Der Cavendish-Albtraum
Eher schläfrig las ich einen Artikel in der Zeitschrift Wissen, Ausgabe 8 vom März 2006, die von der Süddeutschen Zeitung herausgegeben wird. Dort ging es um die Gefährdung der Cavendish-Banane, die gegenwärtig 25% der Weltproduktion ausmacht. Diese Bananensorte wird derzeit in Südostasien von einem Bodenpilz bedroht. Soweit so gut. Doch dann kam es:
Während sich die Wurzelkrankheit ausweitet, spielen Experten Szenarien durch, was bei einem Übergriff auf Mittelamerika passieren könnte. Dort werden die meisten Cavendish-Bananen für den Export angebaut. Der Pilz könnte die entscheidende Schwachstelle der Cavendish treffen: Sie ist ein Klon, alle Pflanzen sind genetisch identisch. Während wilde Bananen in der Regel harte Samen enthalten, pflanzt sich die Cavendish wie alle Obst- und Kochbananen über Ableger fort. Ihre genetische Einförmigkeit macht sie anfällig für Krankheiten - gerade in den Monokulturen Mittelamerikas. Da helfen auch chemische Spritzmittel kaum mehr; hat er sich einmal im Boden festgesetzt, ist der Pilz nicht auszumerzen.Alle Bananen sind Klone, das ist ja furchtbar!
Viele Leute sind gegen das Klonen von Tieren, von Menschen sowieso, und für diese Abneigung gibt es viele gute Gründe. Aber bei Pflanzen ist Klonen alltägliche Praxis. Jeder Ableger, Steckling, jeder Senker hat dasselbe Genom wie seine Mutterpflanze, ist also ein Klon! Ein kurzer Spaziergang durch meine Wohnung: Ausgenommen von ein paar Fischen (und natürlich Hausstaubmilben, Obstfliegen, etc.) bin ich ausschließlich von Klonen umgeben, alles total verklont bei mir! Es wird mir heute den Schlaf rauben, fürchte ich.
Jetzt weiß ich auch, warum Vegetarier niemals ein schlechtes Gewissen haben. Sie essen ja nicht das gesamte Individuum (=Genom) auf, sondern lassen immer ein paar kleine Klone im Garten zurück.
Kategorien: Natur
Freitag, 03.März 2006




