Der größere halbe Punkt

Chessbase meldet den Start des Corusturniers in Wijk aan Zee:
So lebendig wie eh und je hat sich das Corusturnier heute mit dem ersten Spieltag in Bewegung gesetzt. In der A-Gruppe feierten Topalov, Anand und Ivanchuk einen Start nach Maß und trugen sich in die Siegerlisten ein. Topalov siegte in nur 26 Zügen gegen Kamsky, allerdings lässt der Verlauf der Partie einige Fragen offen. Anand gewann mit Schwarz das Theorieduell gegen Sergey Karjakin. Die B-Gruppe spielte heute 6,5:0,6 für Weiß. Koneru Humpy holte einen halben Ehrenpunkt für die schwarzen Steine gegen den früheren WM-Kandidaten Alexander Beliavsky. Arkadij Naiditsch trug zum hohen Weißsieg bei.
Aha, auch im Schach wird jetzt mit Zehntelpunkten bewertet, vermutlich trägt man so den immer geringeren Leistungsunterschieden zwischen den Spitzenspielern Rechnung. Aus dem Abschnitt kann man messerscharf schlussfolgern, dass ein halber Ehrenpunkt 0,6 normalen Punkten entspricht. Da der gesamte Artikel insgesamt symptomatisch für den heutigen legasthenischen Online-Journalismus ist, hier die Quelle. Viele lustige Bilder und Schreibfehler.

Kategorien: Guter Deutsch, Schach
Gregor Keuschnig - 16. Januar, 09:05

Dilemma

Mit Online-Publikationen (-Nachrichten) ist es sehr schwierig. Entweder kommen die Nachrichten sehr spät und dafür präzise oder man huldigt dem Prinzip der „schnellen Meldung“. Vermutlich wird in jedem Fall mit dem Personal gespart, was Flüchtigkeitsfehler und holperige Formulierungen erklärt.

Im vorliegenden Fall hat vermutlich ein Redakteur über das begonnene Turnier berichten wollen / müssen. Seine Massgabe ist: besser ein bisschen fehlerhaft als gar nicht.

Problematisch wird es, wenn auch bei den Zeitungen in den Online-Redaktionen nach diesem Prinzip gearbeitet wird. In der letzten Zeit häufen sich ja die Fehler beispielsweise bei „Spiegel Online“.

Wenn eine Nachrichtenagentur schlecht oder gar nicht recherchierte Meldungen verbreitet, so multipliziert sich der Effekt, da für Prüfungen weder Zeit noch Personal vorhanden ist. Im vorliegenden Beispiel des Schachturniers bin ich mir absolut sicher, dass das in der Meldung genannte Ergebnis „6,5:0,6“ von nahezu allen Diensten übernommen worden wäre (wenn es denn Wichtigkeit für sie gehabt hätte).

Ein gutes Beispiel konnte man auch am Samstag beobachten, als zunächst überall der Tod von Ajman al Sawahri (der „Al-Qaida-Nr. 2“) bei einem Angriff gemeldet wurde, um dies einige Stunden später zu dementieren (interessant übrigens, dass die falschen Meldungen fast alle aus dem Internet-Gedächtnis gelöscht zu sein scheinen). Das ist nur noch reiner Aktionismus.

Ein m. E. sehr gutes Beispiel für einen gelungenen Web-Auftritt liefert "DIE ZEIT". Neben ausgewählten Artikeln der Printausgabe gibt es aktuelle, lesbare (meistens kommentarhafte) Artikel, die auch von Lesern kommentiert werden können.

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Kommentare hier ...

Also ich liebe ja solche Probleme
steppenhund - 17. Mai, 18:32
In einem Binärbaum ist die Suchdauer...
Köppnick - 13. Mai, 12:19
Ein wesentlicher Vorteil ist da noch gar...
steppenhund - 12. Mai, 21:17
Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29