
Daniel Tammet ist ein Savant. Das sind Menschen, die Autisten sind und zugleich auf einigen Gebieten über bemerkenswerte Fähigkeiten verfügen. Als Autist wird man geboren, Tammet hatte zusätzlich in seiner Kindheit epileptische Anfälle, von denen man vermutet, dass sie zusätzliche Veränderungen in seinem Gehirn verursacht haben.
Eine von Daniel Tammets Begabung ist Savant-typisch, er ist Kalenderrechner, d.h. er kann für einen beliebigen Tag angeben, welcher Wochentag es ist. Er spricht zehn Sprachen, wobei er sich zum Beispiel das Isländische innerhalb einer Woche angeeignet hat, nachdem er eine Einladung vom isländischen Fernsehen erhalten hatte. Die ersten drei Tage anhand von ein paar Büchern und Kassetten, die folgenden vier Tage gemeinsam mit einer Sprachlehrerin. Danach hat er im isländischen Fernsehen in Isländisch mehrere Interviews gegeben. Er wurde auch ins deutsche Fernsehen eingeladen und hat dafür in einer Woche Deutsch gelernt. Das war aber nicht ganz so verblüffend. Zum einen ist Deutsch dem Englischen, seiner Muttersprache, viel ähnlicher als Isländisch, zum anderen kannte er Deutsch schon aus der Schule.
Richtig bekannt geworden ist Daniel Tammet durch seinen Weltrekord im Aufsagen von 22514 Nachkommastellen von Pi. Er hat sie sich innerhalb von drei Monaten eingeprägt und anlässlich einer Benefizveranstaltungen in reichlich fünf Stunden unter Zeugen rezitiert. Beim Lernen der Zahlen konnte er auf seine Synästhesie zurückgreifen. Tammet verbindet mit jeder Zahl sinnliche Vorstellungen, jede Zahl hat eine andere Größe, eine andere Farbe, sieht anders aus, hört sich anders an, schmeckt und riecht wahrscheinlich auch anders. Normalsterbliche benutzen Mnemotechniken, um sich Zahlenfolgen oder Gegenstände zu merken, in dem sie das zu Merkende mit Bildern verbinden. Bei Tammet ist das angeboren. Er hat sich die Nachkommastellen in Hunderter Blöcken eingeprägt, wobei jeder Block einer bestimmten Landschaft entspricht, die er nur zu durchwandern braucht.
Synästhesie, das Übersprechen einzelner Sinneskanäle, ist gar nicht so weit weg von der normalen Funktionsweise unseres Gehirns. Zum Beispiel hat man Menschen verschiedener Kulturkreise gebeten, Kunstworten Formen zuzuordnen, hier "kiki" und "bouba" den folgenden beiden Formen: