Schlaue Hühner picken links

In Spektrum Direkt vom 25. Mai 2005 findet man den Beitrag „Im Gehirn gilt links vor rechts“ mit dem Untertitel „Menschen und Vögel zeigen einseitige Aufmerksamkeit“.

Seit langem ist bekannt, dass Menschen Dinge auf der linken Seite des Gesichtsfeldes besser wahrnehmen können als auf der rechten. Signale vom linken Auge werden nun aber überwiegend von der rechten Gehirnhälfte, die von rechts kommenden eher links verarbeitet. Man kann deshalb vermuten, dass die unterschiedlich gute Wahrnehmung auf beiden Seiten auf der Asymmetrie unseres Gehirns beruht. Gestützt wird diese Hypothese auch durch die Beobachtung, dass Läsionen in jeweils einer der beiden Hälften zu unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigungen in der Orientierungsfähigkeit führen.

KükenIn dem Artikel wurde nun über Versuche berichtet, in denen auch Vögel beim Körnerpicken eine ausgeprägte Vorliebe für die linke Seite zeigen, obwohl in den Experimenten auf beiden Seiten immer gleich viel Futter angeboten wurde. Eine mögliche Interpretation aus diesen Versuchen ist, dass sich die asymmetrische Verarbeitung im Gehirn evolutionär weit eher entwickelt hat als bisher vermutet.

Einige weitere Schlussfolgerungen in dem Artikel erscheinen mir aber höchst zweifelhaft:
Menschen richten ihre Aufmerksamkeit tendenziell auf die linke Hälfte ihres Gesichtsfelds. Bisher nahm man an, dass für diese Neigung der die Gehirnhälften verbindende Balken, das Corpus Callosum, verantwortlich ist. Wie sich nun zeigt, haben auch Vögel eine Vorliebe für links - dabei besitzen die Tiere gar kein Corpus Callosum.
...
Die Ergebnisse bei den Tauben und Hühnerküken deuten nun darauf hin, dass unsere Vorfahren die Hirnasymmetrien einfach nur geerbt und nicht neu entwickelt haben.
Hier scheinen mir zwei Denkfehler vorzuliegen:
  • Warum sollte das Corpus Callosum für die Asymmetrie der Wahrnehmung (und damit für die Asymmetrie im Gehirn) verantwortlich sein? Das C.C. erfüllt die Aufgabe der Verbindung der beiden Gehirnhälften, hat sich im Verlauf der Spezialisierung entwickelt, ist aber sicher nicht Ursache derselben.

  • Manche Menschen erscheinen mir zwar direkt von den Hühnern abzustammen (hier keine Namen!), bei allen anderen kann sich die Asymmetrie aber durchaus unabhängig von der der Vögel entwickelt haben. Es wäre nicht das erste Beispiel dafür, dass die Evolution ähnliche Lösungen für ähnliche Aufgaben gefunden hat.
Kategorien: Gehirn & Geist, Natur
Quasimotte (anonym) - 1. Februar, 14:17

Mein Verleser des Tages:

"[...] In dem Artikel wurde nun über Versuche berichtet, in denen auch Vögel beim KÖPPNICKEN eine ausgeprägte Vorliebe für die linke Seite zeigen, obwohl in den Experimenten auf beiden Seiten immer gleich viel Futter angeboten wurde. [...]“ Ob Sie jetzt meiner rechten oder linken Gehirnhälfte dafür die Schuld geben, bleibt Ihnen überlassen.

Köppnick - 1. Februar, 18:54

Geständnis

Hm, da kann ich dir ja auch gestehen, dass ich "Quasimotte" zuerst als "Quasimodo" gelesen habe.
Quasimotte (anonym) - 2. Februar, 11:08

Quasi

Das mit dem "Quasimotte - Quasimodo" war allerdings genau so gedacht.
(Wieso gibt es kein "Antworten" unter dem "Geständnis"-Kommentar?)

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Kommentare hier ...

Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29
Gefühlsmäßig würde ich...
steppenhund - 5. Mai, 01:53
Guter Kommentar
Stephan Schleim (anonym) - 4. Mai, 20:36
"ad aquam", aber ansonsten gebe ich dir recht....
Talakallea Thymon - 29. April, 19:33