Kapitalanlage- versus Umlageverfahren
Als Ausweg aus der vor allem demografisch verursachten Krise der Sozialsysteme wird der Übergang von umlage- auf kapitalfinanzierte Verfahren propagiert. Von den Befürwortern werden vor allem die höheren Renditen der kapitalanlegenden Verfahren hervorgehoben. Nun weiß man aber, dass höhere Renditen stets mit höheren Risiken oder anderen Nachteilen verbunden sind. Wo liegen sie in diesem Fall?
Sofort ersichtlich ist, dass die Generation, innerhalb derer der Umstieg erfolgt, einer Doppelbelastung ausgesetzt ist. Sie müssen für die Älteren das Umlageverfahren fortsetzen und sollen gleichzeitig Kapital für sich selbst ansparen. Dadurch verringert sich das zur Konsumption verfügbare Einkommen. Zwangsläufig muss das im Inland zu einer Abschwächung der Wirtschaftsleistung führen. Dadurch werden aber gleichzeitig auf der einen Seite die Renditen der Anlagen gemindert und auf der anderen Seite zusätzlicher Druck auf die Einkommen der Beschäftigten ausgeübt: Geringere Konsumption → geringere Produktion → höhere Arbeitslosigkeit → niedrigere Einkommen. Die Doppelbelastung wird also eher zu einer dreifachen.
Gleichzeitig erfordert das Kapitalanlageverfahren mit seiner jahrzehntelangen Verzögerung zwischen Leistungserbringung und Leistungsgenuss Vertrauen in die Stabilität des kapitalistischen Systems. Wie das 20. Jahrhundert gezeigt hat, ist dieses nicht immer begründet. Es gab 2 Weltkriege, die den größten Teil der Ersparnisse der damaligen Bevölkerung vernichtet haben. Diese Ereignisse sind keineswegs ausschließlich der Vergangenheit zugehörig, siehe Balkan, New York, Afghanistan, Irak. In dem Maße, in dem sich z.B. die deutsche Außenpolitik an internationalen Konflikten beteiligt, wächst die Gefahr auch im Inland. Vereinfacht könnte man sagen, wer Soldaten exportiert, wird zwangsläufig Konflikte und Kriege importieren.
Wenn die Kapitalerträge in der Zukunft genutzt werden sollen, dann wird das Kapitalverfahren wieder zum Umlageverfahren, denn für das Geld werden Waren und Dienstleistungen in Anspruch genommen. Wenn wegen der demografischen Entwicklung die Waren überwiegend importiert werden, dann setzt das voraus, dass in anderen Gegenden der Welt zu diesem Zeitpunkt eine dynamische Wirtschaft mit genügend jungen Arbeitskräften vorhanden ist, die bereit sind, für das angebotene Kapital zu arbeiten. Damit wird das Kapitalverfahren auch zu einer Wette auf eine ununterbrochen prosperierende Existenz des Kapitalismus in den meisten Teilen der Welt in den nächsten Jahrzehnten.
Während für den Bezug von Waren auf Importe zurückgegriffen werden kann, gilt das für die Inanspruchnahme von Dienstleistungen nicht, diese müssen vor Ort erbracht werden. Bei unserer demografischen Entwicklung kann man hier wegen des Angebot-Nachfrage-Mechanismus davon ausgehen, dass der Wert des Kapitals tendenziell fällt, der Wert der Arbeit steigt. Das wird sich in einer höheren Inflationsrate zeigen.
Zeitgleich mit dem von der Politik forcierten Umstieg vom Umlage- zum Kapitalverfahren soll zusätzlich der Übergang von staatlich reglementierter zu mehr privater Vorsorge erfolgen. Da naturgemäß die Möglichkeiten (selbst bei durchaus vorhandener Bereitschaft) bei unterschiedlich vermögenden Bevölkerungsteilen verschieden groß sind, werden sich über den Zinseszinseffekt die sozialen Unterschiede innerhalb der Gesellschaft vergrößern. Einkommenserzielung über Zinsen bedeutet immer die Umverteilung von arbeitenden zu geldbesitzenden Bevölkerungsgruppen.
Schlussfolgerungen: Die postulierten Effekte führen dazu, dass die höheren Renditen von Kapitalanlagen in der Vergangenheit nicht linear auf die Zukunft extrapoliert werden können, die Unterschiede zwischen Kapital- und Umlageverfahren werden in der Zukunft geringer sein als heute erhofft. Auch die Lösungsmöglichkeiten für das verursachende demografische Problem werden damit nicht verbessert, wer weniger Geld hat, wird nicht mehr Kinder haben wollen. Außerdem muss entschieden dagegen angekämpft werden, dass die heute tatsächlich notwendigen Veränderungen in der Gesellschaft nicht zu einer weiteren Entsolidarisierung und Umverteilung zugunsten Besserverdienender genutzt werden.
Kategorien: Visionen
Sofort ersichtlich ist, dass die Generation, innerhalb derer der Umstieg erfolgt, einer Doppelbelastung ausgesetzt ist. Sie müssen für die Älteren das Umlageverfahren fortsetzen und sollen gleichzeitig Kapital für sich selbst ansparen. Dadurch verringert sich das zur Konsumption verfügbare Einkommen. Zwangsläufig muss das im Inland zu einer Abschwächung der Wirtschaftsleistung führen. Dadurch werden aber gleichzeitig auf der einen Seite die Renditen der Anlagen gemindert und auf der anderen Seite zusätzlicher Druck auf die Einkommen der Beschäftigten ausgeübt: Geringere Konsumption → geringere Produktion → höhere Arbeitslosigkeit → niedrigere Einkommen. Die Doppelbelastung wird also eher zu einer dreifachen.
Gleichzeitig erfordert das Kapitalanlageverfahren mit seiner jahrzehntelangen Verzögerung zwischen Leistungserbringung und Leistungsgenuss Vertrauen in die Stabilität des kapitalistischen Systems. Wie das 20. Jahrhundert gezeigt hat, ist dieses nicht immer begründet. Es gab 2 Weltkriege, die den größten Teil der Ersparnisse der damaligen Bevölkerung vernichtet haben. Diese Ereignisse sind keineswegs ausschließlich der Vergangenheit zugehörig, siehe Balkan, New York, Afghanistan, Irak. In dem Maße, in dem sich z.B. die deutsche Außenpolitik an internationalen Konflikten beteiligt, wächst die Gefahr auch im Inland. Vereinfacht könnte man sagen, wer Soldaten exportiert, wird zwangsläufig Konflikte und Kriege importieren.
Wenn die Kapitalerträge in der Zukunft genutzt werden sollen, dann wird das Kapitalverfahren wieder zum Umlageverfahren, denn für das Geld werden Waren und Dienstleistungen in Anspruch genommen. Wenn wegen der demografischen Entwicklung die Waren überwiegend importiert werden, dann setzt das voraus, dass in anderen Gegenden der Welt zu diesem Zeitpunkt eine dynamische Wirtschaft mit genügend jungen Arbeitskräften vorhanden ist, die bereit sind, für das angebotene Kapital zu arbeiten. Damit wird das Kapitalverfahren auch zu einer Wette auf eine ununterbrochen prosperierende Existenz des Kapitalismus in den meisten Teilen der Welt in den nächsten Jahrzehnten.
Während für den Bezug von Waren auf Importe zurückgegriffen werden kann, gilt das für die Inanspruchnahme von Dienstleistungen nicht, diese müssen vor Ort erbracht werden. Bei unserer demografischen Entwicklung kann man hier wegen des Angebot-Nachfrage-Mechanismus davon ausgehen, dass der Wert des Kapitals tendenziell fällt, der Wert der Arbeit steigt. Das wird sich in einer höheren Inflationsrate zeigen.
Zeitgleich mit dem von der Politik forcierten Umstieg vom Umlage- zum Kapitalverfahren soll zusätzlich der Übergang von staatlich reglementierter zu mehr privater Vorsorge erfolgen. Da naturgemäß die Möglichkeiten (selbst bei durchaus vorhandener Bereitschaft) bei unterschiedlich vermögenden Bevölkerungsteilen verschieden groß sind, werden sich über den Zinseszinseffekt die sozialen Unterschiede innerhalb der Gesellschaft vergrößern. Einkommenserzielung über Zinsen bedeutet immer die Umverteilung von arbeitenden zu geldbesitzenden Bevölkerungsgruppen.
Schlussfolgerungen: Die postulierten Effekte führen dazu, dass die höheren Renditen von Kapitalanlagen in der Vergangenheit nicht linear auf die Zukunft extrapoliert werden können, die Unterschiede zwischen Kapital- und Umlageverfahren werden in der Zukunft geringer sein als heute erhofft. Auch die Lösungsmöglichkeiten für das verursachende demografische Problem werden damit nicht verbessert, wer weniger Geld hat, wird nicht mehr Kinder haben wollen. Außerdem muss entschieden dagegen angekämpft werden, dass die heute tatsächlich notwendigen Veränderungen in der Gesellschaft nicht zu einer weiteren Entsolidarisierung und Umverteilung zugunsten Besserverdienender genutzt werden.
Kategorien: Visionen
Montag, 20.März 2006




