
Ich habe einen ziemlich ungewöhnlichen Chef. Er bürstet insofern kräftig gegen den Strich, als er als Chef und Besitzer einer 18-Mann-Firma und Hochschullehrer ein bekennender Linker ist (noch linker als ich) und mitten in der Wirtschaftskrise ein neues Gebäude bauen lässt, damit wir gute Ausgangsbedingungen haben, wenn die Konjunktur wieder anspringt. Eine weitere seiner unkonventionellen Ideen besteht darin, seinen Mitarbeitern eine Physiotherapeutin zu bezahlen.
Die Physiotherapeutin ist die Frau eines Kollegen und in vielen Dingen ebenfalls sehr ungewöhnlich. Da mein Chef uns die Auswahl überlassen hat, welche Therapie wir gern in Anspruch nehmen wollen, habe ich mich nicht für Klassiker wie Massage oder Pilates entschieden, sondern für QiGong und Feldenkrais, was ich beides noch nicht kannte. Während
QiGong ein uralter Bestandteil östlicher Kultur ist, wurde die
Feldenkrais-Methode erst vor wenigen Jahrzehnten von
Moshe Feldenkrais entwickelt.
Mich verblüfft, dass man mit Meditationstechniken, die eine Loslösung des Geistes vom Körper bezwecken, und mit der körperorientierten Feldenkrais-Methode ähnliche Effekte hervorrufen können soll. Während meine Physiotherapeutin eher praktisch orientiert ist, haben mich auch die theoretischen Überlegungen von Feldenkrais interessiert und ich habe mir von ihr das Buch "Bewusstheit durch Bewegung", geschrieben von Moshe Feldenkrais selbst, ausgeborgt. Feldenkrais war ein origineller und scharfsinniger Denker, der die aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung seiner Zeit kannte und ein ausgesprochen und angenehm unideologisches Bild auf den Zusammenhang zwischen Körper und Geist entwickelt hat. (Im Gegensatz zum Beispiel zur Theorie des QiGong, die ohne Bramarbasieren mit dem Qi nicht auskommt, obwohl man auch hier den Erfolg ganz profan auf die regelmäßige Wiederholung gymnastischer Übungen zurückführen könnte.)
Der Ausgangspunkt der Überlegungen von Moshe Feldenkrais ist recht einfach: