Gregor Keuschnig - 24. Februar, 17:44

Hm - nochmal insistiert:

Die Möglichkeit, eine bestimmte Beobachtung anders zu interpretieren, ist sicherlich reizvoll und erweitert den Horizont. Mit Beliebigkeit meine ich, dass, wenn man dem Konstruktivismus folgt, keine verbindlichen Regeln auch im Bereich der Ethik (und Justiz) existieren können – die Scharia müsste quasi gleichwertig neben unseren Gesetzestexten stehen.

Zwar bringt der konstruktivistische Blick auch einen gewissen Abstand (sowohl innerhalb einer Kultur also auch im unmittelbaren „Vergleich“ zwischen eurozentrischem Denken und anderskulturellen Werten) – letztlich bleibt jedoch das „Problem“, zum Beispiel einen des Mordes (oder Totschlags) Angeklagten zu „beurteilen“. Sprechen wir ihn frei, weil es ja auch sinnvoll sein kann, dass er seinen bösartigen Nachbarn umgebracht hat? Pointiert: Kann es denn überhaupt so etwas wie einen "Interntionalen Gerichtshof" geben und wäre es nicht absurd, nicht-westlichen Angeklagten den Prozess zu machen?

Deine Lösung des Laborratte-Paradoxons bedeutet letztlich doch, dass es Strukturen gibt, die die These der Laborratte als falsch belegen können. Sie ist nur nicht in der Lage, diese Strukturen zu erkennen – daher liegt sie falsch.

Ist es das, was mit Metaebene gemeint ist? Und: Ist dann endlich – in den „letzten Fragen“ – die Metaebene Gott?

Hier ist übrigens ein Aufsatz über Konstruktivismus, der mich jedoch mit vielen Fragen alleine lässt.

Köppnick - 25. Februar, 15:24

Ethik ist davon nicht betroffen

Es scheint bei allen ein gewisser Zwang zu herrschen, selbst gemachte Detailbeobachtungen zu einem System zu erweitern, das dann die gesamte Welt erklären soll. Paul Watzlawick bezeichnet sich in seinem Buch übrigens selbst nicht als Konstruktivisten, dieses Attribut wurde ihm im Einbandtext vom Piper-Verlag umgehängt. Schaut man sich die Beispiele in seinem Buch an, dann stammen sie überwiegend von Fällen, in denen die Kommunikation zwischen Menschen gestört war, oder in denen mit Tieren oder (hypothetisch im letzten Teil) mit Außerirdischen kommuniziert wird. Auch in diesen Fällen liegt gewissermaßen immer eine „Kommunikationsstörung“ vor. Watzlawick ist Psychologe.

Der von Gruber wiederum bevorzugte Funkionalismus reduziert die äußere Welt (und u.U. auch die innere Sicht auf die Sicht, die für ihn auch eine äußere Sicht ist (hinreichend unverständlich?)) auf die „Schnittstelle“. Diese Philosophie ist unter KI-Leuten weitverbreitet, weil es einer mehr programm- oder informationstechnischen Herangehensweise entspricht. Neurophysiologen wiederum sind häufig Anhänger der Identitätstheorie und so weiter. Jeder sieht die Welt mit den Augen seiner Profession. (Übrigens auch ein Beweis für die richtige Beobachtung des Konstruktivismus, dass das, was wir bereits wissen, Einfluss darauf hat, was wir erkennen.)

Was aber, wenn es für uns überhaupt keine geschlossene Theorie der Welt gibt, entweder weil die Welt diesen Zusammenhang nicht hat oder wir dazu zu dumm sind oder beides? Jedenfalls muss einem deshalb um „Ethik“ nicht bang sein, unabhängig davon, ob Konstruktivismus eine „richtige“ oder „falsche“ Beschreibung menschlichen Verhaltens liefert. Denn es gilt ja, dass aus Symmetriegründen (jeder Mensch hat viele Menschen in seiner Umgebung, die er als ihm gleichartig betrachtet) die überwiegende Zahl der Menschen die (menschliche) Welt ähnlich sieht. Es ist dabei egal, ob die Ethik zusammen mit dem Menschen entstanden ist (nichtkonstruktivistisch), oder ob sie in uns aus der Weltbetrachtung entsteht (konstruktivistisch).

Das ändert nichts an der (aus denselben Symmetriegründen) notwendig geltenden Grundvoraussetzung: „Alle Menschen sind a priori gleich.“ Für Tiere gelten beginnend von den Primaten bis zu niederen Lebensformen abgestufte Rechte. Aus diesen anderthalb Prinzipien lassen sich eigentlich alle übrigen Menschen- und Tierrechte (und deren Einschränkung in Ausnahmefällen) ableiten. Einige der Ableitungen sind abhängig vom Kulturkreis, aber daran ändert Konstruktivismus als Denkansatz nichts.

Die Tatsache, dass wir die Existenz Gottes philosophisch weder beweisen noch widerlegen können, ist in meinen Augen ein deutlicher Fingerzeig darauf, dass wir die logische Geschlossenheit einer allumfassenden Welterklärung nicht hinbekommen werden. Eine für uns unerreichbare Ebene sich als Metaebene zu denken, ist aber nicht mehr wissenschaftlich, sondern ein Glaubensdingens.

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41