Rudolf Taschner: Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche

Es ist nur ein schmales Büchlein, kleiner als A5 und mit weniger als 50 Seiten Umfang. Es ist der Nachdruck eines Vortrags des Autors im Rathaus von Wien. (Die Personen im Titel sind alle gebürtige Österreicher.) Man kann das Buch bequem an einem Abend lesen. Rudolf Taschner hat inzwischen weitere Werke veröffentlicht, die sich alle irgendwie mit der Mengenlehre und dem Unendlichen beschäftigen.

Im vorliegenden Buch ist der Einstieg eine Szene, die Robert Musil geschrieben hat:
»Da war ich dann also wirklich im Allerheiligsten der Bibliothek«, schildert der General und fährt fort: »Ich kann dir sagen, ich habe die Empfindung gehabt, in das Innere eines Schädels eingedrungen zu sein; rings herum nichts wie diese Regale mit ihren Bücherzellen, und überall Leitern zum Herumsteigen, und auf den Gestellen und den Tischen nichts wie Kataloge und Bibliographien, so der ganze Succus des Wissens, und nirgends ein vernünftiges Buch zum Lesen, sondern nur Bücher über Bücher: Es hat ordentlich nach Gehirnphosphor gerochen, und ich bilde mir nichts ein, wenn ich sage, dass ich den Eindruck hatte, etwas erreicht zu haben!

Aber natürlich war mir, wie der Mann« - gemeint ist der dem General hilfreich zur Seite stehende Bibliothekar - »mich allein lassen will, auch ganz sonderbar zumute, ich möchte sagen, unheimlich; andächtig und unheimlich. Er fährt wie ein Affe eine Leiter hinauf und auf einen Band los, förmlich von unten gezielt, gerade auf diesen einen, holt ihn herunter, sagt: >Herr General, hier habe ich für Sie eine Bibliographie der Bibliographien< - du weißt, was das ist? - also das alphabetische Verzeichnis der alphabetischen Verzeichnisse der Titel jener Bücher und Arbeiten, die sich in den letzten fünf Jahren mit den Fortschritten der ethischen Fragen, ausschließlich der Moraltheologie und der schönen Literatur, beschäftigt haben - oder so ähnlich erklärt er es mir...
Damit hat man ein praktisches Beispiel eines verzwickten Problems der Mengenlehre: Kann die Bibliografie der Bibliografien sich selbst als Eintrag enthalten? Taschner erläutert es wie folgt:
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Cornelia Funke: Tintenherz


So, jetzt habe ich das Buch gelesen und mir damit die Berechtigung erworben, den Film anschauen zu dürfen!

Eine Inhaltsangabe möchte ich hier nicht geben, bei Belletristik finde ich es immer ein bisschen unfair, wenn denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, durch eine Rezension ein Teil der Spannung genommen wird. Bei populärwissenschaftlichen Büchern sehe ich das ganz anders. Deshalb hier nur ein paar Gedanken, die mir beim Lesen des Buchs gekommen sind.

Bereits beim Herrn der Diebe (und beim Vergleich mit "Harry Potter") war mir aufgefallen, dass gute Bücher für Kinder mittleren Alters genügend Tiefe haben, damit sich auch ihre Eltern darin wiederfinden. Meist sind es Erwachsene oder Situationen, die zwar kindgerecht etwas überzeichnet und vereinfacht dargestellt sind, aber dennoch genügend Identifikations- bzw. Distinktionsmöglichkeiten bieten. Bei Harry Potter sind es überwiegend die Lehrer, in Tintenherz die drei Bibliophilen als die Guten und eine ganze Anzahl Gauner als die Bösen.

Ich habe manchmal darüber nachgedacht, welche Einstellung Schriftsteller zu Büchern haben - nicht zu dem von ihnen geschriebenen Inhalt, sondern zu dem Gesamtkunstwerk, also dem Einband, der Bindung, dem verwendeten Papier, dem Schriftsatz und den Illustrationen. Vielleicht wird sich diese enge Verbindung zwischen Form und Inhalt in einigen Jahren ja auflösen, die größten Zuwächse erzielen die Verlage heute mit "eBooks", aber so ganz mag ich das noch nicht glauben.

Cornelia Funke scheint das Haptische noch nicht aus den Augen verloren zu haben (oder sollte man besser "nicht aus den Fingern verloren" sagen?), jedenfalls hat sie die Illustrationen für Tintenherz selbst gezeichnet und die drei erwachsenen Haupthelden sind, wie schon erwähnt, prototypische Bibliophile. Es gibt einen Buchbinder, der zugleich magische Fähigkeiten beim Vorlesen zeigt, eine besessene Sammlerin auserlesener Bücher mit einer riesigen Bibliothek und einen Schriftsteller. Wenn in Büchern Letztere eine Rolle spielen, dann ist das eine interessante Form von Selbstreferenzialität, als Leser überlegt man, welche der beschriebenen Eigenschaften der "echte" Schriftsteller seinem Alter Ego geliehen hat:
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Reformationstag

hexe

Das Bild ist selbsterklärend. Kein weiterer Text notwendig.
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Daniel Hope: Wann darf ich klatschen?

Die Erfurter Herbstlese ist eine jährliche Veranstaltungsreihe, bei der im Oktober und November eine Reihe von Buchlesungen stattfinden, aber auch andere interessante Veranstaltungen eingebettet sind. Man muss sich rechtzeitig ein Programmheft besorgen und Karten buchen, wenn man an speziellen Dingen Interesse hat.

In diesem Jahr war ich bei der Einführungsveranstaltung mit Friedrich Schorlemmer, einem Bürgerrechtler, der deutschlandweit zur Zeit der Wende sehr bekannt geworden ist. So wie er damals die Zustände in der DDR kritisiert hat, so kritisiert er heute die Zustände in Deutschland und hier vor allem den Umgang mit der DDR-Vergangenheit.

Die zweite Veranstaltung, die ich besucht habe, war eine Lesung mit Thomas Großbölting. Er hat das Buch Friedensstaat, Leseland, Sportnation? herausgegeben, in dem eine Reihe von Wissenschaftlern ihre Ergebnisse der Erforschung der DDR in essayistischer Form vorgestellt haben. Interessant ein Querbezug, den ich beim Googeln gerade gefunden habe: Mit "Thomas Großbölting" als Suchbegriff landet man sehr schnell bei dem "Institut zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur". Genau diese Bezeichnung hatte Schorlemmer kritisiert, weil sich hier das moralische Urteil über den Forschungsgegenstand bereits vorab im Namen zeigt.

Aber die Lesung bzw. besser die Podiumsdiskussion mit dem Geschichtsprofessor fand ich recht gut. Auf eine entsprechende Frage antwortet er sinngemäß, dass es natürlich außer der Aufarbeitung der Lebenslügen der DDR (Friedensstaat, Leseland, Sportnation) genauso notwendig wäre, die entsprechenden Mythen der alten Bundesrepublik wissenschaftlich zu analysieren. Dass das nicht in demselben Maß passiert, liegt unter anderem daran, dass viele Archive nicht so zugänglich sind wie die der DDR und es für deren Erforschung einfach mehr Forschungsgelder, auch international, gibt.

Die dritte Veranstaltung vom Mittwoch war dann im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen gänzlich unpolitisch. Daniel Hope stellte sein Buch Wann darf ich klatschen? Ein Wegweiser für Konzertgänger vor. Ich gestehe, dass ich vor der Veranstaltung nicht wusste, wer Daniel Hope ist. Ich war einfach nur neugierig auf die Antwort auf die Klatschenfrage und wie man daraus ein ganzes Buch machen kann.
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Die Päpstin

Gestern habe ich mir "Die Päpstin" zusammen mit einem guten Freund angesehen. Normalerweise werde ich in solchen Filmen immer von seiner Frau begleitet, da er mehr auf Action steht. Dieses Mal aber haben ihr wahrscheinlich die Kritiken nicht so gut gefallen, sie wollte sich deshalb die Bilder in ihrem Kopf, die sie sich nach dem Lesen des Buches gemalt hatte, nicht verderben lassen. Ich hatte zuvor zwar die Mäkelei in der Telepolis gelesen, wollte den Film aber trotzdem sehen und fand ihn recht gut.


Immer wenn ich ein solches außerordentlich begabtes Kind sehe und dann die Umstände, unter denen es mehr leidet als lebt, frage ich mich, wie viele Talente in der Menschheitsgeschichte schon vergeudet worden sind. Johannes Johanna Angelicus ist da ein typisches Beispiel und hat bei aller Tragik trotzdem noch Glück, denn sie vollbringt letztendlich ja Außerordentliches. Die Schulszene, in der sie als Mädchen zuerst von einem Beauftragten des Bischofs gelobt und dafür dann von ihren Mitschülern auf Geheiß des Lehrers mit Tinte übergossen wird, tat mir schon fast körperlich weh.
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Paul Davies: Prinzip Chaos

Als ich das Buch bei einem Bekannten sah, erinnerte ich mich dunkel an den Namen des Autors und borgte mir das Buch aus. Paul Davies ist Professor für Theoretische Physik und hat es 1988 geschrieben. Inzwischen ist er Verfasser von einer ganzen Reihe weiterer populärwissenschaftlicher Bücher. Im Vorwort heißt es:
Gewöhnlich stellt man sich unter der Erschaffung des Universums ein weit zurückliegendes plötzliches Ereignis vor. Diese Vorstellung wird von der Religion, aber auch von der Wissenschaft bestätigt, die Anhaltspunkte für einen »Urknall« besitzt. Doch durch diese schlichte Vorstellung wird verdeckt, daß die Erschaffung des Universums nie aufgehört hat.

Nach Ansicht der Kosmologen befand sich das Universum unmittelbar nach dem Urknall in einem vollkommen gestaltlosen Zustand, und erst später entstanden all die Strukturen und die Mannigfaltigkeit, die wir heute beobachten. Es gibt offenbar physikalische Vorgänge, die aus dein Nichts oder doch beinahe aus dem Nichts Sterne, Planeten, Kristalle, Wolken und Menschen entstehen lassen.

Woher kommt diese erstaunliche Schöpfungskraft? Kann die fortdauernde Kreativität der Natur mit den uns bekannten physikalischen Vorgängen erklärt werden, oder sind darüber hinaus Gestaltungsprinzipien wirksam, die der Materie und der Energie Form geben und sie zu immer höheren Zuständen der Ordnung und der Komplexität führen?
Eigentlich hat er mit diesen ersten Sätzen bereits eindeutig Stellung bezogen gegen einen einfachen physikalischen Reduktionismus. In der Tat ist dann ein großer Teil des Buchs Belegen dafür gewidmet, warum die beiden Hauptthesen dieses Reduktionismus "Alle Ereignisse der Realität lassen sich auf die Eigenschaften der von der Physik beschriebenen Teilchen zurückführen" und "Alle heute beobachtbaren Erscheinungen der Realität lagen bei t+0 des Urknalls bereits fest" zu merkwürdigen Konsequenzen führen müssen.
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Kommentare hier ...

Den letzten Absatz unterschreibe...
Den letzten Absatz unterschreibe ich voll. Das ist...
steppenhund - 25. Oktober, 18:00
Ich stelle fest, dass...
Ich stelle fest, dass ich momentan ganz schlecht denke,...
steppenhund - 25. Oktober, 17:55
@ Köppnick
Ich glaube auch nicht, dass sich die Situation für...
ostfriese - 25. Oktober, 12:53
@Ostfriese Ich glaube...
@Ostfriese Ich glaube nicht, dass sich die Situation...
Köppnick - 21. Oktober, 20:07
Hinzu kommt auch noch...
Hinzu kommt auch noch im Informationsdschungel das...
Metepsilonema - 21. Oktober, 08:58
Gedankenlosigkeit und...
... erfüllen zwar durchaus lebensdienliche Funktionen,...
ostfriese - 19. Oktober, 00:17
...
Muster - Das Hirn fällt sich allzuleicht in seinem...
rudolf33a - 18. Oktober, 22:51
Simulationen sind 'wir'...
... sowieso ;-) Welches Substrat unser Bewusstsein...
ostfriese - 18. Oktober, 22:36
Ich denke, wir können...
Ich denke, wir können uns auf Folgendes einigen....
Köppnick - 12. Oktober, 13:36
Gott redet zu uns Menschen. Immer...
Gott redet zu uns Menschen. Immer wieder - Gott ist...
rudolf33a - 12. Oktober, 13:15
"Gott ist Liebe" würde,...
"Gott ist Liebe" würde, wenn beide Begriffe identisch...
Köppnick - 12. Oktober, 12:43
Wow, das ist ja unbeschreiblich....
Wow, das ist ja unbeschreiblich. Mir fallen einfach...
Tom (Gast) - 12. Oktober, 11:06