Einbürgerungstest für den Stammtisch
In der Telepolis gibt es den interessanten Artikel Kein Blatt vorm Mund, in dem es um populistische Äußerungen deutscher Politiker geht. Im Artikel ist ein Link angegeben, der einige besonders drastische Beispiele enthält. In vielen Fällen ist es aber nicht so leicht, den Populismus einer Äußerung und die Nähe zum Stammtisch zu entdecken, weil die Sprache ein sehr vielfältiges Instrument darstellt, das Denken auch unbewusst zu steuern. In vielen Fällen kann man vielleicht sogar davon ausgehen, dass der Sprecher selbst nicht merkt, wie sein eigenes Denken seine Sprache beeinflusst und wie seine Formulierungen wiederum auf sein Denken zurückwirken. Ein Beispielsatz eines bekannten deutschen Politikers aus den letzten Tagen, um für die Notwendigkeit eines Einbürgerungstests zu werben:
Kategorien: Politik
Es müsse für jeden neuen Deutschen klar sein, "dass bei uns das Gewaltmonopol des Staates gilt und nicht etwa das Gewaltmonopol des türkischen Mannes".Welche impliziten Teilaussagen enthält dieser Satz?
- für jeden neuen Deutschen = alle Einbürgerungswilligen
- des türkischen Mannes = alle türkischen Männer
- Gewaltmonopol des Mannes = keine Gleichberechtigung
- Gewaltmonopol des Staates ←→ des Mannes = Nichtanerkennung staatlicher Autorität
Alle Einbürgerungswilligen könnten sich wie türkische Männer verhalten, die ihre Frauen prügeln und dabei auf den Staat pfeifen. Wenn sie rein wollen, müssen sie uns erst mal vom Gegenteil überzeugen.In dieser Form wird der Satz am Stammtisch verstanden, ohne dass der betreffende Politiker es selbst so sagen muss.
Kategorien: Politik
Samstag, 25.März 2006




