Das Liebesleben der Roten Feuerameise
Die Zweigeschlechtlichkeit der meisten Lebewesen ist ja nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch ein faszinierender Stoff. Hier gibt es einen 2,5 Jahre alten Übersichtsartikel zu diesem Thema. Leider funktionieren nicht mehr alle Links. Heute habe ich nun eine weitere Skurrilität gefunden. In Spektrum Direkt vom 30.6.2005 wird über das Sexualleben der Feuerameisen berichtet: |
Als nun Denis Fournier vom französischem Forschungsinstitut INRA und seine Kollegen die Verwandtschaftsverhältnisse der kleinen Krabbler bei 34 Nestern in Französisch-Guyana analysierten, erlebten die Forscher eine Überraschung: Das Erbgut von fortpflanzungsbereiten Weibchen, die sich auf der Suche nach einem Freier in die Luft begeben hatten, war hundertprozentig identisch mit dem Genom ihrer Mutter.Da die gemeinsamen Nachkommen der Königin und der Männchen folglich nur die Arbeiterinnen des Stammes sind, haben die Männchen ein Problem: Wie bekommen sie ihre Gene in die nächste Generation?
Dass sich die Herren der Schöpfung das nicht lange gefallen lassen, versteht sich von selbst. Sie griffen zum gleichen Mittel und setzen nun ebenfalls aufs Klonen. Die Forscher vermuten, dass es dem männlichen Sperma nach der Befruchtung gelingt, den weiblichen Anteil der Eizelle zu eliminieren. Ein genetisch vollkommen identischer Sohn ist das Resultat dieser Manipulation.Nochmals ganz langsam zum Mitdenken: Die Königinnen geben 100% ihres Erbguts an die nächsten Königinnen weiter, die Männchen 100% ihres Erbguts an die nächsten Männchen. Die von beiden gemeinsam gezeugten Arbeiterinnen sind unfruchtbar.
Das Ergebnis dieses Geschlechterkampfs: Männchen und Weibchen gehen genetisch getrennte Wege, nur noch für die Produktion von Arbeiterinnen kooperieren sie. Konsequenterweise verzichten nun auch die Königinnen darauf, Söhne zu erzeugen. Die Trennung ist komplett.
Das Fazit eines Evolutionsbiologen:
"Wenn sich bestätigt, dass Männchen und Weibchen niemals ihre Gene austauschen und vollkommen unterschiedliche evolutionäre Wege gehen, dann sollten wir sie eigentlich als unterschiedliche Arten klassifizieren", kommentiert der Evolutionsbiologe David Queller die bizarre Entdeckung seiner Kollegen.Eigentlich sind es ja eher drei Arten: Königinnen, Drohnen und von diesen beiden benutzte Arbeitssklaven. Fast wie im richtigen Leben.
Kategorien: Natur
Mittwoch, 22.Februar 2006





Die Zweigeschlechtlichkeit der meisten Lebewesen ist ja nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch ein faszinierender Stoff.
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