegslüsternd ist, bleibt den Amis doch gar nichts anders übrig, als durch den Ausstoß von Treibhausgasen die Antarktis aufzutauen, um neue Freunde zu gewinnen.

Vielleicht finden sie ja dort noch ein paar eingefrorene Neandertaler und ihre Mammuts, können sich daraus neue Klonkrieger, Kampfelefanten und einen zweiten Hannibal züchten. Oder man muss auf dem Mars noch mal gründlicher suchen, Bush ist schon ein ganz schlauer. Als Planet ist der Mars zwar braun, brauner geht’s gar nicht, von dort stammen schließlich die gefürchteten kriegerischen Marsianer. Aber liebe Amerikaner, dort werdet ihr wahrscheinlich die nächste Pleite erleben: Die Marsmännchen sind grün. Grün!

Kategorien: Politik
Eberhard Gläser (anonym) - 28. März, 09:56

Was ist passiert? Das ist die schärfste emotionale Entgleisung, die ich in den ketzten drei Jahren von dir gelesen habe.

Ich stimme ja zu, bin aber sonst solch unverhohlenen Antiamerikanismus nur von mir gewohnt. Den Schuljungenvorwurf, willst du dir doch nicht verdienen?

Gregor Keuschnig - 28. März, 10:05

Hm

Also einen besonders scharfen "Antiamerikanismus" vermag ich nicht zu erkennen; vielleicht eher so etwas wie heiligen Zorn.

Übrigens, "Mars attacks"!
Köppnick - 28. März, 10:08

Nicht antiamerikanisch

Eigentlich ist das ja eher eine Antwort auf einen N-Kommentar, in dem aufgeführt wurde, dass die Vereinigten Staaten bei 6% Weltbevölkerung 50% Weltrüstung machen. Außerdem rufe ich doch zu Mitleid auf, und zumindest zum Teil meine ich das sogar ernst. Die USA-Bürger haben wahrscheinlich wirklich Angst vor der übrigen Welt, denn aggressives Verhalten ist eine der Möglichkeiten, seiner Angst zu begegnen, wie man aus der Psychologie weiß. Der zweite mögliche Weg ist Isolationismus.

Und jetzt mal ganz sachlich: Das Wort "Antiamerikanismus" ist selbst ein sehr entlarvendes Wort, denn Amerika bezeichnet einen ganzen Kontinent, der zudem noch aus einem Nord- und einem Südteil besteht. Es wäre schon interessant mal zu recherchieren, wer dieses Wort erfunden hat. Das Wort zeugt selbst schon von Größenwahn.
Eberhard Gläser (anonym) - 28. März, 12:07

@Nicht amerikanisch

Antiamerikanismus, ja, warum nicht. Zehn Euro für jede Nennung von Peru bei einem Fussgängerzonenbrainstorming bzgl. "Amerika". Es geht schlicht um die Bezeichnung einer Weltanschauung. Mir ist es egal ob die jetzt "Hans" oder "Antiamerikanismus" heißt.

Das Reizpotenzial des Wortes sehe ich eher in der Angst vor dem Weiterdenken. Unter der Annahme, dass die Amerikanisierung der Welt Gewalt ist, was sie zweifellos ist, sieht man förmlich die kleinen, verstörten Gedänklein sich in die Büsche schlagen.

P.S. Laut Haffner nahm die USA ( oder besser VSA smiley ) vor dem WKII Platz 6 in der Weltrüstungsliste ein. Die Leute, die nach dem Krieg Grundstücke und Immobilien von in Not Geratenen unter Wert aufkauften, nannte man Kriegsgewinnler.
Köppnick - 28. März, 14:21

@Eberhard Gläser

Ich gebe zu, es ist schwer, seine Abneigung gegen die Regierung der USA und deren Politik immer sauber zu trennen von den Einwohnern dieses Landes. Man muss sich das als Mantra ab und zu mal vor sich hin murmeln, damit man es nicht vergisst.

Einmal extra murmeln, wenn
  • eine Bekannte von ihrem Urlaub in Seattle berichtet, wo sie sich, weiß Gott nicht eben schlank, als die Dünnste empfand. Und dort Leute sah, die sich halbmeterhohe Stapel von Big Macs einpfiffen. Und die dann, aus den Staaten zurückgekommen, in einer deutschen Zeitung las, dass die Verwaltung von Seattle verstärkte Sitze in die öffentlichen Busse einbauen lässt, weil die Leute so fett sind.
  • eine Mehrzahl der US-Bürger zwar für die letzten Kriege in Afghanistan und Irak plädierten, Iran für des Teufels halten und Israel bedroht, aber auf Nachfragen alle diese Länder nicht auf einer Weltkarte zeigen können.
Da kann man schon mal denken, geschieht ihnen recht, dass sie keiner leiden kann. Dann ist Zeit für das nächste Mantra.
Eberhard Gläser (anonym) - 28. März, 17:47

@Mantra

Ja, danke für den Hinweis. Es geht nicht um den Menschen, aber auch nicht um die Administration, sondern das System "American way of life".

Interessanterweise waren alle Amerikaner die ich bisher kennengelernt habe ausgesprochen sympathisch. Ob das der

  • Student war, mit dem ich im Zug nach Marrakesch über Summerhill und Margret Mead diskutierte,
  • die kalifornische Grundschullehrerin, die Spanisch lernte, um mit ihrer Klasse kommunizieren zu können oder
  • der Gitarrist, der ein Jahr in Spanien lebte, um Spanische Gitarre zu lernen usw.

Das waren aber auch alles keine typischen Vertreter des "Bibel belts". Manchmal, aber nur manchmal kann einen aber die Wut packen und alles in Bausch und Bogen runtermachen.

Köppnick - 28. März, 18:54

Sympathische Amerikaner

Für die Amerikaner werden wohl wie für viele andere Menschen die folgenden Regeln gelten: Wer eine Fremdsprache gelernt hat und diese auch im Ausland anwendet, wer sich im Urlaub im Ausland nicht nur in einer Touristenhochburg aufhält, wer irgendwo auf der Welt mal persönlich gesehen hat, in welchem Elend Menschen vegetieren können, der hat alle Chancen von anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, als sympathisch wahrgenommen zu werden. Gilt nicht immer, aber meistens.

Trackback URL:
http://kwakuananse.twoday.net/stories/1756447/modTrackback

Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16