Diplomatensprache

Es ist eine Übersetzung ins Deutsche, wenn der Spiegel in dem Artikel Rice nennt Iran größte Bedrohung der USA zitiert:
Wir stehen keiner größeren Herausforderung eines einzelnen Staates gegenüber als der aus Iran, dessen Politik darauf abzielt, einen Nahen Osten zu entwickeln, der um 180 Grad dem gegenübersteht, den wir gern sehen würden.
Solche Übersetzungen sind außerordentlich heikel, und Diplomatensprache ist ein ganz besonder Ding, man kann den Satz versuchsweise anders enden lassen:
  • den wir gern sehen wollen
  • den wir gern sehen
  • den wir gern wollen
  • den wir gern hätten
  • den wir gern hätten
  • den wir sehen
  • den wir wollen
  • den wir wünschen
Weitere Modifikationen der Bedeutung entstehen, indem man das Wort wir jeweils unterschiedlich betont. Diese Bedeutungsverschiebung des gesprochenen Satzes durch Betonung geht bei der Verschriftlichung ganz verloren.

Bei einem guten Englischlehrer bekäme man die volle Punktzahl, wenn man Sinn-gemäß übersetzt:
Unsere Irakpolitik ist gescheitert, aber weil der iranische Präsident sich so dämlich gebärdet, haben wir endlich den benötigten Sündenbock gefunden.
Das aber wäre sehr undiplomatisch formuliert.

Kategorien: Guter Deutsch

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Kommentare hier ...

Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16
Deine beiden Sätze sind grammatisch...
Köppnick - 14. Juli, 07:30
Und genau diese Innovation verlieren wir...
steppenhund - 13. Juli, 21:05
@isv_rp
Metepsilonema - 11. Juli, 23:53
Ich halte es für einen fatalen Irrtum...
Köppnick - 11. Juli, 20:06
Splitter
Gregor Keuschnig - 11. Juli, 18:23