Brauchen wir Prominente?

In einem Forum tobt gerade (anlässlich des Todes von Michael Jackson) eine Diskussion darüber, ob wir Prominente brauchen. Dabei wurde die folgende Dame als Beispiel verlinkt. Es ist einfach unglaublich, ich hätte nicht gedacht, dass wir Deutschen Paris Hilton Paroli bieten können. But - Yes we can!



Zur Ehrenrettung der privaten Fernsehsender muss man sagen, dass auch die Kaderschulung dort stattfindet. Der beste Ausschnitt, über dessen Verlinkung ich dieses Kleinod überhaupt gefunden habe, ist dieser hier:
Weiterlesen

Reinhard Brandt: Können Tiere denken?

Das Buch beginnt mit den folgenden beiden Absätzen:
Wir Menschen leben in zwei Welten, die paradoxerweise zugleich eine sind. Das Tageslicht, die Gerüche aus dem Bäckerladen, die Hauswand, an der wir entlanggehen und die wir nicht durchschreiten können - diese unsere Lebenswelt unterscheidet sich zunächst nicht von der Umwelt des Hundes, der uns begleitet. Er nimmt sinnlich wahr wie wir; er erschrickt bei einem lauten Geräusch wie wir, beim Gang am Fluß wissen wir beide, daß das Wasser nicht begehbar ist, es sei denn im Winter, in dem wir gemeinsam frieren und uns nur zögernd aufs Eis wagen. Uns bewegt dieselbe freudige Erregung, wenn uns das Kind des Hauses entgegenkommt.

Zugleich gibt es für uns Menschen eine andere, dennoch identische Welt, von der die Tiere offenbar nichts wissen. Wir Menschen machen die Dinge zu Objekten der Erkenntnis; dieselbe Sonne, die sich im Tageslauf langsam von Osten nach Westen bewegt, steht, so erkennen wir, im Zentrum des Planetensystems, und unsere Erde dreht sich als Kugel um sich selbst. Wir spüren die Kälte, aber wir erkennen in ihr zugleich die Ursache der Vereisung des Flusses; kein Tier weiß, was eine Ursache ist, kein Tier kann sich wundern.
Nach dieser Einleitung ist bereits klar, wie die Antwort von Reinhard Brandt, emeritierter Professor für Philosophie aus Marburg, ausfallen wird. Seiner Meinung nach können Tiere nicht denken. Unbestritten sind die zum Teil erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten von Tieren, ihre Kommunikation mit anderen Lebewesen und ihr Sozialverhalten. Brandt gesteht ihnen sogar ohne Probleme ein Bewusstsein zu:
Weiterlesen

Michael Jackson

Heute war ich zu einem achtzigsten Geburtstag eingeladen. Meine mentale Kapazität zum Ertragen von Familienfeiern ist nicht sehr groß, aber drei oder viermal im Jahr kann ich es sogar genießen. Ich beherrsche zwar keinen Smalltalk, aber ich sitze dann halt da, schweige meistens und mache Leutekino. Ich beobachte, wie man sich, wenn man sich lange nicht gesehen hat, überschwänglich begrüßt, später angeregt unterhält, und sich dann doch allmählich Spannungen aufbauen. Mütter geraten mit ihren erwachsenen Töchtern aneinander, weil sie immer noch nicht akzeptieren können, dass diese eigene Vorstellungen über ihr Leben haben. Kinder, für die diese Feiern schnell langweilig werden, beginnen zu quängeln. Männer hören irgendwann ihren Frauen nicht mehr zu, sondern trinken ihre Bierchen. So ist das Leben. Niemand unterhält sich über Michael Jackson, weil dieser für dieses Familienleben vollkommen irrelevant ist.

Schaltet man aber Radio oder Fernsehen ein, gibt es seit zwei Tagen kaum ein anderes Thema als den Tod von Michael Jackson. Für die Medien und viele ihrer Konsumenten ist dieses Thema offenbar wichtig. Nur in einem Diskussionsforum fand ich die folgenden zwei Kommentare: „Nun ist der arme Kerl endlich erlöst.“ und „Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Superstars beträgt 40 Jahre.“ Tatsächlich führen einen der unbefangene Blick auf eine Reihe von Bildern, die Jackson in verschiedenen Lebensaltern zeigen, und die Kenntnis nur einer Minimalanzahl von Fakten aus seinem Leben zu der Feststellung, dass Michael Jackson In der Summe seines Lebens als Mensch sehr unglücklich gewesen sein muss. Wenn viele heute also seinen Tod betrauern, dann können sie nicht den Menschen meinen, sondern bloß den Verlust einer ihrer Projektionsflächen. Er hat etwas verkörpert, das viele als erstrebens- oder wenigstens bewundernswert angesehen haben.
Weiterlesen

Ad(o|u)lar

Vor einiger Zeit bin ich bei einem Test über die folgende Frage gestolpert: Welcher Begriff passt nicht in die Gruppe "Koprolith, Adolar, Citrin, Epidot, Karneol"? Ich habe damals "Adolar" gewählt. Tatsächlich war "Adolar" aber ein Schreibfehler, es sollte "Adular" heißen. Dann gilt, dass alle Begriffe Gesteine bezeichnen, nur Koprolith ist versteinerte Sch....

Aber so war es auch nicht schlecht, denn "Adolar" hat bei mir Kindheitserinnerungen an eine ungarische Zeichentrickserie geweckt. Hier ein paar Folgen:



Teil2, Teil3

Weiterlesen

Netzwerk Grundeinkommen

Auf der Seite http://www.grundeinkommen.de/ findet man neben wenig Substanz enthaltenden und sehr euphorischen Artikeln auch einige, die inhaltlich etwas tiefer gehen. Zum Beispiel wird auf die eher kritische Antwort des SPD-Bundestagsabgeordneten Axel Berg auf eine Anfrage verlinkt. Dieser war zu seiner Stellung zu einer Petition von Susanne West befragt worden.
Inhaltlich vertrete ich zum Thema Grundeinkommen noch keine abgeschlossene Position: Wir erleben derzeit einen Wandel der Arbeitswelt: Arbeit ist heute immer seltener eine organisatorisch und inhaltlich fixe Größe. Die Anforderungsprofile sind ständiger Veränderung unterworfen. Wissen und Produktionsanlagen müssen sich einem zunehmend globalen und schärfer werdenden Wettbewerb stellen. Arbeit mit fest umrissener Tätigkeitsbeschreibung tritt zugunsten flexibler Projektarbeit immer häufiger in den Hintergrund. Die Zahl klassischer Arbeitsverhältnisse ist daher rückläufig. Betriebe verkleinern ihre Kernbelegschaft und arbeiten verstärkt mit externen Zulieferern, Agenturen und Projektteams. Unbefristete Vollzeitbeschäftigungen weichen sogenannten "atypischen" Beschäftigungsformen. Arbeit bekommt damit zukünftig einen fundamental anderen, flexibleren und selbständigeren Charakter als bisher.

Vor dieser Entwicklung macht eine pauschale Forderung einer "Integration in das Erwerbsleben" nur begrenzt Sinn. Bereits der Begriff der "Integration" setzt logisch die Existenz eines arbeitstechnischen Normzustands voraus. Als solcher wurde bisher das sogenannte "Normalarbeitsverhältnis" begriffen: Ein unbefristetes, unselbständiges Arbeitsverhältnis, das einen geregelten Lohn aufweist, in dem der Arbeitnehmer der Weisungsgewalt des Arbeitgebers unterliegt und in die betriebliche Strukturen des jeweiligen Unternehmens eingegliedert ist. Das Konzept dieses Normalarbeitsverhältnisses stammt noch aus dem "fordistischen" Wirtschaftsmodell – einer Wirtschaftsordnung, die sich auf standardisierte Massenproduktion und -konsumtion mit Hilfe von Fließbandfertigung stützte. Zu der Zeit war das Arbeitsverhältnis auch noch auf das "männliche Ernährermodell" zugeschnitten: Der Arbeitslohn des Mannes musste als "Familienernährerlohn" den Lebensunterhalt der ganzen Familie sichern und eine streng instrumentelle Arbeitseinstellung währende der Normalarbeitszeiten garantierte Autonomie während der arbeitsfreien (Frei-)Zeit.

Obwohl dieses fordistische Ideal in einer globalisierten Informations- und Innovationswirtschaft keine Gültigkeit mehr besitzt, versuchen wir es mit aller Kraft aufrecht zu erhalten. Besonders schwerwiegende Konsequenz dieser verzweifelten Ausrichtung der gesamten Arbeitsmarktpolitik an einer Vollbeschäftigung im Normalarbeitsverhältnis sind stetig wachsende Staatsausgaben.
Weiterlesen

Moshe Feldenkrais: Bewusstheit durch Bewegung

Ich habe einen ziemlich ungewöhnlichen Chef. Er bürstet insofern kräftig gegen den Strich, als er als Chef und Besitzer einer 18-Mann-Firma und Hochschullehrer ein bekennender Linker ist (noch linker als ich) und mitten in der Wirtschaftskrise ein neues Gebäude bauen lässt, damit wir gute Ausgangsbedingungen haben, wenn die Konjunktur wieder anspringt. Eine weitere seiner unkonventionellen Ideen besteht darin, seinen Mitarbeitern eine Physiotherapeutin zu bezahlen.

Die Physiotherapeutin ist die Frau eines Kollegen und in vielen Dingen ebenfalls sehr ungewöhnlich. Da mein Chef uns die Auswahl überlassen hat, welche Therapie wir gern in Anspruch nehmen wollen, habe ich mich nicht für Klassiker wie Massage oder Pilates entschieden, sondern für QiGong und Feldenkrais, was ich beides noch nicht kannte. Während QiGong ein uralter Bestandteil östlicher Kultur ist, wurde die Feldenkrais-Methode erst vor wenigen Jahrzehnten von Moshe Feldenkrais entwickelt.

Mich verblüfft, dass man mit Meditationstechniken, die eine Loslösung des Geistes vom Körper bezwecken, und mit der körperorientierten Feldenkrais-Methode ähnliche Effekte hervorrufen können soll. Während meine Physiotherapeutin eher praktisch orientiert ist, haben mich auch die theoretischen Überlegungen von Feldenkrais interessiert und ich habe mir von ihr das Buch "Bewusstheit durch Bewegung", geschrieben von Moshe Feldenkrais selbst, ausgeborgt. Feldenkrais war ein origineller und scharfsinniger Denker, der die aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung seiner Zeit kannte und ein ausgesprochen und angenehm unideologisches Bild auf den Zusammenhang zwischen Körper und Geist entwickelt hat. (Im Gegensatz zum Beispiel zur Theorie des QiGong, die ohne Bramarbasieren mit dem Qi nicht auskommt, obwohl man auch hier den Erfolg ganz profan auf die regelmäßige Wiederholung gymnastischer Übungen zurückführen könnte.)

Der Ausgangspunkt der Überlegungen von Moshe Feldenkrais ist recht einfach:
Weiterlesen

Statistiken

Beim Googeln über die Sicherheit von Verkehrsmitteln ist mein Kollege auf diese Statistik gestoßen:

statistik1

Nun sind Waffen zwar keine Verkehrsmittel im eigentlichen Sinn, weil sie nicht Menschen, sondern kleine metallene Gegenstände von A nach B transportieren, aber als Argument über das Für und Wider privaten Waffenbesitzes taugt diese Grafik schon etwas. Überhaupt scheint http://de.statista.com/ eine sehr interessante Seite zu sein. "Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", heißt es, und tatsächlich findet man zum gleichen Thema häufig Statistiken, die vollkommen unterschiedliche Schlussfolgerungen implizieren. Dort lohnt sich ein genauer Blick auf die Fragestellung. Ein Beispiel sind die jetzt vorgesehenen Maßnahmen im Internet gegen Kinderpornografie. Auch zu diesem Thema wird man bei Statistika fündig. Hier kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und seinen Verstand trainieren:
Weiterlesen

Kommentare hier ...

Ein Fräulein Hilton...
Ein Fräulein Hilton an Blödheit noch zu toppen...
nömix - 1. Juli, 07:42
@Köppnick
Das Zitat aus der DDR-Doku hab ich nur als (ein anderes)...
ostfriese - 30. Juni, 00:30
@Ostfriese
Mit deinen Fragen hast du wohl Recht. Gestern sprach...
Köppnick - 29. Juni, 21:52
@Köppnick
Dass MJ als Kind von seinem Vater gedrillt und in gewisser...
ostfriese - 28. Juni, 21:40
@Ostfriese
Das wir uns hier auf sehr dünnem Eis bewegen,...
Köppnick - 28. Juni, 18:12
Irgendwo habe ich heute...
Irgendwo habe ich heute gelesen, MJ sei gar nicht tot....
Gregor Keuschnig - 28. Juni, 17:30
Wer klärt mich auf?
Ich habe einen tollen Artikel gefunden: Weltregierung...
Köppnick - 28. Juni, 17:20
Du gehst der Superstar-Verklärung...
Du gehst der Superstar-Verklärung letztlich auch...
Köppnick - 28. Juni, 17:14
Du gehst der Superstar-Verklärung...
Du gehst der Superstar-Verklärung letztlich auch...
Gregor Keuschnig - 28. Juni, 14:46
@ostfriese
stimme voll zu!
creature - 28. Juni, 14:14
@Köppnick
Kein einziges Werk kann irgendwelche menschlichen Leiden...
ostfriese - 28. Juni, 13:30
Einer dieser optimistischen,...
Einer dieser optimistischen, lebensfrohen Jugendlichen...
Köppnick - 27. Juni, 21:54