Zurück aus Teheran
Meine Bekannten sind aus Teheran zurückgekehrt.
Eigentlich stellt man sich Persien ja mit Märchenschlössern und verschleierten Prinzessinnen vor:

Die Realität ist aber eher diese:

Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 40 mal 40 km und hat 15 Millionen Einwohner. Am Tage kommen noch einmal mehrere Millionen Berufspendler hinzu. Am Flughafen wird man das erste Mal überrascht: Die Passkontrolle wird von Frauen durchgeführt. Die Kopftuchpflicht wird sehr unterschiedlich gehandhabt, bei manchen Frauen ist das Kopftuch auf ein buntes Stück Stoff am Hinterkopf reduziert, und stark geschminkt sind auch einige von ihnen. Offensichtlich wird in unseren Medien ein leicht verzerrtes Bild der dortigen Verhältnisse gezeigt.
Die deutsche Botschaft befindet sich in der „Berlan Alley“ (soll das etwa Berlin heißen?):

Schaut man sich die Straße vor der Botschaft an, dann wird einem auch sehr schnell klar, dass dort für größere Demonstrationen mit ordentlichem Verbrennen der deutschen Flagge kaum Platz ist. Vielleicht war die Demo im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen eine gestellte Farce, die sich ein paar Sensationsreporter ausgedacht und bezahlt haben, für 10 Demonstranten und 5 Kamerateams ist Platz. Die Teheraner Bekannten haben jedenfalls erst aus dem deutschen Fernsehen davon erfahren. Wirklich lästig ist allerdings das Alkoholverbot, jeden Abend alkoholfreies Bier muss furchtbar sein, man kann sich das kaum vorstellen.
Kategorien: Reiseberichte
Eigentlich stellt man sich Persien ja mit Märchenschlössern und verschleierten Prinzessinnen vor:

Die Realität ist aber eher diese:

Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 40 mal 40 km und hat 15 Millionen Einwohner. Am Tage kommen noch einmal mehrere Millionen Berufspendler hinzu. Am Flughafen wird man das erste Mal überrascht: Die Passkontrolle wird von Frauen durchgeführt. Die Kopftuchpflicht wird sehr unterschiedlich gehandhabt, bei manchen Frauen ist das Kopftuch auf ein buntes Stück Stoff am Hinterkopf reduziert, und stark geschminkt sind auch einige von ihnen. Offensichtlich wird in unseren Medien ein leicht verzerrtes Bild der dortigen Verhältnisse gezeigt.
Die deutsche Botschaft befindet sich in der „Berlan Alley“ (soll das etwa Berlin heißen?):

Schaut man sich die Straße vor der Botschaft an, dann wird einem auch sehr schnell klar, dass dort für größere Demonstrationen mit ordentlichem Verbrennen der deutschen Flagge kaum Platz ist. Vielleicht war die Demo im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen eine gestellte Farce, die sich ein paar Sensationsreporter ausgedacht und bezahlt haben, für 10 Demonstranten und 5 Kamerateams ist Platz. Die Teheraner Bekannten haben jedenfalls erst aus dem deutschen Fernsehen davon erfahren. Wirklich lästig ist allerdings das Alkoholverbot, jeden Abend alkoholfreies Bier muss furchtbar sein, man kann sich das kaum vorstellen.
Kategorien: Reiseberichte
Montag, 06.März 2006





Was meinen die Teheraner zur Atomforschung des Iran?
Haben die "einfachen Leute" eine Meinung zur Absicht der Regierung, Öl nur noch für Euro zu verkaufen?
Gibt es dort viele Juden? Wie leben sie dort mit den Iranern zusammen?
Wie war in dieser Diktatur der Busfahrerstreik möglich? Haben sie funktionierende Gewerkschaften?
Fernsehen aus Deutschland? Gibt es viele Internetcafes?
Wieviel Fragen mir - im freien Medienparadies lebend - doch offen sind.
Nicht repräsentativ
Zu deinen Fragen also die Minderheitenmeinungen: Kernenergie halten sie für überflüssig, da das Land genügend Energieressourcen hat. Sie haben sich sehr entsetzt über die Verhältnisse in Saudi-Arabien geäußert, in denen Frauen ihrer Meinung nach stark unterdrückt werden. Im Iran gibt es Frauen in allen Berufen (außer im Revolutionsrat natürlich).
Es gibt im Land eine jüdische Minderheit, die seit über 2000 Jahren in der Gegend lebt, ihre Religion praktiziert und vor Ort akzeptiert ist. Die Stimmung ist dagegen sehr israelfeindlich. Das gilt aber für alle arabischen Staaten und ergibt sich aus der gesamten politischen Situation.
Dann kenne ich noch zwei etwa 30jährige (blonde!) Frauen, die im vorigen Sommer einen mehrwöchigen Rucksacktouristenurlaub im Iran gemacht haben und frei im Land herumgereist sind. Die waren auch sonst schon überall, Südamerika, Indien, usw., sind also völlig unvoreingenommen. Sie wurden überall im Iran freundlich aufgenommen und haben etwa jeden zweiten Tag eine Mail nach Hause geschickt - Internetverbindungen scheint es also genügend zu geben.
Zu deinem freien Medienparadies kann ich mir eine Spitze nicht verkneifen: Wir werden mit Nachrichten ähnlich manipuliert wie Amerikaner, Araber oder Israeli. Wenn man authentische Nachrichten haben will, muss man selbst mit den Leuten ins Gespräch kommen.
Freiheit ist kein Wert an sich, sondern ist stets nur Mittel zum Zweck. Hauptziel des Menschen ist es glücklich zu leben. Aber worin man dieses Glück sieht, hängt von der eigenen Sozialisierung ab. Man sollte sich davor hüten, aus anderen Lebensgewohnheiten in anderen Ländern (typisches Beispiel: Kopftuch) irgendwelche Schlüsse abzuleiten. Das führt in direkter Linie zu dem "Wunsch", anderen Menschen unsere "Freiheit" überzuhelfen (~Bush). In umgekehrter Richtung gilt das natürlich auch (~Osama).
Iran
Im übrigen ist der Prozentsatz der weiblichen Professoren im Iran wesentlich höher als im ach so freiheitlichen Deutschland (in Saudi-Arabien ist die Situation ähnlich).
Das grösste Problem dieses Landes ist die stark verjüngte Gesellschaft und die hieraus resultierende hohe Arbeitslosigkeit. Mit dem Versprechen, dieses Problem zu lösen, ist Ahmedanischad in den Wahlkampf gegangen und hat gewonnen. Jetzt stellt er fest, dass es nicht so einfach zu lösen ist und verlagert sich auf die Aussenpolitik - ein beliebtes Spiel, wenn's im Inneren nicht so läuft. Mit der restriktiven und teilweise unverschämten Haltung des Westens gelingt es ihm leicht, auch gemässigte Iraner auf seine Seite zu ziehen; wenn auch vermutlich nur kurzfristig.
Dein Satz Wenn man authentische Nachrichten haben will, muss man selbst mit den Leuten ins Gespräch kommen ist wunderbar und stimmt genau. Insofern betreiben wir immer nur Annäherungen. Aber wir sind bemüht - wenigstens etwas.
Irgendwann werde ich mal darüber schreiben, wie ich das genau meine.