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    <title>Kwaku Ananse</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>Köppnick</dc:publisher>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    <dc:date>2009-11-05T20:09:01Z</dc:date>
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    <title>Kwaku Ananse</title>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/6029031/">
    <title>Rudolf Taschner: Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/6029031/</link>
    <description>Es ist nur ein schmales Büchlein, kleiner als A5 und mit weniger als 50 Seiten Umfang. Es ist der Nachdruck eines Vortrags des Autors im Rathaus von Wien. (Die Personen im Titel sind alle gebürtige Österreicher.) Man kann das Buch bequem an einem Abend lesen. Rudolf Taschner hat inzwischen weitere Werke veröffentlicht, die sich alle irgendwie mit der Mengenlehre und dem Unendlichen beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im vorliegenden Buch ist der Einstieg eine Szene, die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Musil&quot;&gt;Robert Musil&lt;/a&gt; geschrieben hat:

&lt;blockquote&gt;»Da war ich dann also wirklich im Allerheiligsten der Bibliothek«, schildert der General und fährt fort: »Ich kann dir sagen, ich habe die Empfindung gehabt, in das Innere eines Schädels eingedrungen zu sein; rings herum nichts wie diese Regale mit ihren Bücherzellen, und überall Leitern zum Herumsteigen, und auf den Gestellen und den Tischen nichts wie Kataloge und Bibliographien, so der ganze Succus des Wissens, und nirgends ein vernünftiges Buch zum Lesen, sondern nur Bücher über Bücher: Es hat ordentlich nach Gehirnphosphor gerochen, und ich bilde mir nichts ein, wenn ich sage, dass ich den Eindruck hatte, etwas erreicht zu haben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber natürlich war mir, wie der Mann« - gemeint ist der dem General hilfreich zur Seite stehende Bibliothekar - »mich allein lassen will, auch ganz sonderbar zumute, ich möchte sagen, unheimlich; andächtig und unheimlich. Er fährt wie ein Affe eine Leiter hinauf und auf einen Band los, förmlich von unten gezielt, gerade auf diesen einen, holt ihn herunter, sagt: &gt;Herr General, hier habe ich für Sie eine Bibliographie der Bibliographien&lt; - du weißt, was das ist? - also das alphabetische Verzeichnis der alphabetischen Verzeichnisse der Titel jener Bücher und Arbeiten, die sich in den letzten fünf Jahren mit den Fortschritten der ethischen Fragen, ausschließlich der Moraltheologie und der schönen Literatur, beschäftigt haben - oder so ähnlich erklärt er es mir...&lt;/blockquote&gt;

Damit hat man ein praktisches Beispiel eines verzwickten Problems der Mengenlehre: Kann die Bibliografie der Bibliografien sich selbst als Eintrag enthalten? Taschner erläutert es wie folgt:

&lt;blockquote&gt;Die Bibliographie aller Bibliographien: das Traumziel jedes Bibliothekars und zugleich ein höchst eigenartiges Buch. Denn wenn es die Bibliographie aller Bibliographien ist, nennt es in der myriadenfachen Aufzählung von Büchern, die es enthält, sich selbst: ist es doch eine Bibliographie. Eine unnötige Fleißaufgabe: Eine Bibliographie, die sich selbst zitiert, braucht man nicht. Nur die »brauchbaren« Bibliographien sind nützlich, also jene Bibliographien, die sich selbst nicht zitieren. Wie ist es mit der Bibliographie aller brauchbaren Bibliographien bestellt? Das wäre eine höchst brauchbare Bibliographie - doch halt: wenn sie das wäre, müsste sie als Bibliographie aller brauchbaren Bibliographien sich selbst zitieren, und wäre folglich unbrauchbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Bibliographie aller brauchbaren Bibliographien wirklich unbrauchbar? Wäre sie es, käme sie in der Liste aller brauchbaren Bibliographien nicht vor, also wäre sie doch eine brauchbare Bibliographie.&lt;/blockquote&gt;

Taschner spricht dann über &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Cantor&quot;&gt;Georg Cantor&lt;/a&gt; und seine &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kontinuumshypothese&quot;&gt;Kontinuumshypothese&lt;/a&gt; und landet danach zwangsläufig bei &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_G%C3%B6del&quot;&gt;Kurt Gödel&lt;/a&gt; und seinem Unvollständigkeitssatz. Gödel, der wahrscheinlich größte Logiker des 20. Jahrhunderts, war ein wenig paranoid. Am Ende seines Lebens fürchtete er, durch Nahrungsmittel vergiftet zu werden. Er fand einen logischen Ausweg - er nahm keine Nahrung mehr zu sich. Man fand ihn fast verhungert in seiner Wohnung, er starb bald darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch endet mit &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wittgenstein&quot;&gt;Ludwig Wittgenstein&lt;/a&gt;. Je mehr ich von ihm oder über ihn lese, umso größer wird meine Bewunderung für ihn:

&lt;blockquote&gt;Die Mengenlehre ist vielmehr Blendung, ein bedeutungsloser formaler Kalkül, welcher der inhaltlichen Tiefe des Begriffs »unendlich« nicht im geringsten gerecht wird, mit einem Wort: sie ist leeres Geschwätz. Derjenige, der dieses Urteil aufgrund einer akribischen Analyse der Sprache, die den Mathematikern eigen ist, in seinen späten Notizen zu Papier brachte, war Ludwig Wittgenstein.&lt;/blockquote&gt;

Eine nette Anekdote von Wittgenstein:

&lt;blockquote&gt;Wunderschön demonstriert dies Wittgenstein in einem fiktiven Gespräch: »Ich habe gerade Unendliches nach Hause gebracht«, sagt der eine Gesprächspartner. Darauf der andere: »Wie hast du denn so viel tragen können?« Die lapidare Antwort: »Es war ein Lineal mit unendlichem Krümmungsradius.«&lt;/blockquote&gt;

Mir fällt als weiteres Beispiel die Zahl Pi ein. In Dezimaldarstellung hat sie unendlich viele Stellen, man kann sich lange mit der Analyse von deren Eigenschaften beschäftigen. Aber alle Eigenschaften der Zahl Pi stehen bereits fest, wenn man sagt &quot;das Verhältnis zwischen Umfang und Durchmesser eines Kreises&quot;. Das sind einschließlich der Leerzeichen genau 60 Zeichen. Das ist die Genialität Wittgensteins: Dass viele Probleme (in der Philosophie und anderswo) erst dadurch entstehen, dass man Sprache fehlerhaft verwendet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Mathematik+%26+Logik/&quot;&gt;Mathematik &amp; Logik&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/B%C3%BCcher/&quot;&gt;Bücher&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-05T20:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/6025736/">
    <title>Cornelia Funke: Tintenherz</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/6025736/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://ecx.images-amazon.com/images/I/61EDKJncsdL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA240_SH20_OU03_.jpg&quot; align=&quot;right&quot; vspace=&quot;10&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
So, jetzt habe ich das Buch gelesen und mir damit die Berechtigung erworben, den Film anschauen zu dürfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Inhaltsangabe möchte ich hier nicht geben, bei Belletristik finde ich es immer ein bisschen unfair, wenn denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, durch eine Rezension ein Teil der Spannung genommen wird. Bei populärwissenschaftlichen Büchern sehe ich das ganz anders. Deshalb hier nur ein paar Gedanken, die mir beim Lesen des Buchs gekommen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits beim &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/stories/5408562/&quot;&gt;Herrn der Diebe&lt;/a&gt;  (und beim Vergleich mit &quot;Harry Potter&quot;) war mir aufgefallen, dass gute Bücher für Kinder mittleren Alters genügend Tiefe haben, damit sich auch ihre Eltern darin wiederfinden. Meist sind es Erwachsene oder Situationen, die zwar kindgerecht etwas überzeichnet und vereinfacht dargestellt sind, aber dennoch genügend Identifikations- bzw. Distinktionsmöglichkeiten bieten. Bei Harry Potter sind es überwiegend die Lehrer, in Tintenherz die drei Bibliophilen als die Guten und eine ganze Anzahl Gauner als die Bösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe manchmal darüber nachgedacht, welche Einstellung Schriftsteller zu Büchern haben - nicht zu dem von ihnen geschriebenen Inhalt, sondern zu dem Gesamtkunstwerk, also dem Einband, der Bindung, dem verwendeten Papier, dem Schriftsatz und den Illustrationen. Vielleicht wird sich diese enge Verbindung zwischen Form und Inhalt in einigen Jahren ja auflösen, die größten Zuwächse erzielen die Verlage heute mit &quot;eBooks&quot;, aber so ganz mag ich das noch nicht glauben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cornelia Funke scheint das Haptische noch nicht aus den Augen verloren zu haben (oder sollte man besser &quot;nicht aus den Fingern verloren&quot; sagen?), jedenfalls hat sie die Illustrationen für Tintenherz selbst gezeichnet und die drei erwachsenen Haupthelden sind, wie schon erwähnt, prototypische Bibliophile. Es gibt einen Buchbinder, der zugleich magische Fähigkeiten beim Vorlesen zeigt, eine besessene Sammlerin auserlesener Bücher mit einer riesigen Bibliothek und einen Schriftsteller. Wenn in Büchern Letztere eine Rolle spielen, dann ist das eine interessante Form von Selbstreferenzialität, als Leser überlegt man, welche der beschriebenen Eigenschaften der &quot;echte&quot; Schriftsteller seinem Alter Ego geliehen hat:

&lt;blockquote&gt;Weißt du, mit Schriftstellern ist es eine merkwürdige Sache. Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, dass Bücher von Menschen geschrieben werden, die nicht anders sind als sie. Von Schriftstellern nimmt man an, dass sie längst tot sind, aber bestimmt nicht, dass sie einem auf der Straße begegnen oder beim Einkaufen. Man kennt ihre Geschichten, aber ihren Namen kennt man nicht und schon gar nicht ihr Gesicht. Und die meisten Schriftsteller mögen das...&lt;/blockquote&gt;

In Tintenherz begegnet einem der Selbstbezug noch auf eine ganz andere Art. Manchmal ist es ja so, dass man bei einem spannenden Buch vollständig eintaucht und so zu einem Teil der Handlung wird. Und wenn man auf den merkwürdigen Gedanken &quot;Was wäre, wenn die Personen im Buch plötzlich real würden?&quot; nicht selbst kommt, gibt es bereits genügend Bücher und Filme, die das zum Inhalt haben. Neu ist das Thema also nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man findet es anderenorts auch noch in zwei ähnlichen Varianten: In dem bereits uralten Buch &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Fl%C3%A4chenland-Ein-M%C3%A4rchen-vielerlei-Dimensionen/dp/3940185159&quot;&gt;Flächenland&lt;/a&gt; von Edwin A. Abbott aus dem Jahr 1884 und seiner modernen Fortsetzung &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Flacherland-Ian-Stewart/dp/3499619199&quot;&gt;Flacherland&lt;/a&gt; von Ian Stewart, geschrieben Ende des 20. Jahrhunderts, wird geschildert, wie die Welt jeweils aus der Sicht höher- bzw. niedrigerdimensionaler Wesen aussieht. Ein dreidimensionales Wesen zum Beispiel kann alle Seiten eines zweidimensionalen Wesens und sogar sein Inneres gleichzeitig sehen, während das zweidimensionale Wesen immer nur einen Schnitt durch das Dreidimensionale wahrnehmen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier besteht eine Analogie zu Figuren in einem Buch. Obwohl diese während der Handlung eine zeitliche Entwicklung durchmachen, liegt diese für uns offen zutage, weil wir lesend zum Anfang und Ende der Handlung springen können, während für die Personen selbst ihre Handlung linear verläuft.

&lt;blockquote&gt;Staubfinger betrachtete seine geröteten Finger und strich über die gespannte Haut: »Womöglich würde er mir noch erzählen, wie meine Geschichte ausgeht«, murmelte er.
&lt;br /&gt;
Ungläubig sah Meggie ihn an. »Das weißt du nicht?« 
&lt;br /&gt;
Staubfinger lächelte. Meggie mochte sein Lächeln immer noch nicht. Es schien nur dazu da, etwas zu verbergen. »Was ist daran so Besonderes, Prinzessin?«, fragte er mit leiser Stimme. »weißt du etwa, wie deine Geschichte ausgeht?«
&lt;br /&gt;
Darauf wusste Meggie keine Antwort.&lt;/blockquote&gt;
Staubfinger ist eine literarische Figur, Meggie ein Mensch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine zweite Analogie findet man in der &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/stories/5272995/&quot;&gt;Matrixtrilogie&lt;/a&gt; ausgedrückt, hier geht es um die Frage, wie wir den Realitätsgrad unserer Realität herausfinden können. Aus dem von Nick Bostrom angezettelten unendlichen Regress erlöst einen wohl nur das Ockhamsche Rasiermesser, logisch kommt man diesem Gedanken nicht bei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Tintenherz veröffentlicht wurde, wussten die meisten beim Lesen wahrscheinlich lange nicht, dass Cornelia Funke eine Fortsetzung geplant hat, aber spätestens auf den letzten Seiten haben sie es dann erfahren, denn es blieben zu viele &quot;Böse&quot; am Leben. Und außerdem:

&lt;blockquote&gt;Denn das war Meggies Plan: Sie wollte lernen Geschichten zu spinnen, so wie Fenoglio es gekonnt hatte. Sie wollte lernen nach Worten zu fischen, damit sie ihrer Mutter vorlesen konnte, ohne sich Sorgen zu machen, wer herauskam und sie mit heimwehkranken Augen ansah. Nur Wörter konnten sie zurückschicken, all die, die aus nichts als Buchstaben gemacht waren, und deshalb beschloss Meggie, dass Wörter ihr Handwerk werden sollten. Wo konnte man das besser lernen als in einem Haus, in dessen Garten Feen ihre Nester bauten und Bücher nachts in den Regalen flüsterten?
&lt;br /&gt;
Wie Mo schon gesagt hatte: Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun.&lt;/blockquote&gt;

Wenn man allerdings sehr aufmerksam gelesen hat, dann wusste man es bereits ab der Hälfte des Buchs, denn dort lässt Cornelia Funke ihren &quot;Kollegen&quot; sagen:

&lt;blockquote&gt;»Basta bleibt auch am Leben«, antwortete Fenoglio. »Ich habe damals lange mit der Idee gespielt, eine Fortsetzung von Tintenherz zu schreiben, und auf die beiden wollte ich dabei nicht verzichten. Ich war stolz auf sie! Gut, der Schatten war mir auch nicht schlecht gelungen, nein, wirklich, aber an meinen menschlichen Figuren hänge ich doch immer am meisten.&lt;/blockquote&gt;

Den zweiten Teil &quot;Tintenblut&quot; besitze ich noch nicht, aber der dritte Teil steht als Hörbuch, bestehend aus 18 CDs, bereits bei mir im Bücherregal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/B%C3%BCcher/&quot;&gt;Bücher&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-03T21:07:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/6020530/">
    <title>Reformationstag</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/6020530/</link>
    <description>&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;350&quot; alt=&quot;hexe&quot; width=&quot;386&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/KwakuAnanse/images/hexe.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Das Bild ist selbsterklärend. Kein weiterer Text notwendig.</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-31T14:28:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/6019232/">
    <title>Daniel Hope: Wann darf ich klatschen?</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/6019232/</link>
    <description>Die &lt;a href=&quot;http://www.herbstlese.de/&quot;&gt;Erfurter Herbstlese&lt;/a&gt; ist eine jährliche Veranstaltungsreihe, bei der im Oktober und November eine Reihe von Buchlesungen stattfinden, aber auch andere interessante Veranstaltungen eingebettet sind. Man muss sich rechtzeitig ein Programmheft besorgen und Karten buchen, wenn man an speziellen Dingen Interesse hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Jahr war ich bei der Einführungsveranstaltung mit Friedrich Schorlemmer, einem Bürgerrechtler, der deutschlandweit zur Zeit der Wende sehr bekannt geworden ist. So wie er damals die Zustände in der DDR kritisiert hat, so kritisiert er heute die Zustände in Deutschland und hier vor allem den Umgang mit der DDR-Vergangenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Veranstaltung, die ich besucht habe, war eine Lesung mit Thomas Großbölting. Er hat das Buch &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Friedensstaat-Leseland-Sportnation-DDR-Legenden-Pr%C3%BCfstand/dp/3861535432&quot;&gt;Friedensstaat, Leseland, Sportnation?&lt;/a&gt; herausgegeben, in dem eine Reihe von Wissenschaftlern ihre Ergebnisse der Erforschung der DDR in essayistischer Form vorgestellt haben. Interessant ein Querbezug, den ich beim Googeln gerade gefunden habe: Mit &quot;Thomas Großbölting&quot; als Suchbegriff landet man sehr schnell bei dem &quot;Institut zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur&quot;. Genau diese Bezeichnung hatte Schorlemmer kritisiert, weil sich hier das moralische Urteil über den Forschungsgegenstand bereits vorab im Namen zeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Lesung bzw. besser die Podiumsdiskussion mit dem Geschichtsprofessor fand ich recht gut. Auf eine entsprechende Frage antwortet er sinngemäß, dass es natürlich außer der Aufarbeitung der Lebenslügen der DDR (Friedensstaat, Leseland, Sportnation) genauso notwendig wäre, die entsprechenden Mythen der alten Bundesrepublik wissenschaftlich zu analysieren. Dass das nicht in demselben Maß passiert, liegt unter anderem daran, dass viele Archive nicht so zugänglich sind wie die der DDR und es für deren Erforschung einfach mehr Forschungsgelder, auch international, gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Veranstaltung vom Mittwoch war dann im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen gänzlich unpolitisch. Daniel Hope stellte sein Buch &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Wann-darf-ich-klatschen-Konzertg%C3%A4nger/dp/3498006657&quot;&gt;Wann darf ich klatschen? Ein Wegweiser für Konzertgänger&lt;/a&gt; vor. Ich gestehe, dass ich vor der Veranstaltung nicht wusste, wer Daniel Hope ist. Ich war einfach nur neugierig auf die Antwort auf die Klatschenfrage und wie man daraus ein ganzes Buch machen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn der Lesung war ein wenig seltsam. Nachdem er vom Moderator als weltbekannter Violinist vorgestellt worden war, kam er von der Seite auf die Bühne, legte seine Violine und den Bogen neben sich auf den Tisch und begann, aus einem Buch vorzulesen, ohne jede Vorrede. Nach einigen Anekdoten stand er dann auf und erklärte, er wolle erstmal ein kurzes Stück auf der Violine spielen. Was genau habe ich vergessen, ich kannte es nicht, es war wohl eine Adaption von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ravi_Shankar&quot;&gt;Ravi Shankar&lt;/a&gt;. Stattdessen hier ein Video mit Daniel Hope, das ich bei Youtube gefunden habe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/jwVlygzQV1I&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/jwVlygzQV1I&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


In der Anmoderation vor dem Stück und auch in seinen eigenen Dankesworten danach erfährt man einiges über seine Biografie. Sein ziemlich gutes Deutsch verdankt er also seinen Großeltern, die zur Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland vertrieben wurden. Das Buch, aus dem er während der Veranstaltung vorgelesen hat, hat er übrigens in Deutsch geschrieben, zur Veröffentlichung in Großbritannien muss es erst noch ins Englische übersetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Buch und in der anschließenden Fragestunde hat Daniel Hope eine Reihe von Anekdoten aus seinem und dem Leben anderer Künstler erzählt, die schönste für mich: Ein ziemlich bekannter Violinist (ich habe den Namen vergessen, wahrscheinlich war es &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Mstislaw_Leopoldowitsch_Rostropowitsch&quot;&gt;Rostropowitsch&lt;/a&gt;) hat mal bis spät in die Nacht mit Picasso gebechert. Irgendwann kam Picasso auf die Idee, sie müssten sich jetzt gegenseitig etwas schenken. Picasso schenkte Rostropowitsch eine kleine Statue, Rostropowitsch Picasso seinen Bogen. Picasso wollte dann unbedingt noch eine Widmung in das Holz des viele Tausend Dollar teuren Bogens geritzt haben und beschmierte selbst seine Statue mit einer Widmung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag war Picassos Frau sehr ärgerlich, denn eigentlich gehörte ihr die Statue, die Pablo da verschenkt hatte. Und Rostropowitsch musste das Konzert an diesem Tag mit seinem Ersatzbogen spielen. Wer heute ins Picassomuseum in seinem Heimatort geht, der findet dort einen hinter Glas ausgestellten Bogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage &quot;Wann darf man klatschen?&quot; wurde übrigens auch beantwortet: Bei einer Sinfonie normalerweise danach, nicht zwischen den Sätzen. Aber wenn man sehr begeistert ist, dann werden einem die Musiker sicher nicht böse sein - vor allem wenn man mit Klatschen beginnt und das übrige Publikum dabei mitreißen kann. - Ich glaube, mit nicht so überbordendem Selbstbewusstsein ausgestattet, werde ich es weiterhin so wie bisher halten: Ich warte darauf, dass andere anfangen und mache es ihnen nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe noch ein zweites Video gesucht, es gibt sehr viele mit ihm und über ihn, das folgende bietet nochmals ein bisschen Musik, ein Interview und weitere Informationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/d8994NDEs1Y&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/d8994NDEs1Y&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Violine/&quot;&gt;Violine&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/B%C3%BCcher/&quot;&gt;Bücher&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Alltag/&quot;&gt;Alltag&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-30T16:27:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/6012282/">
    <title>Die Päpstin</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/6012282/</link>
    <description>Gestern habe ich mir &quot;Die Päpstin&quot; zusammen mit einem guten Freund angesehen. Normalerweise werde ich in solchen Filmen immer von seiner Frau begleitet, da er mehr auf Action steht. Dieses Mal aber haben ihr wahrscheinlich die Kritiken nicht so gut gefallen, sie wollte sich deshalb die Bilder in ihrem Kopf, die sie sich nach dem Lesen des Buches gemalt hatte, nicht verderben lassen. Ich hatte zuvor zwar die &lt;a href=&quot;http://www.heise.de/tp/blogs/6/146406&quot;&gt;Mäkelei in der Telepolis&lt;/a&gt; gelesen, wollte den Film aber trotzdem sehen und fand ihn recht gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;img src=&quot;http://www.spiegel.de/images/image-24730-panoV9free-dehz.jpg&quot; width=&quot;425&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Immer wenn ich ein solches außerordentlich begabtes Kind sehe und dann die Umstände, unter denen es mehr leidet als lebt, frage ich mich, wie viele Talente in der Menschheitsgeschichte schon vergeudet worden sind. &lt;s&gt;Johannes&lt;/s&gt; Johanna Angelicus ist da ein typisches Beispiel und hat bei aller Tragik trotzdem noch Glück, denn sie vollbringt letztendlich ja Außerordentliches. Die Schulszene, in der sie als Mädchen zuerst von einem Beauftragten des Bischofs gelobt und dafür dann von ihren Mitschülern auf Geheiß des Lehrers mit Tinte übergossen wird, tat mir schon fast körperlich weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei drei Abschnitten im zweiten Teil des Films habe ich überlegt, ob man sie nicht auch hätte anders drehen können. Die erste Szene ist ihre Wahl zum Papst. Aber vermutlich hat es &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B6nke_Wortmann&quot;&gt;Sönke Wortmann&lt;/a&gt;, der Regisseur, doch richtig gemacht, denn ein Schicksalsschlag ist ja deswegen ein &quot;Schlag&quot;, weil er einen unvermittelt trifft und man eben keine Gelegenheit hat, ihm noch auszuweichen oder ihn anders zu gestalten, man hat keine Wahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte ist die Szene, in der sie stirbt. Ich wusste es bisher nicht, aber in der Wikipedia kann man lesen, dass die Autorin des Buches, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Donna_Woolfolk_Cross&quot;&gt;Donna Woolfolk Cross&lt;/a&gt;, eine historische Legende als Vorlage hatte: &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4pstin_Johanna&quot;&gt;Päpstin Johanna&lt;/a&gt;. Doch auch hier kann es sein, dass der Regisseur die richtige Lösung für ihr Ende gefunden hat. Der Geliebte kann sie sicherlich nicht überleben, und von der historischen Johanna heißt es, dass sie bei der Geburt ihres Kindes entdeckt wurde und gestorben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der zweiten Szene jedoch, chronologisch zwischen den beiden gelegen, hätte man sicher mehr machen können. Dort diskutiert die Päpstin mit den ihr feindlich gesinnten Lakaien über ihre Anordnung der Einrichtung von Mädchenschulen. Zwar wird sie auch hier ihrer Umgebung als intellektuell haushoch überlegen dargestellt, aber diesem Disput hätte ich gern länger gelauscht. Für mich ist es das zentrale Thema des Films: Die jahrhundertelange Unterdrückung der Frauen durch die abrahamitischen Religionen (aber auch durch die weltlichen Mächte des Mittelalters). Auch hier wieder: Welch ein Wahnsinn, dass soviel Potenzial verloren gegangen und so viel Leid erzeugt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Films bin ich eine kurze Zeit sitzen geblieben. Als ich gegenüber meinem Begleiter erwähnte, welche Gedanken mir gerade durch den Kopf gehen, antwortete er, der mich sehr gut kennt, sinngemäß: &quot;Alles, was nicht aufgeschrieben wurde, ist niemals passiert.&quot; Genauso ist es, worüber man keine Informationen hat, das ist niemals passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für viele Menschen wird die im Film gezeigte Päpstin jetzt einen höheren Realitätsgehalt haben als zum Beispiel Agapitus II, dessen Amtszeit sich mit der vermuteten Amtszeit der historischen Johanna überschneidet. Warum ist das so? Es liegt daran, dass die Vergangenheit nicht existiert. Es gibt nur Erinnerungen und Aufzeichnungen, eben Informationen über sie, auf die wir aber in der Gegenwart zugreifen. Und über das Leben dieser (Film)Päpstin wissen die Kinogänger jetzt mehr als über Agapitus II, der im 10. Jahrhundert angeblich gelebt haben soll. Hat er wirklich gelebt? Sicher?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sehr genau nachdenkt (dazu muss man nicht einmal etwas über die Implikationen moderner Physik wissen), wird man zustimmen (müssen), dass die folgenden drei Fälle ununterscheidbar sind: Ein Ereignis, das in der Vergangenheit stattgefunden hat, von dem wir aber absolut nichts wissen. Ein Ereignis, von dem wir absolut nichts wissen, weil es in der Vergangenheit nicht stattgefunden hat. Ein Ereignis, von dem wir absolut nichts wissen, weil es noch nicht stattgefunden hat. Diese drei Fälle sind ununterscheidbar. Was ununterscheidbar ist, ist gleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Filme/&quot;&gt;Filme&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Alltag/&quot;&gt;Alltag&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-26T20:50:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/6010112/">
    <title>Paul Davies: Prinzip Chaos</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/6010112/</link>
    <description>Als ich das Buch bei einem Bekannten sah, erinnerte ich mich dunkel an den Namen des Autors und borgte mir das Buch aus. Paul Davies ist Professor für Theoretische Physik und hat es 1988 geschrieben. Inzwischen ist er Verfasser von einer ganzen Reihe weiterer populärwissenschaftlicher Bücher. Im Vorwort heißt es:

&lt;blockquote&gt;Gewöhnlich stellt man sich unter der Erschaffung des Universums ein weit zurückliegendes plötzliches Ereignis vor. Diese Vorstellung wird von der Religion, aber auch von der Wissenschaft bestätigt, die Anhaltspunkte für einen »Urknall« besitzt. Doch durch diese schlichte Vorstellung wird verdeckt, daß die Erschaffung des Universums nie aufgehört hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ansicht der Kosmologen befand sich das Universum unmittelbar nach dem Urknall in einem vollkommen gestaltlosen Zustand, und erst später entstanden all die Strukturen und die Mannigfaltigkeit, die wir heute beobachten. Es gibt offenbar physikalische Vorgänge, die aus dein Nichts oder doch beinahe aus dem Nichts Sterne, Planeten, Kristalle, Wolken und Menschen entstehen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher kommt diese erstaunliche Schöpfungskraft? Kann die fortdauernde Kreativität der Natur mit den uns bekannten physikalischen Vorgängen erklärt werden, oder sind darüber hinaus Gestaltungsprinzipien wirksam, die der Materie und der Energie Form geben und sie zu immer höheren Zuständen der Ordnung und der Komplexität führen?&lt;/blockquote&gt;

Eigentlich hat er mit diesen ersten Sätzen bereits eindeutig Stellung bezogen gegen einen einfachen physikalischen Reduktionismus. In der Tat ist dann ein großer Teil des Buchs Belegen dafür gewidmet, warum die beiden Hauptthesen dieses Reduktionismus &quot;Alle Ereignisse der Realität lassen sich auf die Eigenschaften der von der Physik beschriebenen Teilchen zurückführen&quot; und &quot;Alle heute beobachtbaren Erscheinungen der Realität lagen bei t+0 des Urknalls bereits fest&quot; zu merkwürdigen Konsequenzen führen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil des Buches geht es vor allem um den Begriff des komplexen Systems und um Beispiele solcher Systeme in der Physik und in der Biologie. In den letzten Jahren wurden viele Beispiele von Selbstorganisation auch in der unbelebten Natur gefunden. (Unlängst habe ich über Galaxien gelesen, dass sich in ihnen die Sternenentstehungsraten auf etwa demselben Niveau einpegeln wie die des Verlöschens von Sternen und Explodieren von Supernovae. Galaxien sind also in der Lage, in sich eine weitgehende Konstanz der Bedingungen aufrecht zu erhalten, die um mindestens eine Größenordnung über der der Lebensdauer eines Einzelsterns liegt.) Die Physik hingegen konzentriert sich bisher in ihren Untersuchungen (verständlicherweise) auf einfache und abgeschlossene Systeme, die sich zudem meist in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichts befinden. Das ist aber in den meisten praktischen Fällen die Ausnahme und im Falle von Leben notwendigerweise anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fall der Evolution sieht man sich mit der merkwürdigen Tatsache konfrontiert, dass es hier einen Prozess gibt, der entgegen allen Gesetzen der Thermodynamik (des 2. Hauptsatzes) die Komplexität ständig nach oben treibt, von der unbelebten Natur zur belebten, von einfachen Lebewesen zu komplexeren, von unbewussten zu bewussten Lebensformen. Der Zeitpfeil im Universum wird also von zwei Prozessen bestimmt: Die physikalischen Gesetze sagen das Bestreben zu immer uniformeren Zuständen voraus, die der Evolution lassen uns immer komplexere Formen beobachten. Paul Davies formuliert diesen (scheinbaren?) Widerspruch an einer Stelle so:

&lt;blockquote&gt;Für die Sucher nach »Theorien der Organisation« besteht die zentrale Frage darin, ob der erstaunliche - man könnte sogar sagen: unvernünftige - Hang von Materie und Energie, sich »entgegen aller Wahrscheinlichkeit« selbst zu organisieren, mit den bisher bekannten Gesetzen der Physik erklärt werden kann oder ob dazu vollkommen neue fundamentale Gesetze erforderlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Praxis war den Bemühungen, Komplexität und Selbstorganisation mit den grundlegenden Gesetzen der Physik zu erklären, wenig Erfolg beschieden. Obwohl die Tendenz zu immer größerer organisatorischer Komplexität ein unübersehbares Merkmal des Universums ist, hat man das Auftauchen von neuen Organisationsstufen vielfach als etwas Rätselhaftes aufgefaßt, weil es aus thermodynamischer Sicht »in die falsche Richtung« zu gehen scheint. Neue Formen der Selbstorganisation sind in diesem Sinne generell etwas Unerwartetes und werden als Kuriosum betrachtet.&lt;/blockquote&gt;

Bemerkenswert seine Aussagen darüber, was wir als ein fundamentales Gesetz betrachten müssen, am Beispiel &quot;dreibeiniger Tiere&quot;:

&lt;blockquote&gt;Da es nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür gibt, daß man diese Tendenz aus den fundamentalen Gesetzen der Mechanik ableiten könnte, wird man sie selbst als fundamentales Gesetz bezeichnen müssen. Das heißt dann aber, das bislang in der Physik geltende Verständnis von Gesetz etwas zu erweitern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Welt der Lebewesen gibt es eine Fülle von Regelmäßigkeiten dieser allgemeinen, etwas ungenauen Art. So haben zum Beispiel, soweit ich weiß, alle Mitglieder des Tierreichs eine gerade Zahl an Beinen. Es wäre töricht zu behaupten, daß dreibeinige Tiere unmöglich sind, aber es spricht zumindest vieles dagegen, daß es sie gibt. Ich will nicht sagen, daß dieses »Gesetz der Gliedmaßen« in irgendeinem  Sinne fundamental ist. Es könnte allerdings sein, daß Tatsachen dieser Art einem fundamentalen Gesetz entspringen, das sich auf die Natur der organisierten Komplexität in der Biologie bezieht.&lt;/blockquote&gt;

Die wesentliche Aussage ist hier die des Emergentismus, also der Irreduzibilität bestimmter Gesetzmäßigkeiten auf niedere Organisationsstufen, in diesem Fall der Gesetze der Biologie auf die der Physik. Natürlich müssen die in der Biologie gefundenen Gesetze im Sinne der Physik &lt;i&gt;möglich&lt;/i&gt; sein, sie sind aber nicht &lt;i&gt;notwendig&lt;/i&gt; im physikalischen Sinn. Und, um den Eingangsgedanken nochmals aufzugreifen, die Existenz biologischer oder gar bewusster Wesen war zum Zeitpunkt des Urknalls nicht logisch zwingend aus den damals geltenden Bedingungen erkennbar, sondern sie wurden durch Entwicklungsschritte im Verlauf der Entwicklung möglich, von denen einzelne tatsächlich etwas qualitativ Neues geschaffen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere frappierende Frage ist die nach der Abwärtsverursachung. Wenn bestimmte Phänomene erst auf bestimmten Entwicklungsstufen auftreten können, sind sie dann in der Lage, kausal auf niedere Stufen einzuwirken? Oder, ganz simpel gefragt: Können wir durch Denken Atome in unseren Gehirnen hin- und herschieben, oder entsteht Denken durch die Hin- und Herbewegung der Atome im Gehirn oder sind beides zwei parallel beobachtbare Ansichten desselben Prozesses?

&lt;blockquote&gt;Der Reduktionist steht hier vor einer ernsten Schwierigkeit. Wenn die neuronalen Prozesse nichts anderes sind als Bewegungen von Atomen und Elektronen, die sklavisch den Gesetzen der Physik gehorchen, dann muß geistigen Vorgängen jede eigene Realität abgesprochen werden, denn der Reduktionist macht zwischen der Physik von Atomen und Elektronen im Gehirn und der Physik von Atomen und Elektronen anderswo keinen grundlegenden Unterschied. Damit ist das Problem der Verträglichkeit zwischen der geistigen und der physikalischen Welt sicherlich gelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch mit der Lösung des einen entsteht sogleich ein anderes Problem. Wenn geistigen Vorgängen Realität abgesprochen wird und Menschen zu bloßen Automaten reduziert werden, dann wird gerade den Denkprozessen, in denen die Auffassung des Reduktionisten dargelegt wird, Realität abgesprochen. Das heißt, daß das Argument, auf sich selbst angewandt, zusammenbricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist auch die Annahme, geistige Vorgänge seien real, nicht ohne Schwierigkeiten. Können geistige Vorgänge, wenn sie auf irgendeine Weise durch physikalische Prozesse wie die neuronale Aktivität erzeugt werden, ihre eigene, unabhängige Dynamik besitzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am deutlichsten empfindet man die Schwierigkeit im Zusammenhang mit dem Willen, der wohl das vertrauteste Beispiel der Abwärtsverursachung ist. Wenn ich beschließe, meinen Arm zu heben, und mein Arm sich anschließend hebt, dann ist es für mich eine selbstverständliche Annahme, mein Wille habe die Bewegung verursacht. Mein Geist wirkt natürlich nicht direkt auf meinen Arm ein, sondern auf dem Umweg über mein Gehirn. Mein Willensakt, meinen Arm zu bewegen, ist offenbar mit einer Veränderung in der neuronalen Aktivität meines Gehirns verbunden - bestimmte Neuronen werden »ausgelöst« usw. -, die eine Kette von Signalen begründet, welche zu meinen Armmuskeln wandern und die gewünschte Bewegung bewirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Zweifel stellt dieses Phänomen - ein Aspekt davon wird traditionell als »Leib-Seele-Problem« bezeichnet - die größte Schwierigkeit für die Wissenschaft dar. Einerseits glaubt man, die neuronale Aktivität im Gehirn sei durch die Gesetze der Physik bestimmt, wie es bei jedem elektrischen Netz der Fall ist. Andererseits bestärkt uns unser unmittelbares Erleben in der Ansicht, daß zumindest unser absichtliches Handeln durch unsere geistigen Zustände verursacht werde. Wie kann ein und derselbe Vorgang zwei Ursachen haben?&lt;/blockquote&gt;

Bemerkenswert, dass praktisch jedes Buch (eines Physikers oder Philosophen), dass mit Kosmologie beginnt und mit Evolution fortsetzt, auf dieses Problem zusteuert. Am Ende des Buchs versucht sich Davies an einer Klassifizierung der verschiedenen Entwicklungsstufen, die wir in der Realität vorfinden. Seine Untergliederung ist dabei etwas feiner als der Standard Physik - Biologie - Bewusstsein, und er geht in Anlehnung an Poppers 3-Welten-Theorie auch noch ein paar Schritte weiter. Dass Popper sich selbst als Dualisten gesehen hat, erwähnt er dabei aber nicht:

&lt;blockquote&gt;Geistige Vorgänge bilden nicht den Höhepunkt von Organisation und Komplexität in der Natur. Man kann noch eine weitere Schwelle überschreiten, hinein in die Welt der Kultur, der sozialen Institutionen, der Kunstwerke, der Religion, der wissenschaftlichen Theorien, der Literatur usw. Diese abstrakten Gegebenheiten - transzendieren die geistigen Erfahrungen einzelner Menschen und repräsentieren die kollektiven Errungenschaften der menschlichen Gesellschaft insgesamt. Popper hat sie als Gegebenheiten von »Welt 3« bezeichnet, wobei materielle Objekte die Gegebenheiten von Welt 1 und geistige Vorgänge die von Welt 2 sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann Welt 3 auf Welt 2 oder gar auf Welt 1 reduziert werden? Ich sehe dafür keine Möglichkeit, denn Gegebenheiten von Welt 3 besitzen ihre eigenen logischen und strukturellen Beziehungen, die über die Eigenschaften von einzelnen Menschen hinausgehen. &lt;br /&gt;
Nehmen wir zum Beispiel die Mathematik. Die Eigenschaften reeller Zahlen gehen weit über das hinaus, was wir kollektiv von der Arithmetik wissen. Es wird künftig Theoreme über Zahlen geben, von denen keiner der heute Lebenden etwas weiß, die aber dennoch wahr sind. In der Musik gibt es Kompositionen, die ihre innere Organisation und Konsistenz besitzen, unabhängig davon, ob tatsächlich jemand zuhört, wie sie gespielt werden.&lt;/blockquote&gt;

Am Ende spekuliert Davies noch ein bisschen weiter (quasi über eine Welt 4) und bestätigt damit meine These, dass kein Physiker ohne Meta-Physik auskommt. Er hält es für möglich, dass wir bei einer weiter fortschreitenden Entwicklung eine neue Art der Komplexität hervorbringen, die ganz neue und uns heute unbekannte Eigenschaften besitzt. Und diese neue Form einer abstrakten Natur könnte irgendwo &quot;da draußen&quot; bereits existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Physik/&quot;&gt;Physik&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Gehirn+%26+Geist/&quot;&gt;Gehirn &amp; Geist&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/B%C3%BCcher/&quot;&gt;Bücher&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-25T14:18:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5994993/">
    <title>Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5994993/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hFAq6xs9L._SL500_AA240_.jpg&quot; align=&quot;right&quot; vspace=&quot;10&quot; /&gt;Mit einem Kollegen unterhielt ich mich über eine Kurvenapproximation. &quot;Man könnte sie über die Minimierung der Summe der Beträge der Fehler optimieren&quot;, schlug ich vor. &quot;Die Fehlerquadratmethode ist besser&quot;, antwortete er mir. Klar, denn bei der Minimierung der Fehlerquadrate werden große Einzelfehler stärker bestraft, sodass die Anpassung der Kurve insgesamt besser ist. &quot;Weißt du, wie Gauß auf die Methode gekommen ist?&quot;, fragte ich ihn. &quot;Das steht in seiner Biografie drin&quot;, antwortete mir mein Kollege und versprach das Buch mitzubringen, in dem er das gelesen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich herausstellte, handelte es sich aber gar nicht um eine Biografie, sondern um Daniel Kehlmanns Bestseller. Ich hatte es mir vor einiger Zeit als Hörbuch gekauft, hatte aber damals den Eindruck, dass nicht der komplette Buchinhalt erzählt wird. Der Übergang der Kapitel erschien mir etwas abrupt. Beim Lesen des Buchs stellte sich jetzt aber heraus, dass es im Buch genauso ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist schon ein meisterhafter Einfall, Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß in einem Buch zuerst gegenüber zu stellen und dann zusammen zu führen. Das Leben der beiden hätte verschiedener nicht ausfallen können. Der eine ist zeitlebens gereist, der andere hasste das physische Reisen, seine Expeditionen fanden im Kopf statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin eher der Gauß-Typ, im Laufe der Jahre ist mein Drang andere Gegenden körperlich zu bereisen, immer kleiner geworden. Wenn man woanders hin fährt, nimmt man sich selbst immer mit. Wenn man sich also für Dinge interessiert, die man eher im eigenen Kopf oder in Büchern findet, reicht der Gang zur nächsten Buchhandlung oder Bibliothek als Ortsveränderung vollkommen aus. Beim Lesen habe ich auch folgerichtig die &quot;Humboldt&quot;-Kapitel übersprungen, ich kannte ja das Hörbuch bereits, und mich auf die &quot;Gauß&quot;-Kapitel konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stelle, in der es um die Fehlerquadratmethode ging, hatte ich relativ schnell gefunden. Kehlmanns gezeichnetes Bild ist hier klasse und typisch für Gauß - jedenfalls für den Gauß, den Kehlmann im Buch beschreibt. Die Idee zur Methode kommt Gauß in seiner Hochzeitsnacht:

&lt;blockquote&gt;Er hätte es gern notiert, aber jetzt kroch ihre Hand an seinem Rücken abwärts. So habe sie es sich nicht vorgestellt, sagte sie mit einer Mischung aus Schrecken und Neugier, so lebendig, als wäre ein drittes Wesen mit ihnen. Er wälzte sich auf sie, und weil er fühlte, daß sie erschrak, wartete er einen Moment, dann schlang sie ihre Beine um seinen Körper, doch er bat um Verzeihung, stand auf, stolperte zum Tisch, tauchte die Feder ein und schrieb, ohne Licht zu machen: &quot;Summe d. Quadr. d. Differenz zw. beob. u. berechn. &rarr; Min.&quot;, es war zu wichtig, er durfte es nicht vergessen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hörte sie sagen, sie könne es nicht glauben und sie glaube es auch nicht, selbst jetzt, während sie es erlebe. Aber er war schon fertig. Auf dem Weg zurück stieß er mit dem Fuß gegen den Bettpfosten, dann spürte er sie wieder unter sich, und erst als sie ihn an sich zog, bemerkte er, wie nervös er eigentlich war, und für einen Augenblick wunderte es ihn sehr, daß sie beide, die kaum etwas voneinander wußten, in diese Lage geraten waren. Doch dann wurde etwas anders, und er hatte keine Scheu mehr, und gegen Morgen kannten sie einander schon so gut, als hätten sie es immer geübt und immer miteinander.&lt;/blockquote&gt;

Das war nicht die Begründung des Verfahrens, die mir mein Kollege versprochen hatte, aber immerhin eine ziemlich gute Beobachtung. Auch an anderen Stellen deckt sich Kehlmanns Beschreibung mit dem, was ich von Höchstbegabten beobachtet, gelesen oder gehört habe:

&lt;blockquote&gt;Auch die schwarzen Zeichen in den Büchern, welche zu den meisten Erwachsenen sprachen, nicht aber zu seiner Mutter und zu ihm, störten ihn. An einem Sonntag nachmittag ließ er sich von seinem Vater, aber wie stehst du denn da, Junge, einige erklären: das mit dem großen Balken, das unten weit ausschwingende, den Halb- und den ganzen Kreis. Dann betrachtete er die Seite, bis sich die noch unbekannten ganz von allein ergänzten und da plötzlich Wörter standen. Er blätterte um, diesmal ging es schneller, ein paar Stunden später konnte er lesen, und noch am selben Abend war er mit dem Buch, das übrigens langweilig war und immerzu von Christi Tränen und der Liebesreue des Sünderherzens redete, fertig. Er brachte es seiner Mutter, um auch ihr die Zeichen zu erklären, aber sie schüttelte traurig lachend den Kopf. In diesem Moment begriff er, daß niemand den Verstand benutzen wollte. Menschen wollten Ruhe. Sie wollten essen und schlafen, und sie wollten, daß man nett zu ihnen war. Denken wollten sie nicht.&lt;/blockquote&gt;

Schön auch dieses Missverständnis:

&lt;blockquote&gt;Von allen Menschen, die er je getroffen hatte, waren seine Studenten die dümmsten. Er sprach so langsam, daß er den Beginn des Satzes vergessen hatte, bevor er am Schluß war. Es nützte nichts. Er sparte alles Schwierige aus und beließ es bei den Anfangsgründen. Sie verstanden nicht. Am liebsten hätte er geweint. Er fragte sich, ob die Beschränkten ein spezielles Idiom hatten, das man lernen konnte wie eine Fremdsprache. Er gestikulierte mit beiden Händen, zeigte auf seinen Mund und formte die Laute überdeutlich, als hätte er es mit Taubstummen zu tun. Doch die Prüfung schaffte nur ein junger Mann mit wäßrigen Augen. Sein Name war Moebius, und als einziger schien er kein Kretin zu sein.&lt;/blockquote&gt;

Einen anderen Gedanken, der im Buch mehrfach in unterschiedlicher Form auftaucht, habe ich selbst häufig, zum Beispiel wenn ich im Wartezimmer beim Zahnarzt sitze und aus dem Behandlungsraum den Bohrer höre, wenn ich Rückenschmerzen habe oder wenn ich sinnlos auf der Autobahn irgendwohin fahre und genau weiß, dass alle diese Dinge in nicht einmal 200 Jahren die Menschen nicht mehr stören werden:

&lt;blockquote&gt;Beim Heimgehen mußte er sich an Hauswände lehnen, seine Knie waren weich, seine Füße gehorchten ihm nicht, ihm war schwindlig. Schon in ein paar Jahren würde es Ärzte für das Gebiß geben, dann würde man diese Schmerzen heilen können und bräuchte nicht jeden entzündeten Zahn herauszureißen. Bald würde die Welt nicht mehr voll Zahnloser sein. Auch würde nicht mehr jedermann Pockennarben haben, und keiner würde mehr seine Haare verlieren. Es wunderte ihn, daß außer ihm niemand an diese Dinge dachte.&lt;/blockquote&gt;

Also ich grübele ziemlich häufig über solche Dinge nach, und, ehrlich gesagt, beneide ich diejenigen, die einfach so denken können, dass alles, was sie erleben (oder erleiden), absolut selbstverständlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/B%C3%BCcher/&quot;&gt;Bücher&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Mathematik+%26+Logik/&quot;&gt;Mathematik&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-15T22:01:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5987526/">
    <title>Gottesbeweise/Widerlegungen und ein Elefant</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5987526/</link>
    <description>Ich habe heute neben vielem anderen auch in einem Thread über Gottesbeweise bzw. -widerlegungen geschmökert. Natürlich findet man  dort alles Mögliche außer gültigen Beweisen oder Widerlegungen, das geht ja bekanntlich nicht. Zunächst ein Klassiker:

&lt;blockquote&gt;Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch in der Lage sein, einen Stein zu erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann. Wenn er ihn aber nicht heben kann, ist er nicht allmächtig..&lt;/blockquote&gt;

Darauf kam die Antwort:

&lt;blockquote&gt;Das ist gelinde gesagt Käse: &quot;Allmacht&quot; kann sich natürlich nur auf in sich widerspruchsfreie Taten beziehen. Gott kann sich weder selbst töten noch der Kreiszahl den Wert drei geben noch den vielzitierten Stein erschaffen. Wenn Gott gegen die Regeln der Logik verstoßen könnte, wäre jede weitere Diskussion sinnlos, weil damit jede Argumentation sowohl der theistischen wie der atheistischen Seite zusammenbrechen würde, denn aus einer einzigen inkonsistenten Aussage kann buchstäblich alles geschlussfolgert werden.&lt;/blockquote&gt;

Hm, das leuchtet nun wiederum mir nicht ein, denn wenn Gott den Regeln der Logik unterworfen ist, wer schuf dann die Regeln der Logik? Also der nächste Bekehrungsversuch:

&lt;blockquote&gt;Stell Dir vor, Du bist blind. Dann kannst du normalerweise eine rote Ampel nicht von einer grünen unterscheiden, was aber noch lange nicht heißt, dass es weder eine rote noch eine grüne (oder vielleicht nur eine ausgeschaltete) Ampel gibt. Die Eigenschaft der Ampel wäre für Dich nicht erfahrbar Du könntest aber aus einem Mangel an Erfahrbarkeit nicht auf einen Mangel an Existenz schließen, sondern bestenfalls auf einen Mangel an Relevanz. Für Atheisten ist Gott eben nicht relevant, für gläubige Menschen aber sehr wohl  und zwar unabhängig von der Frage ob er existiert oder nicht.&lt;/blockquote&gt;

Irgendwie hinkt dieses Beispiel, denn die Diskussion über rote und grüne Ampeln findet unter der Prämisse statt, dass alle Disputanten von der tatsächlichen Existenz roter und grüner Ampeln ausgehen, was als Analogie zu Gott nicht zutrifft, denn hier geht eine Seite davon aus, dass ER nicht existiert. Gefallen hat mir auch der folgende Disput:

&lt;blockquote&gt;&lt;b&gt;A&lt;/b&gt;: Jeder nimmt an einer Lotterie teil, an der er sicher gewinnt. Sagen wir, alle spielen Lotto und der Einsatz dafür wird von jemand übernommen, den wir mal Gott nennen wollen. Jeder bekommt also einen Lottoschein. Nach der nächsten Ziehung haben alle ziemlich viel gewonnen, aber nur diejenigen, die glauben dass der Schein echt ist, werden auch ihren Gewinn abholen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;B&lt;/b&gt;:Finde ich ein ziemlich schlechtes Bild: wenn ich den Lottoschein habe und ich weiß, er hat gewonnen, dann gehe ich zur Lottoannahmestelle und will den Gewinn haben. Spätestens dann weiß (!) ich, ob der Schein echt oder falsch ist, ob ich wirklich gewonnen habe, oder nicht. So verhält es sich mit dem Glauben aber nicht. Ich kann nicht mal überprüfen, ob ich überhaupt einen Lottoschein bekommen habe! Gar nicht davon zu reden, ob er gewonnen hat oder sogar den Gewinn einzufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;C&lt;/b&gt;: Was hältst Du von folgendem Bild: Gott gibt uns ein Päckchen mit der Aufschrift &quot;zu öffnen nach dem Tod des Empfängers&quot;. Wenn man es vorher aufmacht, ist es leer und gläubige Menschen sagen: &quot;Siehst Du, hättest Du bis nach dem Tod gewartet wäre es randvoll mit Geld gewesen!&quot; Nach dem Tod kann man es aber naturgemäß nicht mehr öffnen.&lt;/blockquote&gt;

Und jetzt wieder zurück zu einem verkleideten Steineklassiker:

&lt;blockquote&gt;&lt;b&gt;D&lt;/b&gt;: Müsste ein allmächtiges Wesen sich denn nicht gelegentlich auch mal in ein nicht allmächtiges Wesen verwandeln können, eines welches keine weiteren Verwandlungen beherrscht? Ich denke, es müsste dies eigentlich beliebig oft tun können, sofern es allmächtig wäre. Und schon sitzen wir drinnen in unserer Zwickmühle, denn mit der ersten Verwandlung sollte der Rückweg ja für immer versperrt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;E&lt;/b&gt;: Ja, die altbekannte Frage, ob Gott einen Burito so heiß machen kann, dass er ihn nicht mehr essen kann....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenargument: Es gibt mindestens einen Menschen, der an Gott als allmächtiges Wesen glaubt. Wenn Gott in seiner Vorstellung allmächtig ist, besitzt er auch die Macht, aus der Welt der Gedanken in die reale Welt überzuwechseln. Somit kann er in dem Moment, da er erdacht wird, real werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Realität nun ein erstrebenswerterer Zustand ist, als nur erdacht zu sein und ob Gott es daher tun würde, ist wieder eine andere Frage.&lt;/blockquote&gt;

Meiner Meinung nach stimmt die Logik von &lt;b&gt;E&lt;/b&gt; nicht, aber sie enthält den Ansatz für ein in sich konsistentes Gottesbild: Gott existiert, solange jemand glaubt, dass er existiert. Dieses Gottesbild erklärt auch sehr schön, warum es niemals gelingt, jemanden, der an Gott glaubt, von der Nichtexistenz Gottes zu überzeugen. Denn wenn man ihn überzeugt hätte, würde Gott nicht mehr existieren, und kann man jemanden von der Nichtexistenz von etwas überzeugen, das nicht existiert und von dem beide glauben, dass es nicht existiert? (Ich weiß, das hinkt natürlich ein bisschen, weil hier die zwei Varianten von Wenn-Dann-Konstrukten gemischt wurden. ;-) )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier lauert aber noch ein weiterer interessanter logischer Stolperstein, der sich auf die Unmöglichkeit von Nichtexistenzbeweisen bezieht: Wenn es keine Möglichkeit gibt, die Nichtexistenz von etwas zu beweisen, dann existiert offenbar keine Methode, die Nichtexistenz zu beweisen. Wie kann dann die Nichtexistenz einer Methode bewiesen werden, mit der die Nichtexistenz bewiesen werden könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben solchen Intelligenzbrechern schweift man in derartigen Threads gern völlig vom Thema ab, zum Beispiel habe ich dort die folgende interessante Aufgabe gefunden:

&lt;blockquote&gt;Wieviele Dimensionen muss ein n-dimensionaler Würfel mit Kantenlänge 1cm haben, damit ein durchschnittlich großer Elefant hineinpasst? Also: n=?&lt;/blockquote&gt;

Es gibt mindestens zwei Lösungen, je nachdem, wie man den Elefanten durch den Würfel bugsiert. Ich verrate sie hier schon mal, weil es ja mehr auf die Lösungsideen ankommt. 

&lt;ul&gt;&lt;li&gt; n=4&lt;/li&gt;
&lt;li&gt; n=170.000&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;

Die erste Lösung ist exakt, die zweite aus den durchschnittlichen Maßen eines Elefanten geschätzt, es könnten also durchaus 100.000 Dimensionen mehr oder weniger sein. Har har har...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Gehirn+%26+Geist/&quot;&gt;Gehirn &amp; Geist&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Mathematik+%26+Logik/&quot;&gt;Mathematik &amp; Logik&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-11T19:18:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5986991/">
    <title>Leben wir in einer Matrix II?</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5986991/</link>
    <description>Ich hatte darüber schon einmal etwas geschrieben: &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/stories/5272995/&quot;&gt;Leben wir in einer Matrix?&lt;/a&gt;. Das war eine Reflexion auf einen Artikel von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Nick_Bostrom&quot;&gt;Nick Bostrom&lt;/a&gt; zu diesem Thema. Heute nun habe ich gelesen, dass diese Frage nach der Realität der Realität schon viel älter ist und nach Meinung des Philosophen Olaf L. Müller von der Humboldt-Universität bereits vor über 20 Jahren von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Hilary_Putnam&quot;&gt;Hilary Putnam&lt;/a&gt; beantwortet wurde. Das Folgende entstammt dem Artikel &lt;a href=&quot;http://gehirnimtank.de/tank/wgiaB.pdf&quot;&gt;Wirklichkeit ohne Illusionen oder Der Abschied vom Skeptizismus&lt;/a&gt; von Olaf L. Müller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Artikel wird zunächst in die Vorstellung, man wäre ein Gehirn im Tank, eingeführt. Dazu wird man im Schlaf entführt, das Gehirn entnommen und an einen Computer angeschlossen, der ab diesem Zeitpunkt alle Interaktionen des Gehirns mit seiner Umwelt realisiert:

&lt;blockquote&gt;Die Chirurgen verloren keine Zeit. Sie sägten Ihren Schädel auf, um an Ihr Gehirn heranzukommen, das sie behutsam aus seiner Schale lösten und in eine Nährlösung gleiten ließen, damit es nicht abstirbt. Dann begann die Fummelarbeit. Die Ärzte identifizierten jede einzelne Nervenbahn, durch die Ihr Gehirn bis gestern mit Ihrem Restkörper Informationen ausgetauscht hatte: Sehnerven, Nerven für akustische Reize aus dem Gehör, aber auch Nerven, durch die das Hirn Steuersignale zur Bewegung seines Ex-Körpers gesandt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese (bei der Operation durchtrennten) Nervenstränge verbanden die Doktoren mit einem Computer, in den sie zuvor mit Akribie sämtliche Fakten über Ihr Haus, Ihre Familie, Ihren Job und Ihr Leben eingespeist hatten und in dem überdies ein geniales Programm zur Simulation von Nervenimpulsen geladen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Simulationscomputer sorgte zuverlässig für den Anschein von Normalität. Er simulierte das Strecken Ihrer Glieder, den Kälteschock unter der Dusche, den Geruch Ihres Morgenkaffees und die haptischen Qualitäten der Zeitschrift, die Sie jetzt in den Händen zu halten wähnen ...&lt;/blockquote&gt;

In einem zweiten Schritt wird dieses Experiment zum &quot;ewigen Gehirn im Tank&quot; erweitert, aber tatsächlich wird durch diese scheinbar kleine Modifikation etwas ganz Entscheidendes und für die Beweisführung Wesentliches geändert:

&lt;blockquote&gt;Treiben wir die Sache auf die Spitze. Vielleicht ist Ihr Gehirn nicht erst gestern in den Tank geraten, sondern steckte von Anbeginn in dieser traurigen Lage? Dann hätten Sie niemals einen eigenen Körper gehabt. Und vielleicht befinden sich Tank, Hirn und Computer gar nicht im Keller einer irdischen Klinik. Sie könnten ja auch irgendwo im Andromedanebel herumschweben, weit, weit weg von unserem Sonnensystem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie, wenn es die Erde gar nicht gäbe? Dann wären Sie das einzige denkende Wesen überhaupt!  Wer denn in diesem Fall den Simulationscomputer programmiert haben soll? Nun, die ganze Konfiguration könnte durch einen gigantischen Zufall entstanden sein: unwahrscheinlich, zugegeben  aber theoretisch denkbar. Oder?

&lt;/blockquote&gt;Hillary Putnam ist nun der Meinung, dass genau dieses Experiment nicht denkbar ist. Sein Beweis ist extrem einfach aufgebaut. Er besteht lediglich aus zwei Voraussetzungen und zwei daraus ziehbaren Schlussfolgerungen. Die Beweisführung folgt dabei der Sprachphilosophie Wittgensteins. Im Text wird dazu das Bild eines Tigers gezeigt, dass dem Gehirn als äußere Empfindung vorgegaukelt wird. Die beiden Voraussetzungen des Beweises sind:

&lt;ol&gt;&lt;li&gt; In meiner Sprache bezeichnet das Wort »Tiger« die Tiger.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt; In der Sprache eines ewigen Gehirns im Tank bezeichnet das Wort »Tiger« nicht die Tiger.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;

Die erste Voraussetzung erscheint klar, weil wir Tiger kennen und annehmen, dass das Wort &quot;Tiger&quot; die sprachliche Repräsentation dieser real existierenden Tiere ist. Man kann hier aber jedes beliebige Wort nehmen und z.B. wie im Artikel fragen: &quot;Was bezeichnet das Wort »Paläolepidopterologe«?&quot; Die korrekte Anwort lautet: &quot;Das Wort bezeichnet die Paläolepidopterologen!&quot; Das bedeutet, man muss nicht wissen, was ein Tiger oder ein Paläo&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Lepidopterologe&quot;&gt;lepidopterologe&lt;/a&gt; ist, um die erste Voraussetzung als wahr anzuerkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die zweite Voraussetzung erscheint dagegen zunächst unklar. Aber da das ewige Gehirn im Tank keinen kausalen Zugang zu Tigern hat, kann sein Wort &quot;Tiger&quot; nicht die realen Tiger bezeichnen, sondern höchstens die entsprechenden Bitmuster im Simulationscomputer. Oder anders gesagt: Die Bedeutung eines Wortes entsteht nicht im Gehirn, sondern in der Realität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Vergleich der beiden Voraussetzungen kann man ableiten:

&lt;ol start=&quot;3&quot;&gt;&lt;li&gt;Meine Sprache ist von der Sprache eines ewigen Gehirns im Tank verschieden.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;
Und da zwei Wesen, die sich in ihrer Sprache (also mindestens in einem Merkmal) unterscheiden, nicht identisch sein können, folgt:

&lt;ol start=&quot;4&quot;&gt;&lt;li&gt;Ich bin nicht seit jeher ein Gehirn im Tank.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;

Wenn man hier beim Lesen ein ¿Hä?-Erlebnis hat, kann ich das nachvollziehen, weil es mir genauso ging. Im verlinkten Artikel berichtet Olaf L. Müller zudem davon, dass man sich an der Humboldt-Uni mit diesem Beweis, den Einwänden und Widerlegungen dieser Einwände ein ganzes Jahrzehnt beschäftigt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist es selbst erst dann klar geworden, als ich mich daran erinnert habe, dass Putnam Sprachphilosoph ist. Die beiden eingangs vorgestellten Gedankenexperimente sind grundverschieden. Im ersten gibt es eine Außenwelt, in der Tiger existieren und von denen das Gehirn wenigstens im Prinzip Kenntnis erlangen kann, weil es sie außerhalb des Gehirns bzw. der Apparatur gibt. Im zweiten Experiment wird ein Gehirn in eine Simulation gesteckt und gleichzeitig (aus der Sicht des Gehirns) angenommen, dass es nichts außerhalb gibt, sonst wäre es nicht &quot;ewig&quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Voraussetzungen können nicht gleichzeitig gelten, weil dazu ein Wechsel der Beobachterposition notwendig wäre. Damit das Gehirn erkennen könnte, dass es ein Gehirn im Tank ist, müsste es sich von außerhalb das Tanks beobachten. Damit Sprachphilosophie funktioniert, muss sie dieses Ergebnis nichtphysikalistisch, also innerhalb ihrer eigenen Grenzen, der Sprache und der Logik, finden. Und genau das leistet die zweite Voraussetzung. Olaf L. Müller schreibt u.a. in seinem Artikel:

&lt;blockquote&gt;Die Arbeit am Modell vom Gehirn im Tank und an Putnams Gegenbeweis brachte zwei Ergebnisse. Erstens war der Beweis in keiner der bislang bekannten Fassungen wasserdicht. Logische Lücken, versteckte Zirkularitäten und tausend Detail-Probleme verdarben den guten Eindruck, den der Beweis selbst bei Wohlwollenden hinterlassen hatte.&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
Die Überraschung liegt im zweiten Ergebnis meiner Auseinandersetzung mit dem Beweis. Putnams Beweisidee ist völlig in Ordnung, ja sogar genial. Alle Makel des Beweises können ausgebügelt werden. So ist es mir gelungen, insgesamt drei wasserdichte Fassungen des Beweises auszuarbeiten, die sich gegen alle mir bekannten Einwände verteidigen lassen.&lt;/blockquote&gt;

&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Gehirn+%26+Geist/&quot;&gt;Gehirn &amp; Geist&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-11T13:53:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5984887/">
    <title>Kseniya Simonova - Sand Animation</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5984887/</link>
    <description>Ohne Worte.

&lt;center&gt;&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/518XP8prwZo&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/518XP8prwZo&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Frauen/&quot;&gt;Frauen&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Filme/&quot;&gt;Filme&lt;/a&gt;</description>
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    <dc:date>2009-10-10T06:47:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5984504/">
    <title>Herta Müller und Rumänien 1989</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5984504/</link>
    <description>Als ich die Nachricht vom Literaturnobelpreis für &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Herta_M%C3%BCller&quot;&gt;Herta Müller&lt;/a&gt; gelesen habe, schossen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Herta Müller, was für ein Künstlername, und Rumänien! Herta Müller ist eine &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Banater_Schwaben&quot;&gt;Banater Schwäbin&lt;/a&gt;, neben den &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Siebenb%C3%BCrger_Sachsen&quot;&gt;Siebenbürger Sachsen&lt;/a&gt; die zweite deutschsprachige Bevölkerungsgruppe in Rumänien. Herta Müller ist 1987 aus Rumänien in die BRD ausgereist, ich bin in dieser Zeit zweimal aus der DDR nach Rumänien  in den Urlaub gefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Mal war ich 1986 mit einigen meiner Kommilitonen auf Bergtour im &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Retezat-Gebirge&quot;&gt;Retezat-Gebirge&lt;/a&gt;. Ich weiß noch, dass wir uns nach unserer Rückkehr darüber unterhalten haben, wie gut wir es doch in der DDR haben, besser als in Rumänien oder in der Sowjetunion. (Letztere habe ich aber erst 1987 genauer kennengelernt, als ich eine Zeit lang in Leningrad studiert habe.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Mal war ich im Sommer 1989 in Rumänien, dieses Mal haben wir zuerst eine Wanderung entlang des Hauptkamms des &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/F%C4%83g%C4%83ra%C5%9F-Gebirge&quot;&gt;Fogarasch-Gebirges&lt;/a&gt; unternommen. Danach waren wir eine Woche zum &quot;Kultururlaub&quot; in Siebenbürgen. Ich erinnere mich noch an einen Lebensmittelladen, in dem es zwei Regalreihen gab. Auf der linken Seite standen Gläser mit Tomatenmark, auf der rechten eine einzige Sorte Waschpulver, außer diesen beiden Produkten gab es nichts. In einem Buchladen war ein ganzes Regal den Werken von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Nicolae_Ceau%C8%99escu&quot;&gt;Nikolae&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Elena_Ceau%C8%99escu&quot;&gt;Elena Ceausescu&lt;/a&gt; vorbehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Brot kaufen zu können, mussten wir ausländischen Touristen unsere Personalausweise vorzeigen, deren Nummern von der Verkäuferin notiert wurden. Die Rumänen selbst erhielten alle Produkte nur auf Lebensmittelmarken. Alles außer Brot hatten wir aus der DDR mitgebracht und schleppten die Verpflegung für drei Wochen in unseren unerhört schweren Kraxen ständig mit uns herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus heutiger Sicht hört es sich wahrscheinlich merkwürdig an, aber im Vergleich zu Rumänien im Jahr 1989 hielten wir die DDR für ein Paradies. Um unseren Urlaub zu finanzieren, hatten wir außer den Lebensmitteln zum eigenen Verbrauch noch Bohnenkaffee und Schokolade einstecken und verkauften beides auf dem Schwarzmarkt. Auch mit Zigaretten hätte man handeln können, aber wir waren alles Nichtraucher. Das Notieren der Personalausweisnummern und die auffällige Zurückhaltung der Menschen mit uns zu reden, machte die Allgegenwart der &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Securitate&quot;&gt;Securitate&lt;/a&gt; offensichtlich, wir fühlten uns beobachtet, ganz im Gegensatz zur DDR, wo zumindest ich dieses Gefühl nie hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem kleinen Dorf besichtigten wir eine Kirche, an deren Außenwand sich der laut Reiseführer älteste Blitzableiter Europas befand, ein krummes Stück handgeschmiedetes Eisen, das sich quer von oben nach unten über die Wand zog. Dort wurden wir vom deutschen Pfarrer angesprochen, der offensichtlich keine Scheu hatte, mit uns ins Gespräch zu kommen. Er erzählte uns, dass bereits etwa die Hälfte seiner Gemeindemitglieder nach Westdeutschland ausgereist seien, und er hier ausharren würde, bis auch der letzte gegangen oder gestorben ist. Ceausescu würde eine systematische Vertreibung der Deutschen organisieren und für jeden Ausgereisten Geld von Westdeutschland kassieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem letzten Tag am Fuße des Fogaraz wurde ich, im Zelt liegend, im Morgengrauen durch ein leises Geräusch geweckt. Als ich die Augen öffnete, erkannte ich einen Schlitz im Zelt. Mit einem lauten Schrei sprang ich auf und weckte dadurch auch meine neben mir liegende Begleiterin. Die beiden Rumänen, die durch die mit einer Rasierklinge ins Zelt geschnittene Öffnung unsere Rucksäcke klauen wollten, flohen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer unserer Rucksäcke lag vor dem Zelt, den anderen ließen sie bei ihrer Flucht fallen. Hinterher war ich wie betäubt, aber wir hatten doch Glück gehabt: Zum einen hätte uns ein kaputtes Zelt am Beginn des Urlaubs die geplante Bergtour vermasselt, zum anderen hätten uns die Diebe ja auch einfach ermorden können, als sie erwischt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Rumänien sind wir mit dem Zug zurückgefahren und haben ein paar Tage in Ungarn Halt gemacht. Deshalb lässt sich der Urlaub auch genau datieren, denn wir waren um den 20. August herum, einem Nationalfeiertag, in Budapest. Wir hatten vorher gehört, dass es in Budapest ein kostenloses Zeltlager für DDR-Bürger geben soll und erkundigten uns danach. Irgendwie muss einer von uns dabei die Worte &quot;Lager&quot; und &quot;Stacheldraht&quot; benutzt haben, jedenfalls reagierte der von uns angesprochene Einheimische empört: &quot;In Ungarn gibt es keine Lager mit Stacheldraht.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir fanden das gesuchte Zeltlager. Abends gab man seinen Personalausweis ab, am Morgen erhielt man ihn wieder zurück. Nach knapp drei Wochen unterwegs waren die heißen Duschen ein Genuss. Bei früheren Budapesturlauben hatten wir entweder auf den Gängen im Bahnhof oder in irgendeinem Stadtpark geschlafen. Damals war es mir nicht klar, aber die Mehrheit der dort kampierenden DDR-Bürger ist sicherlich nicht zurück in die DDR gefahren, sondern weiter über die Grenze nach Österreich, denn die symbolische Grenzöffnung durch &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Gyula_Horn&quot;&gt;Gyula Horn&lt;/a&gt; hatte ja schon Ende Juni stattgefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich zu Hause in der DDR zum ersten Mal wieder Nachrichten hörte, war das ein Schock. Hunderte DDR-Bürger saßen in der Botschaft in Prag, um ihre Ausreise zu erzwingen. Es begann die Zeit, in der ich jeden Abend die Nachrichten sah, zuerst 19:30 die &quot;Aktuelle Kamera&quot;, dann 20:00 die &quot;Tagesschau&quot;. Am Sonntagabend des 8. Oktober fuhr ich aus Leipzig wieder zur Arbeit an meine Uni, voller Sorge, denn am Sonnabend hatte ich in der Leipziger Volkszeitung den Brief eines Kampfgruppenkommandeurs gelesen. Am 9. Oktober in der &quot;Aktuellen Kamera&quot; kam nichts über Leipzig, in der Tagesschau dann die Bilder aus der Stadt. Und am Ende des Jahres 1989, am 25. Dezember, wurde der Diktator Ceausescu in Rumänien erschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meinem nächsten großen Urlaub bin ich über die Alpen gewandert, von Konstanz am Bodensee nach Bozen in Südtirol. Es war überwältigend, ein so großes und deutschprachiges Gebiet zu durchqueren. Und statt einer Passkontrolle informierten lediglich zwei kleine Schilder darüber, dass man jetzt nicht mehr in Deutschland, sondern in Österreich, und ein paar Tage später, dass man nicht mehr in Österreich, sondern in Italien ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Acht Monate nach dem Rumänienurlaub bekam das zweite Pärchen, das mit in Rumänien im Urlaub war, ein Mädchen. Dieses Mädchen ist jetzt erwachsen - und nächste Woche fliegt es zur Arbeit nach Rumänien, allerdings nicht ins Banat oder nach Siebenbürgen, sondern in einen mehr ungarischsprachigen Teil des Landes. Es sind nicht nur Nobelpreise, die davon zeugen, dass sich ganz schön was verändert hat in den letzten zwanzig Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Alltag/&quot;&gt;Alltag&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Reiseberichte/&quot;&gt;Reiseberichte&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-09T18:51:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5972938/">
    <title>Intelligente Fahrzeuge</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5972938/</link>
    <description>Ein Tempomat ist eine feine Sache. Seit drei Jahren fahre ich ein Auto mit Automatikgetriebe, da gehört er praktisch zur Serienausstattung. Man stellt ihn auf eine Geschwindigkeit ein, die etwas niedriger ist als die des durchschnittlichen Verkehrs, dann kann man es auf längeren Strecken einfach rollen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist aufgefallen, dass der Benzinverbrauch mit Tempomat vor allem in hügeligem Gelände höher ist als ohne, zunächst war mir nicht klar warum. Aber nach einigem Nachdenken kam ich darauf, dass bei gleichbleibender Geschwindigkeit der Benzinverbrauch beim Bergauffahren stärker steigt, als er sich beim Bergabrollen verringert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der ohne Tempomat fährt, verhält sich offenbar anders. Bergauf fährt er etwas langsamer, entweder weil er das Gaspedal nicht stärker durchdrückt oder weil er unbewusst das Brummen des Motors auf einem gleichbleibenden Niveau halten möchte. Bergab wird er dann automatisch schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einer intelligenteren Programmierung des Tempomaten könnte man ein ähnliches Verhalten erzielen. Man würde dann nicht mehr eine Geschwindigkeit einstellen, die von der Technik zu jedem Zeitpunkt eingehalten werden soll, sondern man würde eine Durchschnittsgeschwindigkeit wählen, an der sich das Auto orientieren soll. Da sowieso laufend die gefahrene Strecke, der Benzinverbrauch und die Motorleistung gemessen werden, ließe sich das im Bordcomputer relativ leicht programmieren. Kosten für den Hersteller entstünden keine, der Nutzer hätte den Vorteil eines geringeren Benzin- oder Dieselverbrauchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Ärgernis für den Tempomatliebhaber sind andere Fahrzeuge, die ohne Tempomat gesteuert werden und deren Geschwindigkeit leicht unter oder über der eigenen liegt. Man rollt Zentimeter um Zentimeter auf den vor einem Fahrenden zu und überlegt, ob man jetzt überholen soll (Stress!) oder den Tempomaten um ein oder zwei km/h abregelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einigen modernen Autos sind Bremsassistenten eingebaut. Diese messen den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und warnen entweder bei zu großer Annäherung oder können sogar selbstständig den Bremsvorgang einleiten. Auch diese Sensoren könnte man mit dem &quot;intelligenten&quot; Tempomaten kombinieren. Stellt dieser fest, dass sich die eingestellte gewünschte Durchschnittsgeschwindigkeit nur unwesentlich von der des Vorausfahrenden unterscheidet, wird entsprechend auf- oder abgeregelt. Auch dieses Fahren im Windschatten spart Energie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit ein bisschen zusätzlicher Elektronik an Bord könnten sich die beiden Fahrzeuge sogar miteinander unterhalten. Hätte zum Beispiel das erste Fahrzeug ebenfalls eine Bremselektronik, könnte der Abstand zwischen beiden verringert werden - auch auf ein Maß, dass für einen menschlichen Fahrer nicht mehr erträglich wäre. Denn das erste Fahrzeug würde beim Feststellen eines Hindernisses bzw. beim Einleiten des Bremsvorgangs zugleich praktisch verzögerungsfrei diese Informationen an das zweite Fahrzeug übermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche On-Board-Units (OBUs) wurden bereits vor etwa fünfzehn Jahren in einem Feldversuch zur Autobahnmaut untersucht. Damals war das politisch nicht opportun und die entsprechenden Konzepte wurden schnell wieder beerdigt. Als Jahre später doch ein Mautsystem eingeführt wurde, kam nicht das technisch sinnvollste System zum Einsatz, sondern das, bei dem sich die kooperierenden Großkonzerne durch intensive Lobbyarbeit im Verborgenen am besten bei den regierenden Politikern durchsetzen konnten. Denen verdanken wir jetzt die kostenintensiven und technisch nicht notwendigen Mautbrücken über die Autobahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor fünfzehn Jahren gab es noch keine billigen GPS-Empfänger, kein überall verfügbares Mobilfunksystem und kein Evernet (everywhere Internet). Heute wäre also ein solches System mit viel besserer Sensorik und viel geringeren Kosten zu realisieren. Man könnte Funkbaken am Straßenrand installieren. Diese würden mit den vorbeifahrenden Autos kommunizieren. So könnten Informationen über Geschwindigkeitsbegrenzungen, über Staus (die Baken können gleichzeitig die vorbeifahrenden Autos zählen und die Informationen der nächsten Baken in Straßenrichtung empfangen) und vieles andere mehr übermittelt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte die Baken sogar in die Straßen einbetonieren und sie ihre Energie aus den über sie hinweg fahrenden Autos gewinnen lassen. Denn ein großer Metallklotz, der sich schnell über einer Spule bewegt, induziert in dieser einen Strom, mit dem ein Akku aufgeladen werden kann. Die Elektronik selbst ist wartungsfrei. In einem so aufgebrezelten Straßensystem müsste der Fahrer auf der Autobahn nur noch das Lenkrad festhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Systemen, die ihm auch noch diese Aufgabe abnehmen, wird seit Jahren (eher Jahrzehnten!) geforscht. Der präferierte Ansatz ist die Verwendung einer oder mehrerer Kameras, die fortlaufend Bilder aufnehmen und die Bildinhalte mittels Bildverarbeitung zu verstehen suchen: Straßenverlauf, Verkehrsschilder. Ich arbeite in der Bildverarbeitung und ich halte diesen Ansatz für unsinnig. Ich prognostiziere, dass wir auch in den kommenden zwanzig Jahren kein System haben werden, das in einem Fahrzeug die Aufgabe des Fahrzeuglenkers übernehmen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Fehler dieses Ansatzes besteht darin, dass man versucht, eine Technik zu entwickeln, die sich in eine Umwelt einpassen soll, die für Menschen gemacht wurde, eben Fahrbahnmarkierungen und Straßenschilder in ansonsten beliebig komplexen Umweltszenen. Warum schafft man nicht ein alternatives System, das für die Maschinen viel einfacher zu verstehen ist und das eben parallel zu den für unsere Augen gedachten Informationsträgern existiert? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier hat es die entsprechenden Versuche bereits gegeben. Bohrt man in die Fahrbahn alle zwei Meter ein kleines Loch und versenkt in ihm einen kleinen Magneten, hat man die für eine technische Realisierung notwendige Infrastruktur bereits geschaffen. Ein sich über den Magneten bewegendes Auto kann das Feld des Dauermagneten erkennen und darauf aufbauend genau die Spur halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein mit derartigen Sensoren ausgestattetes Fahrzeug fährt auf dieser für uns unsichtbaren Linie der Magnete wie ein Zug auf einer Schiene. Zusammen mit den eingangs vorgestellten Systemen zur Geschwindigkeitsregelung ist eine Einflussnahme des Fahrers nur noch zum Spurwechsel und zum Abbiegen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sich jetzt die Frage stellen, warum ein derart einfaches und insgesamt sehr preiswertes System in unserer Gesellschaft bis jetzt noch nicht realisiert wurde. Die Antwort fällt recht leicht und sie hat wenig mit Technik sondern viel mit Ökonomie und Politik zu tun. Ein Fahrzeug, das mit Kameras und Software ausgestattet ist, funktioniert von der ersten Minute an für seinen Besitzer. Aus diesem Grund lohnt es sich für die Hersteller, es zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen, und es lohnt sich für den Käufer, es zu erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System, bei dem Kilometer für Kilometer erst die entsprechende Infrastruktur aufgebaut werden muss, und das erst einen messbaren Nutzen erbringt, wenn sehr viele Autos mit den entsprechenden Systemen ausgestattet sind, und das zusätzlich eine Verhaltensänderung seiner Benutzer erfordert, hat in unserer &quot;Marktwirtschaft&quot; keine Chance. Man denke sich als Analogie ein Deutschland, in dem es keine Schienen, Züge und Bahnhöfe gebe, und kalkuliere die Wahrscheinlichkeit, das alles heute einzuführen. Die Wahrscheinlichkeit ist nahe Null. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deprimierende Erkenntnis, die über den Einzelfall hinausreicht, ist, dass es Dinge gibt, die selbst dann nicht realisiert werden, wenn sie sinnvoll, technisch machbar und vielleicht sogar notwendig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Alltag/&quot;&gt;Alltag&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Visionen/&quot;&gt;Visionen&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-03T09:22:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5968971/">
    <title>Wie weiter in Thüringen?</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5968971/</link>
    <description>Ein Freund hat mich auf einen Artikel in der &quot;Welt online&quot; aufmerksam gemacht: &lt;a href=&quot;http://www.welt.de/politik/deutschland/article4679675/SPD-Chef-Matschie-strebt-jetzt-ein-Linksbuendnis-an.html&quot;&gt;SPD-Chef Matschie strebt jetzt ein Linksbündnis an&lt;/a&gt;. Er hat mir den Link für den Artikel geschickt, weil wir uns vor einiger Zeit über sprachliche Formulierungen von Journalisten und deren Dekodierung unterhalten haben. Seine rhetorische Frage: Was sagt der Bilduntertitel über die politische Meinung des Artikelautors aus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;325&quot; alt=&quot;matschie1&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/KwakuAnanse/images/matschie1.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;

&lt;blockquote&gt;Linke-Boss Bodo Ramelow (l.), SPD-Vorsitzender Christoph Matschie und Grünen-Chefin Astrid Rothe-Beinlich wollen Personalfragen klären, bevor es überhaupt zu Koalitionsverhandlungen kommen könnte&lt;/blockquote&gt;

Man hätte in denselben drei Zeilen auch schreiben können: 

&lt;blockquote&gt;Von links nach rechts die drei Parteivorsitzenden einer möglichen Koalition: Bodo Ramelow (Linke), Christoph Matschie (SPD) und Astrid Rothe-Beinlich (Bündnis 90 / Die Grünen)&lt;/blockquote&gt;

In der Psychologie wird derzeit intensiv am sogenannten Priming geforscht, der Beeinflussung durch unterschwellige Signale, bevor ein Text gelesen oder eine Aufgabe gelöst werden muss. In diesem Fall wird derjenige, der die Bildunterschrift gelesen hat und nichts über die Personen weiß, Ramelow als eine Art Gangster, Matschie als seriösen verantwortungsvollen Menschen und Rothe-Beinlich als eher legere Spaßfrau annehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mir den Text jetzt nach Feierabend genauer durchgelesen. Ich vermute, dass für Bildunterschrift und Text zwei verschiedene Personen verantwortlich waren, denn der Text selbst ist sachlich und neutral geschrieben. Einzig allein der Satz

&lt;blockquote&gt;Voraussetzung dafür ist für die Grünen, dass die Linke, in deren Reihen Ex-Stasi-Mitarbeiter tätig sind, sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt.&lt;/blockquote&gt;

hätte durchaus eine etwas nähere Erläuterung verdient. In diesem Fall handelt es sich vor allem um die zwei Frauen Ina Leukefeld und Marion Wallrodt. Ina Leukefeld hat sowohl einen &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ina_Leukefeld&quot;&gt;Wikipediaeintrag&lt;/a&gt; als auch eine &lt;a href=&quot;http://www.inaleukefeld.de/&quot;&gt;Homepage&lt;/a&gt;. Sie ist 2009 als Direktkandidatin in den Landtag gekommen, genauso wie 2004 auch. Kurz vor der Landtagswahl 2009 hat sie ihren Prozess vor dem Thüringer Landgericht gewonnen. Ein Parlamentsausschuss (CDU-Alleinregierung) hatte sie 2006 für &quot;parlamentsunwürdig&quot; bezeichnet. Diesen Beschluss hat das Gericht kurz vor der Landtagswahl als unzulässig verworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man die Wahlergebnisse von 2004 und 2009, so hat sie zwar Stimmen verloren von 43% auf 40%, der zweitbeste Kandidat von der CDU fiel allerdings von 33% auf 25%. Den Leuten in ihrem Wahlkreis ist also ganz offensichtlich nicht ihre Vergangenheit wichtig, sondern ihre heutige Arbeit im Wirtschaftsausschuss, im Gleichstellungsausschuss, in der Wohnungsbaugesellschaft ihrer Heimatstadt, in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und in der Volkssolidarität - und natürlich als ihre Interessenvertreterin im Landtag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Frau, Marion Wallrodt, war Hauptmann beim MfS. Jetzt arbeitet sie als Büroleiterin von Bodo Ramelow. Ihre DDR-Vergangenheit ist seit langem bekannt. Ramelow hat sich, bevor er sie eingestellt hat, längere Zeit mit ihr darüber unterhalten. Auch zu ihr gibt es wieder zwei verschiedene Sichtweisen. Die eine - Hauptmann der Stasi, die zweite - Russischübersetzerin bei der Auslandsaufklärung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles weitere, was man über sie lesen kann, ist belanglos, zum Beispiel das &lt;a href=&quot;http://www.flensburg-online.de/blog/2009-09/ddr-sozialismus-stasi-fall-bei-der-linken.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;:

&lt;blockquote&gt;Für ihre Dienste wurde sie gleich mehrfach ausgezeichnet, das letzte Mal im Februar 1989 mit der Verdienstmedaille der NVA in Silber.&lt;/blockquote&gt;

Hört sich ganz furchtbar an - für Leute, die nicht in der DDR gelebt haben. Wie ist es aber damit: Im Juni 1989 wurde Dieter Althaus, noch amtierender Ministerpräsident von Thüringen und Mitglied der CDU, für seine Leistungen als stellvertretender Schulleiter ausgezeichnet, wie man &lt;a href=&quot;http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Dieter_Althaus&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; nachlesen kann:

&lt;blockquote&gt;Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lehrer sollte er im Juni des selben Jahres von der FDJ eine Auszeichnung &quot;für hervorragende Leistungen bei der kommunistischen Erziehung in der Pionierorganisation Ernst Thälmann&quot; in Gold erhalten. Althaus nahm die Auszeichnung nach eigenen Angaben nicht an, jedoch die damit verbundene Geldprämie. Ein früherer Mitarbeiter der FDJ-Bezirksleitung Erfurt erklärte gegenüber den Medien, er sei bei einer Nachverleihung an Althaus in Erfurt anwesend gewesen.&lt;/blockquote&gt;

Ich habe Verständnis für die Bedenken der Leute von Bündnis 90 / Die Grünen gegenüber ehemaligen Stasileuten. Viele von den einstigen Bürgerrechtlern haben sehr gelitten in der DDR. Man kann es nur nicht pauschalisieren. Vielleicht sollten sich die Betroffenen im kleinen Kreis treffen und sich gegenseitig die Dinge sagen, die gesagt werden müssen und die offenen Probleme klären - und danach gemeinsam an die Lösung der heutigen Probleme gehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die oben angemahnte &quot;Auseinandersetzung&quot;: Wenn die Linken sich damit auseinandersetzen, bringt das nichts, denn das haben sie schon (es sei denn, man meint &quot;Entlassung&quot;, wenn man &quot;Auseinandersetzung&quot; sagt) und man glaubt ihnen als Außenstehender das sowieso nicht. Für eine ordentliche Aufarbeitung müssen schon die Sozialdemokraten und die Grünen mit an den Tisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Politik/&quot;&gt;Politik&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-30T17:22:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5963488/">
    <title>Wolfgang Prosinger: Tanner geht. Sterbehilfe - ein Mann plant seinen Tod</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5963488/</link>
    <description>Bevor ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich nicht, dass es im antiken Griechenland und in Rom bereits gesetzliche Regelungen für Sterbehilfe gab. Allerdings waren auch damals die Meinungen nicht einheitlich, Aristoteles lehnte sie ab, Seneca befürwortete sie. Senecas Argumente klingen auch heute noch modern:

&lt;blockquote&gt;»Wenn der eine Tod unter Qualen, der andere einfach und leicht sich vollzieht, warum sollte diesem nicht die Hand nachhelfen dürfen? Wie ich ein Schiff auswählen werde, wenn ich in See gehen, und ein Haus, wenn ich wohnen will, so den Tod, wenn ich aus dem Leben gehen will.« Die Erlaubnis zum Suizid leitet Seneca - ähnlich wie die Stoiker - von der Zerstörungskraft des Schmerzes ab, der ein »sittliches« Leben nicht mehr möglich mache. »Das Leben braucht nicht unter allen Umständen festgehalten zu werden. Nicht nämlich ist zu leben ein Gut, sondern sittlich zu leben.«&lt;/blockquote&gt;

Nach dem Siegeszug des Christentums war es mit diesen Gedanken erstmal vorbei, Suizid galt als schwere Sünde. Gottes Willen ist unerforschlich, also muss man Leiden als Bestandteil des Lebens akzeptieren.  Letztlich entsteht so das Problem der Theodizee, denn warum lässt Gott Menschen leiden, die er doch angeblich liebt? Wenn Eltern ihre Kinder quälen oder Polizisten  ihre Gefangenen, dann gilt das ja auch nicht als besonderer Ausweis ihrer Liebe. Wenn aber Gottes Willen hier falsch interpretiert wird, dann muss der Vorwurf des Sadismus an seine Exegeten weitergeleitet werden. Wenn jedoch Gott nicht existiert, dann liegt es allein in unserer Verantwortung, wie wir leben und wie wir sterben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ist kein Roman, sondern eine Reportage. Der Autor, Wolfgang Prosinger, hat im Onlineforum von Dignitas nach einem Freiwilligen gesucht, der ihm gestattet, ihn in der letzten Zeit seines Lebens zu begleiten. Der Name desjenigen, Ulrich Tanner, und die Namen seiner Freunde und Bekannten sowie die Wohnorte sind geändert, um die Persönlichkeitsrechte der Betreffenden zu schützen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tanner ist HIV-positiv, hatte Prostatakrebs, einen Tumor im Brustbereich, vor einiger Zeit bekam er Darmkrebs und wurde operiert. Jetzt ist Parkinson dazugekommen und der Darmkrebs ist auch zurückgekehrt. Tanner ist Architekt, 51 Jahre alt, hat Schmerzen, die sich nur noch mit Morphium dämpfen lassen, und er will nicht mehr leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem ist Tanner mit seinem Leben zufrieden, er hat auch schöne Momente erlebt. Sicherlich hat zu seinem Entschluss jetzt zu sterben beigetragen, wie er den Tod seiner Eltern erlebt hat. Zuerst wurde der Vater dement und musste ins Heim. Die Mutter hatte sich bis zuletzt gegen einen Umzug ins Heim gewehrt, aber als sie selbst immer stärker dement wurde, war auch das unvermeidlich, denn Tanner wohnte in einem anderen Land. Die beiden Eheleute haben sich im Heim nicht mehr erkannt. In einem klaren Moment hat seine Mutter versucht sich das Leben zu nehmen. Sie wurde von ihren Ärzten zurückgeholt und starb erst vier Tage später an den Folgen des Suizidversuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Buch werden verschiedene Aspekte des Themas beleuchtet, unter anderem die Alternativen zur Sterbehilfe: Hospizbewegung und Palliativmedizin. Deutschland hängt in vielem im Vergleich zu anderen Ländern zurück, zum Beispiel ist der Verbrauch an Morphium und die Anzahl der Palliativmediziner je Einwohner im Vergleich zu Österreich etwa fünfzehnmal kleiner. Den &quot;Sterbetourismus&quot; in die Schweiz gibt es also vor allem deshalb, weil die Betroffenen in Deutschland allein gelassen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tanner hat sich an Dignitas gewandt, eine Schweizer Organisation, die im Unterschied zu Exit auch Ausländer betreut. Im Buch werden die Abläufe genauer geschildert. Es ist auch bei Dignitas so, dass Ärzte die Ausschöpfung der Therapiemöglichkeiten des Patienten und die Tödlichkeit der Erkrankung bestätigen müssen. Im Durchschnitt dauert die Vorbereitung etwa 5 Monate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Wolfgang Prosinger, ist in die Schweiz gefahren und hat mit Mitarbeitern von Dignitas in deren Firmenzentrale gesprochen. Petra Keller und Eveline Bhatt sind zwei der Mitarbeiterinnen. Sie betreuen die Sterbewilligen am Telefon und arbeiten auch als Sterbebegleiterinnen:

&lt;blockquote&gt; &lt;b&gt;Petra Keller&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
Mit dem Sterben hat sie eigentlich schon immer zu tun gehabt, ganz am Anfang bereits, als Schwesternschülerin. Es war am ersten Tag ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, da fand sie ein Bett in einer Abstellkammer der Klinik. In diesem Bett lag eine Sterbende. So etwas war damals keine Ausnahme in Krankenhäusern. Wenn sich der Tod ankündigte, wurden die Betten oft aus den Mehrbettzimmern geschoben und einfach dort abgestellt, wo gerade Platz war, in irgendwelchen Kammern, in Badezimmern, manchmal auch einfach auf dem Flur. Petra Keller wusste das damals nicht und war schockiert, als sie die Sterbende fand. Und womöglich noch schockierter darüber, dass die Kranke ganz allein sich selbst überlassen war. Also blieb sie bei ihr und wich ihr nicht mehr von der Seite, sie hielt ihre Hand, bis sie gestorben war. »Da wusste ich, dass ich stark genug bin, den Tod auszuhalten.« &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Eveline Bhatt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Auch sie ist über persönliche Erfahrungen zur Sterbehilfeorganisation gekommen. Ihr Großvater starb einen harten und jämmerlichen Tod, ganz nah und intensiv hat Eveline Bhatt das mitbekommen und sich gefragt: Muss das so sein? Kurz danach erlebte sie zwei Suizide im engeren Bekanntenkreis. Einer davon hat sie besonders aufgewühlt: ein schwerkranker Mann, er hatte sich im eigenen Haus erhängt, seine Kinder fanden ihn. Wieder fragte sich Eveline Bhatt: Muss das so sein?&lt;/blockquote&gt;

Wolfgang Prosinger hat in der Schweiz mit Ludwig Minelli gesprochen, dem Leiter von Dignitas, auch über einen Fall, der es in Deutschland bis in die Schlagzeilen geschafft hat: Ende 2007 starben mit Unterstützung von Dignitas zwei Deutsche in ihrem Auto auf einem Parkplatz. Kennt man die Umstände näher, wirkt dieser Fall nicht mehr so gruselig. Auch auf politischen Druck wurden Dignitas auch in der Schweiz häufiger die angemieteten Sterbezimmer gekündigt - von Seiten der Vermieter durchaus verständlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Deutschen hätten dennoch in einem solchen Zimmer sterben können, sie wollten es aber in ihrem eigenen Auto  und fuhren zu diesem Zweck gemeinsam mit ihren Sterbebegleitern auf eine ruhige Waldlichtung. Es war ihre eigene Entscheidung und das verbleibende &quot;Menschenunwürdige&quot; müssen doch wohl eher die Gegner der Sterbehilfe verantworten, wenn sie die Betreffenden in die Halblegalität drängen. Nach Auskunft von Minelli macht Dignitas keinen Profit, im Gegenteil, der sehr vermögende Minelli schießt Gelder zu. (- Sagte Minelli zu Prosinger. Dieser Punkt ist allerdings laut Prosinger umstritten, weil Dignitas hier noch immer keine klärenden Dokumente vorgelegt hat.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dignitas ist international tätig, viele der Mitarbeiter sprechen mehrere Sprachen. Deutsche Politiker wettern zwar gegen den Sterbetourismus, aber noch kein deutscher Politiker hat sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und mit den Mitarbeitern oder Sterbewilligen gesprochen. - Im Unterschied zum Beispiel zu britischen oder skandinavischen Parlamentariern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Problem der Sterbehilfe heute so virulent ist, liegt paradoxerweise an den großen Erfolgen der Medizin. Früher war es kein Unterschied, ob man als Ziel ärztlicher Kunst den Kampf um das Leben oder den Dienst am Menschen sah. Nimmt man letzeres an, dann gehört heute auch die Hilfe beim Sterben in den ärztlichen Kanon, denn der Tod ist Bestandteil der menschlichen Existenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab in den letzten Jahren sehr ausgiebige Diskussionen um Patientenverfügungen. Viele Ärzte haben hier mit Recht darauf hingewiesen, dass man unmöglich alle möglichen medizinischen Fälle juristisch wasserdicht im Voraus regeln kann. Wenn der Patient jedoch Mitglied in einer Sterbehilfeorganisation ist, könnte sich die Situation für den Arzt klarer darstellen. Er wüsste dann genau, was der Patient nicht will: Eine Verlängerung eines Leben um jeden Preis, dass nicht mehr seines ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Medizin/&quot;&gt;Medizin&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Ethik/&quot;&gt;Ethik&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/B%C3%BCcher/&quot;&gt;Bücher&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-27T18:03:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://kwakuananse.twoday.net/stories/5960954/">
    <title>Ein Donnerstag</title>
    <link>http://kwakuananse.twoday.net/stories/5960954/</link>
    <description>Gestern Vormittag hatte mich mein Chef ausdrücklich zu der Promotionsverteidigung eines Mannes eingeladen, für den er eins der Gutachten geschrieben hatte. Ich wäre wahrscheinlich sowieso hingegangen, denn ich kannte das Arbeitsgebiet des Betreffenden von einer wenige Jahre zurückliegenden Zusammenarbeit. Zwei meiner Kollegen waren ebenfalls anwesend. Einer von ihnen kannte den Kandidaten bereits seit der dritten Klasse ihrer gemeinsamen Schulzeit, der andere war am Thema interessiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die beste Verteidigung, die ich jemals erlebt habe. Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, dass der Vortragende das Niveau etwas zu niedrig angesetzt hat, aber dieser erste Eindruck war falsch. Der Vortrag ging zwar nur über 25 Minuten, aber die darauf folgende Diskussion dauerte über eine Stunde. Ich habe selten jemanden erlebt, der in einer solchen Prüfungssituation auf schwierige Fragen schnell und ernsthaft nachdenken und angemessene Antworten geben kann. Da alle Gutachten &quot;Magna cum laude&quot; gewesen waren und auch das Rigorosum entsprechend bewertet worden war, bekam der Betreffende das selten vergebene &quot;Summa cum laude&quot;. Die Professoren der Prüfungskommission waren erkennbar beeindruckt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute habe ich mich mit meinem Kollegen unterhalten, der denjenigen ein bisschen privat kennt. Er erzählte mir, dass sich der Betreffende war kurzem von seiner langjährigen Freundin getrennt hat. Er hat sie verlassen, als sie von ihm verlangt hat, mehr Zeit mit ihr zu verbringen und weniger zu arbeiten. Oh!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder muss sich selbst die Frage beantworten, welche Ziele er im Leben verfolgen will. Ich hatte Mitte der Neunziger Jahre einen Unfall auf der Autobahn, an einem Freitag Abend, nach einer seinerzeit für mich üblichen, ziemlich harten Arbeitswoche. Es hätte damals alles vorbei sein können. Ich habe begonnen beruflich kürzer zu treten, meine Prioritäten haben sich verschoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit fast genau einem Jahr gehe ich jeden Donnerstag zur Musikschule und lerne Violine. Bis jetzt komme ich etwas schneller voran als die Sechs- bis Siebenjährigen, die gemeinsam mit mir begonnen haben, aber eines Tages werden sie sicher besser spielen - wenn sie dabei bleiben werden. Erwachsene, die sich für so etwas entscheiden, sind motiviert und hören sicherlich nicht so schnell auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwei Wochen habe ich mir eine eigene Violine gekauft. Da ich noch nicht über die nötige Erfahrung verfüge, bin ich natürlich gemeinsam mit meiner Lehrerin (die über zehn Jahre jünger ist als ich) im Laden gewesen. Die Testreihenfolge hatte ich mir vorher überlegt: Man beginne mit dem teuersten Instrument, gehe dann zu den preiswerteren über und nehme letztlich das Instrument vor dem ersten hörbaren Klangabfall. Unter der Annahme, dass die teueren Instrumente die besseren sind, sollte diese Methode funktionieren. Und in einem üblichen Musikgeschäft hängen ja keine Stradivaris. Meine Lehrerin und ich kamen recht schnell zu einem und sogar übereinstimmenden Urteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten beiden Wochen hatte ich so zu Hause zwei Violinen: Meine neu gekaufte eigene und das Leihinstrument der Musikschule. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, was für gewaltige Klangunterschiede es zwischen zwei (in meinen Augen) vollkommen gleich aussehenden Instrumenten geben kann, die &quot;Neue&quot; hat ja sogar die Farbe der &quot;Alten&quot;. Aber das neue Instrument ist geschätzt etwa doppelt so laut, und es scheint mir auch so, als ob man falsche Tonhöhen und die jammervollen Kratzer beim Saitenwechsel jetzt noch deutlicher als mit dem alten Instrument hört. Naja, da muss ich jetzt eben durch - und meine Nachbarn mit mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Spielen in der Musikschule ist so deutlich anders als mein sonstiger Alltag, dass ich hinterher immer sehr zufrieden mit mir bin und genügend motiviert, fast jeden Tag zu Hause zu üben. Gestern musste ich mich aber ganz gegen meine normalen Gewohnheiten nach dem Unterricht sehr beeilen, denn es wartete noch ein weiteres Highlight auf mich. Ich wollte danach zu einer Lesung mit &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Kaminer&quot;&gt;Wladimir Kaminer&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lesung fand in der Stadtbibliothek statt, wo man aus diesem Anlass die Bücherregale zur Seite geschoben hatte, um mehr Platz zu schaffen. Trotzdem war es brechend voll. Am Beginn der Lesung erwähnte er, dass er vor drei Jahren schon einmal bei uns zu Besuch war. Ich war etwas irritiert, denn es kann unmöglich schon wieder drei Jahre her sein. Die vorherige Lesung, an die ich micht erinnern konnte, fand im größten Hörsaal der Uni statt, auch damals gut besucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaminer ist ein Phänomen. Er schreibt Alltagsgeschichten aus der Sicht eines Exilrussen, in deutscher Sprache, die er nicht perfekt beherrscht. Wer redigiert eigentlich seine Texte? Es ist ein Blickwinkel, der teilweise meinem eigenen recht ähnlich ist, die Welt nicht völlig (oder überhaupt nicht) ernst nehmend. Und offenbar empfinden es auch andere so, deshalb der Zulauf, aber nur er kann es eben so unnachahmlich in Worte fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Kaminer noch nicht kennt, kann ihn zum Beispiel in der &lt;a href=&quot;http://russendisko.de/&quot;&gt;Russendisko&lt;/a&gt; besuchen, das war zugleich der Titel seines ersten Erfolgsbuches. Unter dem Link findet man auch seinen Weblog. Eine Leseprobe aus dem Eintrag vom 1.9. &lt;a &gt;Unter einem Dach&lt;/a&gt;:

&lt;blockquote&gt;Die Nachbarn sind die größte Herausforderung, eine weit größere als die eigene Familie. Wenn Du es mit den Nachbarn kannst, dann schaffst Du es auch mit dem Rest der Welt&quot; sagte mein Opa gerne. Er selbst war in seinem Leben mindestens ein Dutzend Mal umgezogen und wusste, wovon er sprach. Die Kinder werden groß und ziehen weg, die Eltern und die Großeltern sterben, die Nachbarn sind dagegen immer da -  überall und allgegenwärtig. Wenn die einen wegziehen, sterben, heiraten oder auswandern,  ziehen sofort irgendwelche anderen nach. Sie stellen unsere Flexibilität, unsere Kommunikationsfähigkeit, unsere humanistische Weltsicht täglich in Frage. Sie sind die größte Prüfung unsres Lebens.&lt;/blockquote&gt;

Sehr nett auch die von ihm selbst bei Youtube eingestellten Filmschnipselchen. Zum Beispiel die folgende Sicht auf uns Deutsche. Zu Beginn hält man ihn, wenn man ihn noch nicht kennt, für - äh - merkwürdig. Aber irgendwie hat er ja doch recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;260&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/DNNjhaStEkY&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/DNNjhaStEkY&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;260&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/topics/Alltag/&quot;&gt;Alltag&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Köppnick</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Köppnick</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-25T19:41:00Z</dc:date>
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