Affen, Spiegel, Selbstkonzepte

Schimpanse spielt mit seinem SpiegelbildDen interessanten Artikel „Kenne ich dich?“ habe ich in Spektrum Direkt vom 20.7.2005 entdeckt. In dem Beitrag wird über Experimente berichtet, die herausfinden sollten, wo im Tierreich die Grenze für das Selbstkonzept liegt. Im ersten Abschnitt heißt es:
Ein großer Graben geht durch das Tierreich. Auf der einen Seite steht die kleine Elite, die ihrer selbst bewusst ist: Der Mensch und die Menschenaffen, vermutlich auch Rabenvögel und Delfine - sie alle sind in der Lage, ihr Ebenbild im Spiegel als sie selbst zu identifizieren. Vielleicht zählen noch die Elefanten dazu, die sich zwar im Spiegel nicht unbedingt erkennen, aber sie zeigen - wie Delfine - kognitive Empathie und Hilfsbereitschaft gegenüber Ihresgleichen.
Berichtet wird dann im Weiteren von Experimenten mit Kapuzineraffen und Spiegeln. Die Wissenschaftler fanden Verhaltensunterschiede, wenn die Affen ihnen bekannte Tiere oder unbekannte Tiere oder sich selbst im Spiegel sahen. Aus den unterschiedlichen Reaktionen schlussfolgerten sie:
Die Primaten sahen auf den ersten Blick, dass das Spiegelbild kein normaler Fremder war - oder vielleicht sogar überhaupt kein Fremder. Dabei machten sie aber auch nicht den Eindruck, als würden sie erkennen, dass sie sich dort selber sahen. Aber sie zeigten sich sehr interessiert an dem Spiegel. Offenbar bemerkten sie einen Unterschied zwischen Realität und Spiegelwelt - von der Erkenntnis, dass sie sich im Spiegel selbst betrachten sind sie aber noch einen Schritt entfernt. Möglicherweise stehen Kapuzineraffen an einer schmalen Stelle des Grabens zwischen Unwissen und Selbsterkenntnis und recken ihre Arme nach der anderen Seite.
Abgesehen von der immer angebrachten Skepsis bzgl. der Versuchsbedingungen (Wie konstruiert man eine Spiegelanordnung, die natürlich genug wirkt?), sind für mich nach dem Lesen des Artikels neue prinzipielle Fragen aufgetaucht:
  • Wie identifiziere ich bei einem Tier zweifelsfrei ein Selbstkonzept, wenn es, obwohl im Besitz von Augen, sich nicht im Spiegel erkennt?
  • Ist kognitive Empathie ein hinreichendes Kriterium dafür?
  • Gibt es eine andere als kognitive Empathie überhaupt (die Adoption einer Ziege oder eines Zebras durch eine Löwin wird man doch nicht als Empathie, sondern eher als ausgewachsene Verhaltensstörung interpretieren)?
Mark (anonym) - 18. Februar, 17:06

Affektive Empathie

steht der kognitiven gegenüber (hätte man vielleicht sogar annehmen können). Sie zeichnet sich im Gegensatz zur kognitiven durch ihren unreflektierten Charakter aus.
Das Fluchtverhalten von Antilopen wäre z.B. eine Ausprägung davon (insofern man davon ausgeht, dass sie nicht wissen, dass sie ihre Überlebenschancen dadurch erhöhen zu fliehen wenn ihre Kollegen es tun, ohne nach der Ursache zu suchen).

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41