Rana sylvatica

Rana sylvaticaNachdem Köppnick sich neuen Kaffee eingegossen hatte, las er fasziniert den Artikel zu Ende: Frostschutz durch Pinkelpause, uriniert im Winter kaum und erfriert daher nicht.* Womit sich die Wissenschaft heutzutage so alles beschäftigt. Da hatte man also in Amerika einen Frosch gefunden, der, um das Einfrieren im Winter zu verhindern, den Harnstoffgehalt in seinem Körper um das Fünfzigfache des normalen Wertes erhöhen konnte. So blieben seine Zellen auch bei strengem Frost intakt. Toll das.

Nach dem Frühstück setzte sich Köppnick kurz an den Rechner um zu recherchieren. Der normale Harnstoffgehalt des Blutes liegt beim Menschen zwischen 12 und 48, im Urin zwischen 20 und 35 mg je Deziliter. Sehr effektiv ist unsere Niere ja nicht, dachte er.

Danach gingen sie in die Stadt. Es war ziemlich kalt, Köppnick mahnte an, sich mit den Besorgungen zu beeilen, er kannte seinen Körper genau. Dieser war bei großer Kälte immer der Meinung, dass er das Wasser des Frühstückskaffees sowieso nicht zum Schwitzen benötigen würde, also schnell raus damit! Köppnick hasste seinen Körper für diese Eigenart, weil der überhaupt keine Rücksicht darauf nahm, dass es in der Innenstadt seit langem nicht eine einzige öffentliche Toilette mehr gab.

Während Köppnick frierend vor dem Geschäft stand, darauf wartend, dass seine Frau endlich wieder herauskam, glitten seine Gedanken wieder zu dem Frosch hin, von dem er beim Frühstück gelesen hatte. Angenommen, er könnte den Harnstoffgehalt in seinem Körper auch um das Fünfzigfache erhöhen, dann müsste er jetzt bestimmt nicht mehr frieren, und pinkeln müsste er auch nicht. Das macht, das macht, genau, er könnte bei einem Körpergewicht von 70 kg und einer angenommenen doppelten Harnstoffmenge im Urin im Vergleich zum Blut dazu ungefähr den Harnstoff von 1750 Liter Urin speichern. Bei 2 Litern Urin je Tag wären das über zwei Jahre Pinkelpause. Teufel ist der Frosch gut, wie macht der das bloß, dachte er bei sich, während sein Bedürfnis immer größer wurde, es war kaum noch zum Aushalten.

Auf dem Heimweg kamen sie an einem Gebüsch vorbei. Halt mal kurz, sagte er zu seiner Frau, und drückte ihr die Einkaufstüten in die Hand. Ah, ist das toll, dachte er, mitten im Gebüsch stehend, während ihm gleichzeitig eine Gänsehaut über den Rücken lief. Die Frau war vor dem Gebüsch stehengeblieben und hoffte inständig, dass sie hier bloß von niemandem gesehen wurde. Köppnick hingegen fühlte sich jetzt wieder wohl. Zu Hause würde er das Bild des kleinen Frosches ausschneiden und in sein Tagebuch einkleben.

* Quelle: Bild der Wissenschaft 2/2006, S. 14

Kategorien: Köppnicks Welt, Natur

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Kommentare hier ...

Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29
Gefühlsmäßig würde ich...
steppenhund - 5. Mai, 01:53
Guter Kommentar
Stephan Schleim (anonym) - 4. Mai, 20:36
"ad aquam", aber ansonsten gebe ich dir recht....
Talakallea Thymon - 29. April, 19:33